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November 4, 2020, Washington, District of Columbia, USA: United States President Donald J. Trump makes a statement to the nation as his supporters look on in the East Room of the White House in Washington, DC on Election Night, Wednesday, November 4, 2020 Washington USA - ZUMAs152 20201104_zaa_s152_024 Copyright: xChrisxKleponisx

US-Präsident Donald Trump ist der Meinung die Wahl gewonnen zu haben. Bild: www.imago-images.de / Chris Kleponis

Analyse

Expertin über Reaktion nach der US-Wahl: "Trump hat sein Versprechen wahrgemacht"

Donald Trump erklärte sich noch in der Wahlnacht zum Sieger der Wahl – ohne demokratische Grundlage. Historikerin Annika Brockschmidt fürchtet schlimme Konsequenzen für die US-amerikanische Demokratie.

Mitten in der Washingtoner Nacht trat der US-Präsident vor die Presse. Er erzählte, es gebe viele, viele Menschen, die für ihn gestimmt hätten – und erklärte sich kurzerhand zum Sieger der Präsidentschaftswahl. Die weitere Auszählung der Stimmen möchte Donald Trump nun mithilfe der Gerichte stoppen und damit verhindern, dass sich die Verhältnisse doch noch zugunsten seines Herausforderers Joe Biden verändern.

Denn: Eine große Anzahl von Stimmen ist noch nicht ausgezählt worden, über 100 Wahlmänner sind noch nicht verteilt. Die Wahl ist noch lange nicht gelaufen, Joe Biden hat nach wie vor eine gute Chance, Präsident zu werden. Denn viele Demokraten sind laut Einschätzung der Experten in diesem Jahr "Early Voters". Das heißt, sie haben vor dem eigentlichen Wahltermin per Briefwahl oder in einem der Wahllokale abgestimmt. Und die Stimmen der "Early Voters" werden in entscheidenden Staaten erst später ausgezählt.

Auch sind die Stimmzettel in vielen Wahlbezirken noch nicht fertig ausgezählt. In den USA ist es nun mitten in der Nacht, einige Bezirke haben die Auswertung unterbrochen – darunter viele, in denen die Demokraten Favoriten sind. Es ist also zu erwarten, dass eine ausführliche Auszählung der Stimmen Joe Biden begünstigt.

Für Historikerin Annika Brockschmidt sind die Entwicklungen in den USA und insbesondere Donald Trumps Erklärungen äußerst bedenklich, sagt sie gegenüber watson.

"Die nächsten Tage werden ein Test für die Resilienz der amerikanischen Demokratie, die dieser erneuten Attacke von Trump standhalten muss."

Für sie ist es keine Überraschung, dass es ein enges Rennen zwischen Trump und Biden wird und sich die Auswertung der Stimmen weiter hinzieht:

"Es war klar, dass durch die deutlich höhere Zahl an Briefwahlstimmen wegen der Pandemie die Auszählung aller Stimmen Tage dauern würde. In einem Rennen, das gestern Nacht enger war als von den Demokraten erhofft, hat Trump sein Versprechen wahrgemacht und sich frühzeitig als Sieger erklärt."

Brockschmidt zufolge gibt es keinen Grund für einen Stopp der Auszählung – ebenso wenig wie für Trumps Erklärung, er habe die Wahl gewonnen. Sie fürchtet, dass Donald Trump sich nun in der Lage sieht, autoritäre Maßnahmen zu ergreifen:

"Trump, der bei Auftritten gestern noch niedergeschlagen wirkte, hat Morgenluft gewittert. Hoffen wir, dass die Demokratie gegen ihn verteidigt werden kann."

Auch in den USA ist die Bestürzung über Trumps Äußerungen groß. Selbst der ehemalige Gouverneur von New Jersey und Parteikollege von Donald Trump, Chris Christie, widerspricht und kritisiert den US-Präsidenten. Es gebe "keine Grundlage" dafür, dass sich Donald Trump zum Präsidenten erkläre. Dasselbe gelte für Trumps Vorhaben, die Auswertung der Briefwahl zu unterbinden, sagte Christie bei ABC News.

"Angriff auf die Demokratie"

Tom Wolf, der Gouverneur von Pennsylvania, einem der Staaten, der nach wie vor noch Stimmen auszählt und mit 20 Wahlmännern das Zünglein an der Waage sein könnte, machte auf Twitter klar, dass er sich von Donald Trump nicht unter Druck setzen lasse:

Wolf bezeichnete Donald Trumps Erklärung als "parteitaktischen Angriff auf die Demokratie" und erklärte, dass die verschiedenen Wahlbezirke unablässig daran seien, die Wahlzettel auszuwerten und dies tun werden, bis jede Stimme gezählt ist.

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Die USA haben gewählt, aber noch weiß niemand, wer gewonnen hat. Fest steht: Joe Biden ist mit über 70 Millionen Stimmen der amerikanische Präsidentschaftskandidat mit den meisten Stimmen überhaupt. Gewonnen hat er damit aufgrund des amerikanischen Wahlsystems noch nicht. Denn da geht es um die Mehrheit in den jeweiligen Bundesstaaten und den damit verbundenen Stimmen der Wahlmänner. Donald Trump hatte sich noch während der laufenden Auszählungen als Sieger ausgerufen und einen Gang zum …

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