Wenn ein Brief Freude auslöst.
Wenn ein Brief Freude auslöst.Symbolfoto: getty/twitter-montage
Geschichte

Sechsjähriger findet Scherbe, schickt sie an Museum – und bekommt wunderschöne Antwort

24.02.2019, 10:5825.02.2019, 19:36

Manchmal braucht es Kinderaugen, um den Wert in Dingen zu erkennen. Diese simple Erkenntnis verbirgt sich wohl auch in dieser schönen Geschichte, die sich vor wenigen Tagen in Köln ereignete.

  • Der Kölner Sebastian Baer-Henney teilte am Samstag einen Brief auf Twitter, den das Kölner Römisch-Germanische Museum ihm geschickt hatte.
  • Das Antwortschreiben ist die Reaktion der Stadt auf einen Brief von Baer-Henneys Sohn Oskar. Der Sechsjährige hatte vor einigen Tagen - so berichtete Baer-Henney dem "Kölner Stadt-Anzeiger" - eine Tonscherbe gefunden.

Als kleiner Nachwuchs-Archäologe interessierte sich Oskar demnach brennend dafür, woher die Tonscherbe wohl stammt. Oskar vermutete: Römerzeit. Schließlich wurde Köln von den Römern gegründet.

Also verfasste Oskar mit seinem Vater einen Brief an das Römisch-Germanische Museum in Köln, die Archäologen dort müssten sich ja schließlich mit solchen Scherben auskennen.

In dem Brief heißt es:

Liebe Wissenschaftler vom R.G.Museum! Mein Name ist Oskar, und ich bin sechs Jahre alt. Ich gehe schon zur Schule, aber mein Papa hilft mir trotzdem, diesen Brief zu schreiben. Beim Buddeln im Garten habe ich diese Scherbe gefunden. Ich bin nicht sicher, ob sie aus der Römerzeit stammt. Mein Papa meint: eher nicht, aber er hat vorgeschlagen, dass ich Euch fragen kann, weil ihr das besser wisst. Könnt Ihr mir helfen? Viele Grüße, Euer Oskar.

Das Museum ließ nicht lange auf sich warten. Bereits vier Tage später lag Oskar und seinem Vater die Antwort vor – diese lautet:

Lieber Oskar,vielen Dank, dass Du uns beim Römisch-Germanischen Museum Deinen Fund zugeschickt hast. Alle Wissenschaftler haben sich das Fundstück angesehen und lange gerätselt, um was es sich handeln könnte. Schließlich hatte jemand eine Idee. Es handelt sich um eine Scherbe aus Ton. Der Töpfer hat den Tongegenstand lange und sehr heiß im Töpferofen backen lassen. Durch die Hitze ist der Ton steinhart geworden, so dass sogenanntes "Steinzeug" entstanden ist. Außerdem hat der Töpfer den Ton mit einer Glasur überzogen (deswegen glänzt die Scherbe). Deine Scherbe stammt von einem riesigen Tonrohr, das damals in der Erde vergraben war und durch das Wasser geflossen ist. Das Rohr wurde wahrscheinlich im 19. Jahrhundert getöpfert. Es ist also wohl schon über 100 Jahre alt.Auch wenn deine Scherbe nicht aus der Römerzeit stammt, ist sie alt und zeigt, wie die Menschen damals in Köln gelebt haben. Du solltest sie schön aufbewahren und Deinen Freunden zeigen. Viele Grüße vom Römisch-Germanischen Museum

Von den Römern stammt Oskars Scherbe also nicht – stolz soll er auf seinen Fund dennoch sein. So simpel, so schön die Antwort der Museumsmitarbeiter.

Auch Oskars Vater freut die Antwort des Museums. Gegenüber dem "Kölner Stadt-Anzeiger" sagte Sebastian Baer-Henney: "Sowas erzeugt bei Kindern Lust und Interesse. So positive Erfahrungen geben Selbstbewusstsein, Lust am Forschen und am Nachfragen."

Bald will der Familienvater mit seinem Sohn das Museum besuchen. Um nachzuschauen, was andere Menschen schon alles so in der Erde entdeckt haben.

(pb)

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