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Bild: gettyimages / montage watson

Spiel des Lebens – die 9 Zockertypen beim Asylgipfel in Brüssel

Yasmin Polat, Max Biederbeck

Krisengipfel haben etwas von einem Brettspiel mit besonders hohem Einsatz. Einige wenige Politiker streiten dabei am Verhandlungstisch um die Schicksale zahlloser Menschenleben.

Auch wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel sich am Donnerstag mit 16 Regierungschefs Europas in Brüssel trifft, geht es um die richtigen Züge, die richtigen Strategien – und um die Ziele der Spieler selbst.

Wenn der Asylgipfel ein Gesellschaftsspiel wäre, er hieße  wohl "Spiel des Lebens" oder "Europa, ärgere dich nicht." 

Aber wer spielt da eigentlich nach welchen Regeln? Wer kann schlecht verlieren, wer hat nichts zu verlieren, und wer nervt alle Mitspieler?

Lasset die Spiele beginnen!

Deutschland – die Hauptgegnerin

Angela Merkel ist die Spielerin, auf die sich von Anfang an alle eingeschossen haben. Sie hat das europäische Spiel jahrelang dominiert, etwa als Deutschland den anderen in der Wirtschaftskrise einen strikten Sparkurs verodnete. Wenige gönnen ihr einen weiteren Sieg, einige wollen ihre Niederlage.

Gleichzeitig hat sie viel zu verlieren. Merkel weiß, bei diesem Spiel geht es für sie um alles: Während die anderen für Wahlversprechen spielen, spielt sie um ihr politisches Schicksal. Bei ihr geht es darum, Zuhause die Regierung zu halten – und das macht es schwieriger. 

Während sie früher als starke Spielleiterin die Regeln in Europa bestimmen konnte, will ihr Horst Seehofer Zuhause jetzt die Strategie vorgeben. Ihre Möglichkeiten sind deshalb begrenzt – weil sie getrieben ist, können die anderen munter aufspielen. 

Und auch wenn sie weiter versucht, die Fäden in der Hand zu halten:

Deswegen werden die anderen Regierungschefs in Brüssel  eben nicht mehr einfach so mitmachen, was Merkel vorgibt. Kaum einer will noch die Karten mit ihr tauschen, keiner die Würfel teilen – nicht ohne Gegenleistungen zumindest.

Italien – Der Trotzspieler

Italien und sein Ministerpräsident Giuseppe Conte sind klassische Gegenspieler. Er ist frisch im Amt, vertritt eine rechte Regierung in Europa, die liefern muss. 

Verlieren kann Conte dabei kaum, denn seine Wähler erwarten eigentlich nur eins: eine Gegenhaltung zu Merkel und weniger Flüchtende. Er wird deswegen trotzig spielen, lieber gegen die anderen, als mit ihnen.

Er kommt überhaupt nur zum Spieleabend, wenn er die Regeln mitbestimmen kann und ihm auch etwas geboten wird. Ein EU-Hilfspaket zum Beispiel.

Spanien – Der Regeltreue

Wie nervig! Bei jedem Spiel gibt es jemanden am Tisch, der sich selbst päpstlicher gibt als der Papst. Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez ist der Gute, hält sich peinlich genau an alle Regeln, holt im Zweifelsfall die Spielanleitung raus.

Damit nervt er vor allem die, die um jeden Preis die Regeln für sich biegen wollen. Der Spielleiterin dürfte er ein treuer Spielgefährte sein, weil er auf Fair-Play setzt und sich nicht auf eine "Hauptgegnerin" einschießt. Man wird noch öfter zusammen spielen, glaubt Sánchez, und seine Fairness wird sich auszahlen.

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Hier gelten noch Regeln! giphy.com

Frankreich – Der Turnierspieler

Hier haben wir den Kämpfer, der auf Allianzen setzt, anstatt sich im Alleingang durchzusetzen.

Staatschef Emmanuel Macron will nicht das Spiel gewinnen, sondern das Turnier – und das spielt er gegen die großen Gegner dieser Welt und nicht mit seinen europäischen Partnern. Die braucht er, um wettbewerbsfähig zu sein.

Er braucht eine gute Spielleiterin, er braucht auch die Konkurrenten, damit sein eigener Erfolg auf lange Sicht garantiert ist.

Griechenland – Der Pragmatiker

An jedem Spieltisch gibt es jemanden, der mit einer gewissen Ernsthaftigkeit dabei ist. Alex Tsipras ist an diesem Asylgipfel-Tisch unser Pragmatiker. Bei Witzen lacht er kurz auf und schaut dann wieder auf den Tisch. Er darf jetzt nicht abgelenkt werden. Hier geht's um Konzentration – und wenn die Hauptgegnerin seine Hilfe will, muss sie dafür das Portemonnaie aufmachen.

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Ruhig bleiben. Bild: giphy.com

Bulgarien – Macht seine eigenen Regeln

So sicher es bei jedem Spieleabend jemanden gibt, der sich peinlich genau an die Regeln hält, gibt es genau so diesen einen Mitspieler, der einfach seine eigenen Regeln macht: "Ja, aber gilt das nicht auch? Bei uns wird das aber so gespielt". 

Italien versucht es mit eigenen Auslegungen der Regeln, Bulgariens Regierungschef Bojko Borissow ist in diesem Spiel der Mitspieler mit den völlig eigenen Sonderregeln.

Österreich – Der Trickser

Was wäre ein Spiel ohne einen, der schummelt. Am Spieltisch sitzt immer einer, der mit süffisantem Lächeln an seinem Getränk nippt und dabei eine Spielfigur unter dem Tisch verschwinden lässt oder eine zusätzliche Karte im Ärmel hat. Er hat eigentlich wenig Chancen, will aber um jeden Preis gewinnen. 

Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz ist an unserem Spieleabend der Trickser, der ab und zu auch mal blufft, damit die führende Spielerin weniger Chancen bekommt. Das Ziel? Selbst der Große sein, um seine eigenen Regeln zu machen. Ein Vorab-Treffen mit dem deutschen Innenminister Seehofer könnte da schon sehr hilfreich sein, um die Karten zu zinken.

Niederlande – Der Vermittler

Der moderate Spieler, der sich aus allem ein wenig raushält und auch nicht unbedingt gewinnen muss. Lieber erinnert er alle daran, dass man beim Spielen doch vor allem Spaß haben sollte und zusammen ist. 

Niederlandes Ministerpräsident Mark Rutte sieht sich als ein Vermittler zwischen den Staaten und Spielern. Er vertritt Positionen von allen Seiten.

Ungarn – Der Spielverderber

Man hat ihn eingeladen, aber er kommt einfach nicht. Zu jedem Spieleabend gehört natürlich auch derjenige, der kurz vorher absagt. Die Spieleauswahl passt ihm nicht, außerdem sind die Gäste auch nicht der Kracher und überhaupt, wieso spielen wir überhaupt in Brüssel und nicht bei mir?

Ungarns Regierungschef Viktor Orbán hat einfach keine Lust, mitzuspielen, obwohl er eigentlich auch gewinnen will. Vor allem gegen Merkel.

Haben wir noch ein Spiel vergessen? Schreibt es uns in den Kommentaren

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