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3d illustration of barrels with oil

Bild: iStockphoto

Analyse

Trump im Öl-Stresstest: Wie wird er reagieren?

Der Angriff auf die Öl-Raffinerien in Saudi-Arabien bedeutet das Ende der Glückssträhne des US-Präsidenten. Er muss eine Entscheidung treffen, für die er sehr schlecht gerüstet ist.

Philipp Löpfe / watson.ch

Nach dem Anschlag auf die Raffinerien in Saudi-Arabien hat Donald Trump sofort großmäulig erklärt, die USA seien wie ein Gewehr, "geladen und entsichert". Daraufhin hat die "New York Times" in einem redaktionellen Kommentar die logische Frage gestellt: "Aber wofür?"

Die Frage ist berechtigt, die USA befinden sich in einer kniffligen Situation. Der Anschlag in Saudi-Arabien – von wem auch immer er durchgeführt worden ist – war ein schwerer Schlag. Er könnte eine Kettenreaktion mit unabsehbaren Konsequenzen auslösen. "Das ist die Mutter aller Eskalationen in unserer Gegend", erklärte ein arabischer Botschafter in Washington gegenüber dem "New Yorker".

Der geglückte Drohnenangriff ist für die Amerikaner und die Saudis gleichermaßen peinlich. Letztere gehören zu den größten Waffenkäufern auf diesem Planeten. Trotzdem sind sie offenbar unfähig, ihr wichtigstes Gut, die Ölindustrie, wirksam zu schützen.

Der US-Präsident steht derweil vor einem Dilemma. Erstmals wird er in einer Krise gefordert. Bisher hat er von einer Glückssträhne profitiert: Wirtschaftlich hat ihm sein Vorgänger Barack Obama ein gemachtes Haus hinterlassen. Die politischen Krisen hat Trump sich weitgehend selbst eingebrockt.

Nun aber steckt Trump in der Zwickmühle. Er muss reagieren, aber wie? Er will nicht als Weichei dastehen, gerade jetzt nicht, da er seinen Sicherheitsberater und Hardliner John Bolton in die Wüste geschickt hat.

Also droht er mit Macho-Sprüchen wie "locked and loaded" an die Adresse der Mullahs. Damit kann er die Hardliner in der eigenen Partei wie etwa den außenpolitisch einflussreichen Senator Lindsey Graham zufrieden stellen. Dieser fordert bereits einen Militärschlag gegen den Iran.

Gleichzeitig weiß Trump auch, dass seine Wählerbasis keine weiteren Kriege und schon gar nicht im Nahen Osten will. Deshalb erklärt er auch, er denke derzeit noch nicht an eine militärische Eskalation. Sagt aber gleichzeitig: "Sieht nach Iran aus"

Trump will zudem auf keinen Fall als Marionette der Saudis dastehen. Noch 2014 hatte er in einer Twitter-Tirade gewettert, dass die superreichen Saudis ihren militärischen Schutz gefälligst selbst berappen und sich nicht auf die USA verlassen sollen. "Habt ihr gesehen, wie Saudi-Arabien unsere sehr dummen Politiker dazu verleitet, sie vor ISIS zu beschützen? Wieso bezahlen die nicht selbst?", tweetete er damals.

Als Präsident hat er sich nun auf eine fragwürdige Allianz mit Kronprinz Mohammed bin Salman (MBS) eingelassen. Jetzt hat er dem starken Mann in Riad fast bedingungslos Hilfe zugesagt. Doch auch MBS wird es sich zweimal überlegen, bevor er sich auf eine militärische Aktion einlässt. Die Houthi-Rebellen, die sich zum Anschlag bekennen, haben bereits weitere Aktionen angedroht. Nicht nur die Öl-Raffinerien der Saudis sind verwundbar, sondern auch ihre Trinkwasser-Aufbereitungsanlagen.

Militärisch wäre ein Krieg gegen den Iran ein Albtraum, ein Afghanistan auf Stelzen gewissermaßen. Aber auch wirtschaftlich spricht alles dagegen. Der Anschlag auf die Raffinerien hat bereits dazu geführt, dass sich der Ölpreis kurzfristig auf rund 20 Dollar pro Fass erhöht hat. Selbst wenn sich dieser Preisaufschlag inzwischen wieder ein bisschen korrigiert hat, zeigt sich doch, wie abhängig die Weltwirtschaft nach wie vor vom Ölpreis ist.

Ein Ölschock ist jedoch das Letzte, was sich Trump derzeit wünschen kann. Ein solcher Schock würde mit größter Wahrscheinlichkeit zu gröberen Turbulenzen an den Finanzmärkten und zu einer Rezession der realen Wirtschaft führen. Beides wäre Gift für Trumps Wahlchancen im November 2020.

"In diesem gefährlichen Moment hat Präsident Trump wenig Optionen, wenig Verbündete, ein ausgedünntes Team beim nationalen Sicherheits-Team und sehr wenig Glaubwürdigkeit."

"New York Times"

Ein Ölschock könnte auch die Schweizer Wirtschaft aus dem Tritt bringen. Das zeigt der Monitor Schweiz der Credit Suisse, der heute vorgestellt wurde. Grundsätzlich sehen die CS-Ökonomen noch keine Rezessionsgefahr für unsere Wirtschaft. Zu stark ist nach wie vor unsere Exportindustrie und zu kräftig ist die Binnennachfrage.

Allerdings trübt sich auch hierzulande der Konjunkturhimmel leicht ein. Vor allem die Zulieferer der deutschen Autoindustrie leiden. Die CS hat deshalb ihre Wachstumsprognosen nach unten revidiert, von 1.5 Prozent des Bruttoinlandprodukts auf 1.1 Prozent für das laufende Jahr, und von 1.8 Prozent auf 1.4 Prozent für 2020.

Der Optimismus der CS-Ökonomen ist jedoch abhängig von der Art und Weise, wie Trump die Irankrise zu meistern gedenkt. Dabei hat der US-Präsident keine guten Karten. So kommentiert die "New York Times": "In diesem gefährlichen Moment hat Präsident Trump wenig Optionen, wenig Verbündete, ein ausgedünntes Team beim nationalen Sicherheits-Team und sehr wenig Glaubwürdigkeit."

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