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Bild: iStockphoto/watson montage

Jetzt verbreiten Islamisten ihre Propaganda auch auf diesen 3 Apps

Kurz nach den Anschlägen von Paris 2015 gab es ein scheinbar absurdes Gerücht. Die verantwortlichen Dschihadisten, so spekulierten Beobachter damals, hätten sich im Geheimen auf überraschende Weise abgesprochen. Der belgische Innenminister Jean Jambon befeuerte das öffentlich und ließ verlauten: Immer öfter nutzten Terror-Netzwerke Sonys Playstation für ihre Kommunikation.

Schnell stellte sich heraus: Im Fall von Paris war das Quatsch, möglich aber ist es trotzdem.

Spieleserver sind ein ideales Versteck: Ermittler haben deren Chat-Rooms oft nicht auf dem Schirm, sie müssten außerdem jedes neue Spiel kontrollieren, um die Übersicht behalten zu können. Und überhaupt: Stundenlange Chats auf einem gegen Hacking geschützten Computerspiele-Server wundern so schnell niemanden.

Im Grunde genommen sollte also jeder einen Battlefield-Clan gründen, der – aus welchen Gründen auch immer – im Geheimen kommunizieren möchte.

Seit Jahren wissen Experten, dass sich der selbst ernannte Islamische Staat solcher Mittel gerne bedient. Schon lange benutzt die Terrorgruppe verschlüsselte Apps wie Telegram, um ihre verstreuten Kämpfer zu organisieren. Computerspiele, Facebook- und YouTube-Kanäle dienten dem IS von Anfang an als Rekrutierungs-Instrument.

Seit die Terroristen in Syrien auf eine militärische Niederlage zusteuern, ist dieser Online-Dschihad umso wichtiger für die Gruppe geworden. 
Allerdings: Plattformen wie Facebook, Twitter, YouTube oder Telegram kontrollieren ihre Server mittlerweile besser. Für den sogenannten IS wird die Kommunikation dort schwieriger.

Laut Rita Katz von der SITE Intelligence Group haben die Dschihadisten deshalb vermehrt damit begonnen, neue Tech-Angebote für die eigene Sache auszutesten.

SITE forscht seit Jahren zu terroristischem Verhalten im Internet. Katz ist überzeugt: Merken die Gotteskämpfer, dass ihnen ein Tech-Angebot im Kampf hilft, dann nehmen sie dessen Service umgehend in Anspruch.

In einer aktuellen Aufstellung für WIRED hat Katz drei solcher Apps aufgeführt. Unter den Beispielen befindet sich auch ein Anbieter, über den sich in Deutschland unter anderem rechtsextreme Netzwerke wie Reconquista Germanica möglichst ungestört organisieren.

Rocket Chat

Dabei handelt es sich um einen Open-Source-Chat App für Unternehmen, die so ähnlich funktioniert wie die Büro-App "Slack". Laut SITE hat eine der wichtigsten IS-Medienorganisationen im Dezember einen Channel auf Rocket Chat eröffnet.

Die englischsprachige "Afaaq Electronic Foundation" stellte im selben Monat sogar eine Anleitung online, wie IS-Symphatisanten am besten zu Rocket Chat übersiedeln könnten.

Auch andere IS-Organisationen veröffentlichen mittlerweile ihre Informationen darüber, sogar bevor sie es auf dem Hauptsender Telegram tun. "Im Januar gab es bereits 700 User auf dem Servern mit IS-Channels", schreibt Katz im WIRED-Magazin. Rein kommt, wer über einen Link eingeladen wird. Katz spekuliert, dass Rocket Chat auf lange Sicht Telegram als Haupttool für den IS ablösen soll.

Viber

Zur Kommunikation benutzen IS-Anhänger Viber schon länger. Laut Katz hat jetzt aber auch ein Hauptproganda-Organ der Terror-Gruppe mittlerweile einen Account dort eröffnet: die Nashir News Agency. Das ist ein Anzeichen dafür, dass Viber in Zukunft vermehrt in die Öffentlichkeits-Arbeit und Kommunikation des IS einbezogen werden soll.

Discord

Discord ist der oben erwähnte alte Bekannte, über den sich auch rechtsradikale Netzwerke in Deutschland organisieren. Die App selbst kann freilich kaum etwas dafür, immerhin handelt es sich dabei um einen Messenger speziell für Computerspiele mit über 130 Millionen Usern.

Es gibt dort bereits mindestens einen Server, der laut SITE als Hub für eine ganze Reihe an IS-Usern und deren Inhalten fungiert. Darin werden auch Links geteilt, die wiederum zu Propaganda-Kanälen auf Telegram führen. Das spricht dafür, dass sich die Unterstützer über mehrere Platformen organisieren.

Die große Nutzerzahl von jungen, oft männlichen Spielern verspricht außerdem ein perfektes Rekrutierungs-Instrument.

(mbi)

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Video: watson/Max Biederbeck, Lia Haubner

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