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 June 4, 2020, Nairobi, Kenya: A mobile business woman marching past the busy streets protected in her safety Face Mask. Nairobi Kenya - ZUMAd156 20200604zipd156002 Copyright: xDonwilsonxOdhiambox

Eine Frau mit Mundschutz in Nairobi. Bild: www.imago-images.de / Donwilson Odhiambo

Corona-Pandemie: Afrikanische Länder suchen nach besonderen Lösungen

In Afrika breitet sich das Coronavirus langsamer aus als andernorts. Doch die Länder leiden stark unter den wirtschaftlichen Folgen der Gegenmaßnahmen. Die Umstände sind einzigartig – und so muss der Kontinent im Kampf gegen die Pandemie besondere Lösungen finden.

Seit dem ersten Corona-Fall in Afrika hängt die Pandemie wie ein Damoklesschwert über dem Kontinent. Die Infektionswelle werde Afrika härter treffen als jede andere Region, hieß es anfangs. Die Gesundheitssysteme seien schwach, die Regierungen arm. Doch Monate später haben sich viele der Annahmen nicht bewahrheitet.

Staaten sind hart und entschlossen gegen Corona vorgegangen und das Virus breitet sich vergleichsweise langsam aus – gleichzeitig sind die wirtschaftlichen und sozialen Folgen der Maßnahmen vielerorts schlimm. Immer klarer wird: Corona in Afrika, das ist nicht zu vergleichen mit der Situation anderswo. Es braucht eigene Wege.

So ist die Lage in den afrikanischen Ländern

Im Vergleich zur restlichen Welt hat Afrika nur wenige Corona-Fälle – noch zumindest. Bislang wurden bei 1,3 Milliarden Menschen rund 240.000 Infektionen verzeichnet. In Deutschland wurden bisher etwa 190.000 Fälle erfasst.

Ein Viertel der in Afrika gemeldeten Fälle entfällt auf Südafrika, gefolgt von Ägypten, Nigeria und Ghana.

Ägypten hat die meisten erfassten Todesfälle, rund 1575. Einige Staaten haben – zumindest nach offizieller Statistik – noch immer sehr wenige Fälle, etwa Lesotho mit nur vier positiven Tests. Die Seychellen haben seit Wochen keine neuen Fälle verzeichnet.

Afrikanische Länder haben zwei Vorteile

Afrika hatte anfangs Glück: Das Coronavirus erreichte den Kontinent wohl später als andere Regionen. "Das hat uns Zeit gegeben, uns vorzubereiten", sagt Ahmed Ouma, der stellvertretende Chef der afrikanischen Gesundheitsorganisation Africa CDC.

Die meisten Staaten verhängten sehr schnell sehr strenge Maßnahmen: Kenia etwa schloss nach nur wenigen Fällen Schulen und Universitäten und stoppte den internationalen Flugverkehr. Südafrika verhängte einen der härtesten Lockdowns weltweit, samt Verbot des Alkoholverkaufs und des Joggens. Uganda machte Schulen dicht, bevor der erste Fall überhaupt bestätigt wurde. Das alles half wohl. Auch sind die Bürger Afrikas weniger mobil als die anderer Regionen, was die Pandemie ausbremst.

Und Afrika hat einen weiteren großen Vorteil: die junge Bevölkerung. Das Durchschnittsalter der Menschen auf dem Kontinent liegt bei knapp 20 – in Deutschland liegt es bei 46. Es gibt viel weniger ältere Menschen, die schwer an Covid-19 erkranken können. Das ist aus Sicht von Experten entscheidend. "Ein Großteil der Menschen, die bislang am Coronavirus erkrankt sind, haben einen milden Krankheitsverlauf", sagt Richard Mihigo, einer der Leiter der Corona-Bekämpfung bei der WHO Afrika.

So hat sich Corona bislang vergleichsweise langsam bemerkbar gemacht. Doch das ändert sich nun.

Mihigo sagt:

"Das Tempo der Ausbreitung wird immer schneller."

