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Tim P.: Ein Account vermeintlich von einem Kind, das AfD-Botschaften verbreitet. screenshot

Was steckt hinter dem Kinder-Account, der Werbung für die AfD macht?

lars wienand

Ein vermeintliches Kind taucht mit seinem Profil auf Twitter, Facebook und Instagram auf und verbreitet AfD-Botschaften. Die Reaktionen sind heftig. Doch wer steckt wirklich hinter den Accounts?

Und viele fragen sich: Kann das echt sein?

Denkbar ist, dass die Identität des Jungen oder Fotos eines anderen Kindes missbraucht werden. 

Wie sich Tim P. auf Twitter zeigt:

Auf Twitter hatte Tim P. am 27. Juni sein erstes Lebenszeichen abgegeben. Er hatte mittags um kurz nach 15 Uhr einen AfD-Tweet über eine Attacke eines Asylbewerbers auf einen Hausmeister weiter verbreitet, in seinem Profilbild trägt er rote Krawatte zum blauen Jackett – AfD-Kombination.

Auf Facebook gibt es seinen Account schon seit 2016, dort kommentierte er im März bei Bundeskanzlerin Merkel kritisch und zeigt vom 30. Juni an deutlich seine Neigung für die AfD. Er kommentierte den Livestream vom AfD-Bundesparteitag. In der Folge trat die Person hinter dem Account AfD-Gruppen bei und bedankte sich für die Aufnahme.

Zumindest zu Schulzeiten schickte er keine Tweets ab. Dafür aber antwortete er auf einen der ersten Kommentare zu seinen Tweets abends um 22.30 Uhr. Schule? – "Ich bin der Meinung, dass du dich darum nicht kümmern musst."

Was für die Glaubwürdigkeit des Accounts spricht:

Bei den überprüfbaren Angaben gibt es keinen offensichtlichen Widerspruch. Es gab ein zweites Foto von ihm, beide führen über Bildersuchen nicht zu anderen Personen. Er gibt an, aus Nürnberg zu sein, Fotos in seinem Facebook- und Instagram-Profil sind aus Nürnberg, er kündigte auch seinen Besuch bei Pegida Nürnberg an.

Eine Person mit dem gleichen Nachnamen aus der Nürnberger Region und etlichen Freunden dort gibt in seinem Profil an, der Vater von Tim zu sein. Er hat auf eine Anfrage von t-online.de nicht reagiert.

Im Tim-Profil gibt es vieles, was für ein Kind spricht. Kommentare und Likes zu Cristiano Ronaldo, den Instagram-Zwillingen Lisa und Lena sowie dem "Pummeleinhorn".

Befreundet ist er mit dem Profil eines Jungen aus dem Nachbarort und mit einer Person gleichen Nachnamens aus dem Raum Nürnberg. In einem Posting schreibt eine Frau aus Dresden auch, sie sei die Oma. Bei ihr hatte er den Fall des Berliner Gürtelschlägers kommentiert.

Was gegen die Glaubwürdigkeit spricht:

Mit dieser "Oma" ist Tim P. erst seit ein paar Tagen befreundet – und seither auch mit einer Freundin dieser Frau und vielen weiteren Menschen aus der AfD und dem Unterstützerumfeld. Mit ihnen hat er viele Freunde gemeinsam, bei dem Jungen aus dem Nachbarort werden keine gemeinsamen Freunde angezeigt.

Verwunderlich ist für einen Jungen aus Nürnberg auch, bei welchen Gewinnspielen er sich beteiligte: bei Dr. Oettker-Österreich und den österreichischen Supermärkten Hofer, Spar und Billa, wo er Karten für die Beachvolley-Ball-WM in Wien im vergangenen Sommer gewinnen wollte. Auf Twitter folgt er mehr als 200 AfD-Accounts diverser unbekannter Kreisverbände und nur regional bekannter Politiker aus ganz Deutschland.

Was der Account-Inhaber sagt:

t-online.de hat Tim P. auf Facebook angeschrieben und – nach einer evtl. Abstimmung mit den Eltern – um ein Interview gebeten. Die erlaubten ihm kein Interview, antwortete er. Er habe auch sein Twitter-Profil löschen müssen "wegen all des Hasses". In der Tat hatten viele Nutzer mit Tim. P. diskutiert, sehr viele hatten ihn aber auch mit Beschimpfungen überschüttet und lächerlich gemacht. Trolle, die Twitter regelmäßig für Provokationen nutzen, hatten ihn zum Ziel erkoren.

Allerdings wurde der Account nicht gelöscht, sondern war kurzzeitig nicht erreichbar und dann wieder da. Der Unterschied: 138 Retweets waren verschwunden.

Dieser Artikel erschien zuerst auf t-online.de.

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