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Amira Abase, Kadiza Sultana und Shamima Begum (v.l.) am Flughafen Gatwick in London im Februar 2015. Bild: ap/metropolitan police

Engländerin, die mit 15 zum "IS" floh: "Ich will einfach nur nach Hause"

Der Fall der drei Teenagerinnen bewegte im Februar vor vier Jahren die Welt. Die drei Schülerinnen im Alter von 15 und 16 Jahren reisten von Großbritannien über die Türkei nach Syrien, um sich dem sogenannten "Islamischen Staat" anzuschließen.

Der Kriegsreporter Anthony Loyd der "Times" hat nun eine der Schülerinnen in einem Flüchtlingslager in Syrien entdeckt.

Shamima Begum ist mittlerweile 19 Jahre alt und im neunten Monat schwanger. Gleich nach der Ankunft im syrischen al-Raqqa, heiratete sie einen niederländischen Konvertiten. Sie habe in dort ein "normales Leben" geführt, erzählte sie dem Kriegsreporter.

Über den "Alltag" in Raqqa sagte sie:

"Als ich zum ersten Mal einen abgetrennten Kopf in einer Mülltonne sah, hat mich das nicht aus der Fassung gebracht."

Und weiter: "Er war von einem Kämpfer, der auf dem Schlachtfeld gefangen genommen worden war, ein Feind des Islam. Ich dachte nur daran, was er einer muslimischen Frau angetan hätte, hätte er die Chance gehabt."

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Shamima Begum. Bild: epa/london metropolitan police

Sie hat bereits zwei Kinder verloren

Als die Kämpfe um Raqqa im Januar 2017 heftiger wurden, floh sie gemeinsam mit ihrem ersten Kind, einem Mädchen. Vor einem Jahr starb das Mädchen und wurde in Baghus begraben. Ihr zweites Kind, ein Sohn, starb vor drei Monaten an einer Krankheit, verursacht durch Mangelernährung.

Shamima und ihr Ehemann flohen vor Kurzem aus der letzten "IS"-Bastion in Syrien. Der Ehemann ergab sich den kurdischen Truppen der SDF, sie ging ins Flüchtlingslager Al-Hawl im Nordosten Syriens. Es habe keinen Sinn mehr zu kämpfen, das Kalifat sei vorbei. Außerdem habe Shamima Angst um ihr ungeborenes Kind. Deshalb wolle sie zurück nach London. Im Interview sagte sie der "Times", dass sie ihre Reise nach Syrien nicht bereue.

"Ich weiß, was die Leute zu Hause von mir denken, ich habe alles gelesen, was online über mich steht. Aber ich will einfach nur nach Hause und dort mein Kind zur Welt bringen. Das ist alles, was ich gerade möchte."

the times

Der Kriegsreporter Loyd sagte gegenüber "Today" über das Interview: "Sie war ruhig und gefasst, aber sie stand auch ein Stück weit unter Schock – sie kam gerade aus einem Kriegsschauplatz, im neunten Monat schwanger, viele ihrer Freunde tot, sie hat Flugzeugangriffe und das alles erlebt – also würde ich sie nicht vorschnell verurteilen."

(jaw)

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