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Geflohene "Teufelsanbeterinnen" – IS-Sklavinnen berichten über ihre Geiselhaft 

Jesidinnen gelten dem sogenannten "Islamischen Staat" (IS) als "Teufelsanbeterinnen". Fallen sie in die Hände der Dschihadisten, erwartet die Frauen aus dem Irak ein grausames Schicksal. Sie werden versklavt und herumgereicht, müssen sich ihren Peinigern dienstbar machen. Mit dem Niedergang der IS-Miliz entkommen zwar immer mehr Frauen diesem Albtraum – das Erlebte verfolgt sie aber in die Freiheit.

Bessa quält die Erinnerung noch immer

Sechs Mal wurde Bessa Hamad verkauft und weitergegeben während der fünf Jahre, die sie in der Gewalt der Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) in Syrien war. Immer wieder musste die irakische Jesidin den Ort wechseln, da das selbsterklärte "Kalifat" der Dschihadisten immer mehr zusammenschrumpfte. Nun endlich ist ihr die Flucht aus der letzten IS-Bastion an der irakischen Grenze gelungen. Doch vorbei ist die Tortur nicht. "Ich werde das niemals vergessen", sagt Hamad leise.

"Wir machten alles, was sie von uns wollten", sagt Bessa leise. "Wir konnten nicht nein sagen."

Die 40-Jährige, deren Gesicht von tiefen Falten gezeichnet ist, gehört zu den tausenden Jesidinnen, die von den Dschihadisten verschleppt, verkauft und zwangsverheiratet wurden. Wie so viele andere Frauen und Mädchen der religiösen Minderheit aus dem Nordirak wurde sie über Jahre von ihren Peinigern misshandelt und sexuell missbraucht. "Wir machten alles, was sie von uns wollten", sagt sie leise. "Wir konnten nicht nein sagen."

Die Täter kommen nicht nur aus dem arabischen Raum

Zusammen mit anderen Frauen und Mädchen, die aus der Gewalt der Dschihadisten entkommen sind, lebt sie jetzt in einer Unterkunft der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) nahe dem Ölfeld von Omar in der Provinz Deir Essor. "Sie zwangen uns, mit ihnen zu schlafen", sagt Hamad, die Haare von einem roten Kopftuch bedeckt. Unter den Männern seien Syrer und Saudi-Araber gewesen, und "einer, der sich als Schwede bezeichnete".

Die jesidische Minderheit im Irak

Die kurdischsprachige monotheistische Minderheit der Jesiden wurde wegen ihres Glaubens immer wieder verfolgt, und auch die Dschihadisten betrachten sie als "Teufelsanbeter". Als die IS-Miliz im August 2014 das Sindschar-Gebirge im Nordirak eroberte, wo die Religionsgemeinschaft seit Jahrhunderten lebte, tötete sie die Männer, rekrutierte die Jungen als Kindersoldaten und zwang die Frauen und Mädchen in die Sklaverei.

Nadine hat erfolglose Fluchtversuche hinter sich

Auch Nadine Farhat lebt heute wie Hamad in der SDF-Unterkunft. Zwei Mal versuchte sie der IS-Miliz zu entkommen, doch wurde sie erwischt. "Sie haben mich mit einem Plastikschlauch geschlagen, ich hatte Spuren auf dem Rücken und konnte nicht schlafen", berichtet die 17-Jährige, die noch immer ihren schwarzen Nikab nicht abzulegen wagt. Beim zweiten Mal habe sie zwei Tage kein Essen bekommen.

Sechs Mal wurde Nadine an andere Männer gegeben, darunter mehrere Saudiaraber und ein Tunesier. Zuerst lebte sie in der IS-Hochburg Raka, bevor sie schließlich im äußersten Osten Syriens landete. Noch immer befinden sich viele Jesidinnen in der letzten IS-Bastion an der irakischen Grenze, darunter mehrere von Nadines Cousinen, die ebenfalls mit Dschihadisten zwangsverheiratet wurden und heute Kinder haben.

Sabha wünschte ihrem Peiniger den Tod

Auch Sabha Hassan hat von einem irakischen IS-Kämpfer eine kleine Tochter sowie fünf weitere Kinder mit ihrem eigentlichen Ehemann, der bei der Eroberung von Sindschar ermordet wurde. Der IS-Kämpfer habe sie immer wieder geschlagen und gedroht, sie und ihre Kinder zu töten, berichtet Hassan. Sie habe seinen Tod gewollt, um fliehen zu können. Als er schließlich bei einem Luftangriff getötet wurde, gelang ihr die Flucht.

Nach Angaben der kurdischen Frauenverteidigungseinheiten (YPJ) wurden seit 2015 knapp 130 Jesidinnen gerettet, und auch bei den Kämpfen in Deir Essor seien zuletzt mehrere Jesidinnen befreit worden. Für Hassan gleicht es einem Wunder, dass sie der Hölle der Sklaverei entkommen ist. "Ich will nun zu meinen Eltern zurückkehren", sagt die 30-Jährige. "Aber was mich am glücklichsten macht ist, dass ich meine Kinder habe retten können."

uvs/ju (afp)

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