International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und die Werbung von watson und Werbepartnern zu personalisieren. Weitere Infos: Datenschutzerklärung.
President Donald Trump, accompanied by Secretary of State Mike Pompeo, speaks during a ceremonial swearing in for Pompeo at the State Department, Wednesday, May 2, 2018, in Washington.  (AP Photo/Andrew Harnik)

Donald Trump und Mike Pompeo Bild: Andrew Harnik/AP

Wer erklärt Donald Trump, wie Nordkorea tickt?

Fabian Reinbold, Washington

Das Störfeuer aus Pjöngjang traf Washington offenbar unvorbereitet. Nachdem Nordkoreas Regime damit drohte, den Gipfel mit Donald Trump platzen zu lassen, und dessen Sicherheitsberater rügte, herrschte in der amerikanischen Hauptstadt seltsame Ruhe.

Das Außenministerium kalt erwischt, das Weiße Haus erst einmal nicht sprechfähig. Kein Tweet von Trump, später am Mittwoch nur ein knappes: „Wir werden sehen, was passiert.“

Für Nordkorea-Experten kamen die scharfen Äußerungen aus Pjöngjang zwar nicht überraschend, sie werten sie als Druckmittel. 

Doch hört Trump überhaupt auf Nordkorea-Experten?

Trump und sein Außenminister Mike Pompeo haben extrem hohe Erwartungen an den für den 12. Juni geplanten Gipfel mit Kim Jong Un geweckt. Sie selbst haben sich an den Fortschritten im Umgang mit Kim berauscht und in der amerikanischen Öffentlichkeit einen wahren Nordkorea-Hype ausgelöst, in dem die Drohungen aus Pjöngjang plötzlich stören. Die Episode verdeutlicht die Probleme, die Trumps unkonventioneller Ansatz in der Außenpolitik mit sich bringt.

Donald Trump riskiert in der Außenpolitik viel zur gleichen Zeit – sein Team ist überfordert.

Fabian Reinbold

Der US-Präsident hat enorm viel gleichzeitig angestoßen:

Doch der Teufel steckt im Detail. Und da mangelt es Trump an Kenntnissen über die Fallstricke sowie an Experten in seinen Reihen. Trump versucht nämlich mit einer kleinen Kerntruppe die Welt umzubauen – und dabei geschehen Fehler.

Agenten statt Diplomaten

Bei der historisch einmaligen Nordkorea-Offensive geben er, Pompeo und der Sicherheitsberater John Bolton den Ton an. Das klingt dann so:

Pompeo und Bolton, beide erst seit wenigen Wochen im Amt, führen mit Trump die heikle Nordkorea-Mission bislang ohne sichtbaren Rückgriff auf erfahrene Diplomaten durch.Schon die Annäherung geschah nicht über die Kanäle des Außenministeriums, sondern jenen des Auslandsgeheimdienstes CIA, dessen Direktor bis zum April Pompeo war. Der Ansatz hat für einen spektakulären Durchbruch gesorgt. Doch jetzt, wo langsam um Inhalte gefeilscht werden sollte, müssten die Diplomaten wieder ins Zentrum rücken – eigentlich.

Trumps Mannschaft ist ausgedünnt, demoralisiert

Doch die relevanten Teams sind neu zusammengewürfelt, ausgedünnt, demoralisiert. Im Februar trat der Nordkorea-Beauftragte im Außenministerium, Joseph Yun, ab – er fühlte sich missachtet. Der Botschafterposten in Seoul, eine entscheidende Schnittstelle zur Koordination mit den Südkoreanern, ist seit Trumps Amtsantritt unbesetzt. Vergangene Woche nahm auch noch der führende Atomexperte im Außenamt seinen Hut – offenbar aus Groll gegen Trumps Iran-Entscheidung.

Auch in den anderen Bereichen herrscht ein desolates Bild: Rund 60 Prozent der leitenden Beamten im Außenministerium sind nach Trumps Amtsantritt gegangen, viele Stellen nach wie vor unbesetzt.

Trump muss nicht zwingend aufs Außenamt zurückgreifen, doch auch sein eigener Sicherheitsstab im Weißen Haus leidet unter Überforderung. Das Weiße Haus kämpft mit Personalchaos, der Verwaltung zahlreicher Affären und etwa der höchstkomplexen Umsetzung von Trumps Ideen in den Handelskonflikten, um nur einige Beispiele zu nennen.

Als vergangene Woche Korea-Experten beim Center for Strategic and International Studies in Washington zusammenkamen, herrschte Erstaunen über die Fortschritte, aber auch große Skepsis über den Gipfel Trump-Kim. 

