Digital
BERLIN, GERMANY - JANUARY 31:  Family Minister Katarina Barley (SPD) arrives for the weekly German interim federal Cabinet meeting in the German federal Chancellery on January 31, 2018 in Berlin, Germany. High on the meeting's agenda was discussion of the country's federal economy report.  (Photo by Adam Berry/Getty Images)

Bild: Getty Images Europe

Facebook trifft sich mit Bundesregierung nach Datenskandal – und das kam raus

Max Biederbeck, Christina zur Nedden

Spoiler: Wenig.

Es war die eine Frage, die Katarina Barley heute mit Richard Allen, dem Europa-Chef von Facebook klären wollte: Inwieweit sind deutsche Nutzer vom Skandal um den Missbrauch von Facebook-Daten durch die britische Firma Cambridge Analytica (CA) betroffen? Die Antwort: Kaum. 

Denn von den 300.000 Menschen, die an der Umfrage teilnahmen, die gerade Bestandteil des Facebook-Datenskandals ist, befinden sich nur ein Prozent in Europa. Wie viele davon in Deutschland sitzen, soll Facebook jetzt untersuchen. 

Barley bekam noch einige andere Zugeständnisse von Facebook, richtig viel ändert sich aber erst einmal nicht. "Es ist schwierig, konkrete Zusagen zu bekommen", sagte Barley nach dem Treffen in einer Pressekonferenz. Vor allem im empfindlichsten Punkt, der Transparenz von Algorithmen, wolle Facebook "wohlwollend prüfen", könne aber ja keine Geschäftsgeheimnisse verraten, sagte sie. 

Die Verhandlungsergebnisse im Überblick

Barleys Forderungen kommen nicht ohne Grund. Genug Anlass zur Sorge um den Datenschutz von Facebook-Nutzern gab es in den letzten Tagen: Erst hieß es, CA habe Daten von 50 Millionen Nutzern teils heimlich für den Wahlkampf des heutigen US-Präsidenten Donald Trump ausgewertet und eingesetzt. Am Montagmorgen berichteten dann britische Medien, dass offenbar auch britische Wahlkämpfer für den Brexit ihre Wähler mit Hilfe von Cambridge Analytica zu manipulieren versuchten.

Barley hatte sich schnell in die weltweite Debatte eingeschaltet und kritisierte, Nutzer und Behörden seien nicht informiert worden, obwohl "Facebook vom dubiosen Handeln von Cambridge Analytica seit Langem wusste", sagte sie der Süddeutschen Zeitung. Es müsse "klarer erkennbar sein, nach welchen Programmcodes Unternehmen wirklich vorgehen."

Gegenüber watson hatten Netzpolitiker fraktionsübergreifend vor der Intranzparenz gewarnt, mit der Facebook arbeite.

Der netzpolitische Sprecher der SPD, Jens Zimmermann, sagte:

"Die Unternehmen müssen verpflichtet werden, deutsches und europäisches Recht einzuhalten und den Schutz der Persönlichkeitsrechte zu sichern."

zu watson

Jimmy Schulz, Netzpolitiker bei der FDP, verlangte sogar:

"Facebook soll keine Strafe an den Staat zahlen, sondern Entschädigung an jeden einzelnen Nutzer. Das würde wirklich wirken."

zu watson

Politiker, mit denen watson sprach, stimmen auch darin überein, dass es in Verbindung mit den Geschäftspraktiken mehr Kontrolle über Facebook geben müsse. Nutzer, so hieß es in Gesprächen immer wieder, seien gar nicht mehr in der Lage, eine mündige Entscheidung online zu treffen. 

"Jede Würstchenbude in Deutschland wird besser kontrolliert als ein Unternehmen wie Facebook", echauffierte sich auch der Grünen-Netzpolitiker Konstantin von Notz im ZDF-"Morgenmagazin". Er forderte "gute datenschutzrechtliche Bestimmungen" und klare Regelungen.

Diesem Wunsch stimmte Katarina Barley in ihrem Treffen zu. Sie forderte nach dem Treffen gut ausgestattete Datenschutzbehörden, die Unternehmen auch sanktionieren können. 

Themen
2 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
2

Offizielle Corona-Warn-App steht zum Download bereit

Die offizielle Corona-Warn-App des Bundes ist am frühen Dienstag zum Download bereitgestellt worden. Im App-Store von Google konnte sie bereits um kurz nach 2 Uhr morgens heruntergeladen werden, bei Apple war sie zunächst noch nicht verfügbar. Die volle Funktionalität der Anwendung soll am Dienstagvormittag nach einer Pressekonferenz der Bundesregierung freigeschaltet werden. Die App soll die Kontaktverfolgung von Infizierten ermöglichen und dadurch die Infektionsketten verkürzen.

Artikel lesen
Link zum Artikel