Denn in den vergangenen Wochen haben viele afrikanische Länder begonnen, ihre Corona-Maßnahmen zu lockern. Das müssen sie auch: Die wirtschaftlichen Folgen der Einschränkungen sind schon jetzt verheerend.

Die Länder müssen mehr testen – und eine Lösung hilft enorm

"In Afrika hat jeder Monat eines harten Lockdowns einen Verlust von 2,5 Prozent des Bruttoinlandprodukts zur Folge", schätzt Adrian Gauci von der UN-Wirtschaftskommission für Afrika (Uneca). Für viele Menschen Afrikas sind Lockdowns existenzbedrohend. Geschätzte 80 Prozent der Bürger arbeiten in der informellen Wirtschaft, sie können nicht ins Homeoffice wechseln. Vier Fünftel der Bewohner von Slums in Kenias Hauptstadt Nairobi berichteten laut einer Studie des Population Councils, dass sie wegen der Corona-Krise ihr Gehalt komplett oder teilweise verloren haben.

So haben afrikanische Länder kaum eine Wahl: Das wirtschaftliche Leben muss weitergehen. Um die Pandemie trotzdem einzudämmen, ist das Testen essenziell – doch das ist eine der größten Herausforderungen. "Wir testen noch immer nicht genug", sagt Africa-CDC-Vize Ouma. Die meisten Länder kommen auf dem globalen Markt nicht an genug Testkits ran und haben auch nicht ausreichend Labor-Kapazitäten. Deutschland führt derzeit etwa 56 Tests pro 1000 Bürger durch, in Südafrika sind es knapp 19, in Kenia nur 2,2 und in Nigeria 0,46, wie Zahlen der University of Oxford zeigen.

Doch einige Länder bemühen sich stark, das zu verbessern. Nigeria mit seinen knapp 200 Millionen Einwohnern hatte anfangs nur zwei Labore, die auf Sars-CoV-2 testen konnten, nun sind es 33, wie Adaeze Oreh, eine hochrangige Mitarbeiterin des Ministeriums, erklärt. Etliche Länder haben inzwischen auch ein existierendes System zum Testen auf HIV und Tuberkulose – GeneXpert genannt – für Corona-Tests umfunktioniert. Mit der automatisierten Plattform könnten einige Länder nun 3000 bis 5000 Tests am Tag durchführen, erklärt WHO-Mitarbeiter Mihigo. "Das verändert alles."

"Ein Gemeinschaftsansatz wird in Afrika funktionieren"

Inzwischen erkennen viele Regierungen: Afrika muss – und kann – im Kampf gegen die Corona-Krise seinen eigenen Weg gehen. Die Bürger müssen weiter zur Arbeit gehen können. Auch wenn die Gesundheitssysteme nicht wie in China, Italien oder Deutschland Zehntausende Corona-Patienten aufnehmen können. Und die meisten Bürger sich nicht selbst isolieren können, da die wenigsten Platz genug dafür haben.

Afrikanische Länder setzen zunehmend auf die starken Gemeindestrukturen in den Nachbarschaften und Dörfern. Geschulte Gemeindeleiter oder freiwillige Helfer sollen bei den Menschen in ihrem Umkreis frühzeitig Covid-19-Symptome erkennen. Wenn sich Erkrankte nicht zu Hause isolieren können, soll in der Gemeinde ein Quarantänezentrum eingerichtet werden. Nigeria etwa setzt auf diese Strategie.

Wenn der Kampf gegen das Coronavirus "richtig dezentralisiert wird, dann werden die Krankenhäuser nicht überflutet", ist Oreh überzeugt. Und wirtschaftliche Aktivitäten würden kaum gestört. Das System hat sich schon mehrfach bewährt, etwa bei Ebola. Africa-CDC-Vize Ouma ist sich darum auch bei Corona sicher: "Ein Gemeinschaftsansatz wird in Afrika funktionieren."

(ll/dpa)

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