"Ich fürchte, wir sind sehr schlecht vorbereitet. Es gibt keine Erfahrung in Trumps Mannschaft. Denn allen Experten ist klar, dass Nordkorea kein Interesse daran hat, einseitig seine Atomwaffen aufzugeben, mögen Trump und Pompeo das auch noch so oft nahelegen."

bridget coggins, sicherheitsforscherin an der university of california, santa barbara

„Denuklearisierung heißt nicht Ja oder Nein. Es gibt sehr viel Spielraum, um diesen Begriff mit Leben zu füllen. Trump ist es aus seinem Geschäftsleben gewöhnt, alle Fragen im ganz engen Kreis zu klären. Doch seine jetzigen Projekte sind doch etwas komplexer. Und zahlreiche Beobachter fürchten, dass er sich um der großen Show willen auf faule Kompromisse einlassen könnte.

Ex-Nordkorea-Beauftragter Joseph Yun

Die frühere Außenministerin Condoleezza Rice gab Trump für das geplante Gipfeltreffen schon einmal einen Rat mit auf den Weg:

"Ich weiß, Sie sind ein großer Dealmaker, aber machen Sie keinen Deal mit Kim Jong Un"

Former U.S. Secretary of State Condoleezza Rice speaks during a news conference at the NCAA headquarters, Wednesday, April 25, 2018, in Indianapolis. The Commission on College Basketball led by Rice, released a detailed 60-page report Wednesday, seven months after the NCAA formed the group to respond to a federal corruption investigation that rocked college basketball. (AP Photo/Darron Cummings)

Condoleezza Rice Bild: darron cummings/AP

Trump solle die schönen Bilder, die der Gipfel liefere, gern einheimsen, aber dann bitte schön an die Fachleute übergeben. "Erklären Sie Frieden", so Rice, "und lassen Sie den dann jemand anderen verhandeln."

Dieser Text ist zuerst erschienen im Nachrichtenportal t-online.de.

Politik

5 Frauen, die in Deutschland muslimischen Feminismus prägen

Link to Article

Polizei, Polizei, Polizei! Die CSU benimmt sich wie die schlimmsten Helikopter-Eltern

Link to Article

So zerstören Anhänger von Erdogan wegen des Streits mit Trump ihre iPhones

Link to Article

Wer sagt gerade eigentlich was zum Thema Kopftuch? 6 Argumente im watson-Guide

Link to Article

19 mal "Soo Saaad!": Erinnerst du dich an diese Trump-Aussteiger?

Link to Article

Seehofer einigt sich mit Griechenland, doch Pro Asyl sieht geltendes Recht gefährdet

Link to Article

"Tickende Zeitbomben" – Politiker sorgen sich wegen "Reichsbürgern"

Link to Article

Auch die FDP klagt gegen das Polizeiaufgabengesetz in Bayern 

Link to Article

Der watson-Guide zur Abtreibungs-Debatte um Paragraf 219

Link to Article

3 Fragen und Antworten zu den Syrien-Angriffen, die jetzt wichtig werden

Link to Article

Gabriel lehrt an der Uni Bonn, den Studierenden gefällt das nicht

Link to Article

Psychisch krank oder straffällig – in Bayern bald das Gleiche?

Link to Article

6 Dinge, die du jetzt über die Rechten in Kandel wissen musst

Link to Article

Italienische Polizei nimmt fünf Verdächtige im Fall Anis Amri fest

Link to Article

So will SPD-Vize Malu Dreyer gegen Armut kämpfen – das watson-Interview

Link to Article

Özil – für immer Gast im eigenen Land? Das geht schon seit Generationen so

Link to Article
Alle Artikel anzeigen
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

Abonniere unseren Newsletter

0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Erster Verlierer: Der Regenwald. Warum Brasiliens neuer Präsident eine Klima-Gefahr ist

Der Rechtspopulist Jair Bolsonaro hat die Präsidentenwahl in Brasilien gewonnen. Der Ex-Militär kam auf 55,14 Prozent der Stimmen, wie das Wahlamt am Sonntag nach der Auszählung fast aller Stimmen mitteilte. Sein Gegner Fernando Haddad von der linken Arbeiterpartei erhielt demnach 44,86 Prozent.

Denn Jair Bolsonaro macht sich nicht viel aus dem Regenwald. Der Rechtsextreme findet Landwirtschaft wichtiger als Umweltschutz. Vor seinem Wahlsieg hat er angekündigt, das brasilianische …

Artikel lesen
Link to Article