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FILE PHOTO: White House Counselor Kellyanne Conway and her husband George Conway arrive for a candlelight dinner at Union Station on the eve of the 58th Presidential Inauguration in Washington, U.S., January 19, 2017.REUTERS/Joshua Roberts/File Photo

Kellyanne und ihr Ehemann George Conway. Bild: reuters / Joshua Roberts

Analyse

Die Conways: Eine Familie zerschellt an Trump

Donald Trump hat schon viele Berater verschlissen, doch sie gehört zu den wenigen Mitarbeitern in Trumps engerem Zirkel, die während der gesamten bisherigen Präsidentschaft des Republikaners im Amt war. Nun verlässt Kellyanne Conway jedoch das Weiße Haus. Die 53-Jährige kündigte am Sonntag ihren Rücktritt an.

Die einstige Wahlkampfmanagerin von Donald Trump war eine ebenso loyale wie umstrittene Verteidigerin des Präsidenten. Die Juristin und Meinungsforscherin tat sich in den vergangenen Jahren durch scharfzüngige Auftritte in den Medien hervor – und prägte etwa den Begriff "alternative Fakten".

Conway erklärte zur Begründung ihres Rückzugs, sie wolle sich mehr um ihre Kinder kümmern. In ihrem Leben werde es künftig "weniger Drama, mehr Mama" geben, schrieb die vierfache Mutter.

Mehr Zeit für Familie statt Karriere? Das ist wohl etwas euphemistisch ausgedrückt. Vielmehr zerschellte Conways Familie regelrecht an dem Job der Mutter im Haus.

Ohnehin erstaunlich, dass Conway so lange durchhielt. Schließlich wurde auch aus den Reihen der eigenen Familie scharf geschossen. Ihr Ehemann George, Republikaner (bis 2018, dann erfolgte der Austritt), Anwalt und vor seinem Rückzug Anwärter für ein hohes Regierungsamt im Justizministerium, mauserte sich zu einem der meistzitierten Trump-Kritiker innerhalb der Partei.

Auch auf Twitter attackierte George Conway Trump regelmäßig. Der Präsident beschimpfte den Anwalt im Gegenzug als "Verlierer" und "Verrückten" und sagte, Kellyanne Conway müsse "einige schlimme Dinge" mit ihm gemacht haben.

"Er ist ein Krimineller. Er ist ein Rassist."

Doch George Conway beließ es nicht bei ein wenig Twitter-Kritik. Während sich seine Frau immer mehr zu Trumps bissigstem Wachhund wandelte, schrieb er in Kolumnen in der "Washington Post" gegen den Präsidenten an und gründete zusammen mit anderen unzufriedenen Republikanern das Lincoln Project. Dieses hat das Ziel, mit unmissverständlichen Videos Trumps Wiederwahl zu verhindern.

Wie können so unterschiedliche Ansichten in einer Ehe so lange funktionieren? Nicht nur die USA staunten immer mehr über die Conways. War es ein Wunder der Liebe?

Von Liebe könne keine Rede sein, behauptete kürzlich die älteste Tochter von Kellyanne und George sinngemäß in ihrem TikTok-Livestream. Die Trennung sei schon lange geplant gewesen. Weshalb sie nicht vollzogen worden sei, sei ihr ein Rätsel. Die Klagelaute der ältesten Tochter wurden dank Social Media in alle Welt getragen. 15-jährig ist Claudia Conway erst – und hat bereits fast 400.000 Twitter-Follower. Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Wie ihre Eltern nimmt auch Claudia kein Blatt vor den Mund:

"Niemand hasst Donald Trump so sehr wie ich."

"Ich bin am Boden zerstört, dass meine Mutter wirklich auf dem Parteitag der Republikaner eine Rede hält. So richtig am Boden zerstört."

"Der Job meiner Mutter hat mein Leben ruiniert. Es bricht mein Herz, zu sehen, dass sie weiter diesen Weg einschlägt, obwohl sie weiß, dass ihre Kinder seit Jahren darunter leiden. Egoistisch. Meine Damen und Herren: Es geht nur ums Geld und die Prominenz."

"Du weißt, dass das Leben nicht fair ist, wenn du aufwachst, und deine Mutter hält neben einem homophoben Vergewaltiger eine Rede."

Wer glaubt, nur die Mutter bekomme ihr Fett weg, irrt. Auch Papi Conway wird auf Twitter frontal angegriffen.

"Was meinen Vater angeht, haben wir zu nichts die gleiche Meinung. Zufällig haben wir nur genug gesunden Menschenverstand, wenn es um unseren aktuellen Präsidenten geht. Hört auf, ihn zu "stannen"."

Claudias politische Vorbilder finden sich in einem anderen Lager. Und zwar in der entfernten Ecke des anderen Lagers. Sie retweetet Aussagen von Ilhan Omar und Alexandria Ocasio-Cortez:

Während sich Claudia auf Twitter eher politisch äußert, benutzt sie TikTok für persönlichere Statements. Ihre Aussagen sind besorgniserregend:

"Mein Vater war mir gegenüber immer wieder übergriffig. Vor allem als ich noch jünger war."

claudia conway auf tiktok

"Meine Mutter ließ mich verhaften und ist mental wie auch körperlich immer wieder übergriffig."

claudia conway auf tiktok

"Dass ich ihre Tochter bin, ist ihnen scheißegal."

claudia conway auf tiktok

Mit diesen heftigen Anschuldigungen gab Claudia Conway bekannt, dass sie ihren Eltern die Vormundschaft entziehen wolle. "Emancipation" nennt sich dieser juristische Vorgang in den USA. Sie sei dafür bereits in Kontakt mit verschiedenen Anwälten getreten.

Es war der Tropfen, der das Fass der Familie Conway zum Überlaufen brachte. Sowohl Kellyanne wie auch George erwähnen in ihren Rücktrittserklärungen, sich nun verstärkt der Familie widmen zu wollen. Tochter Claudia will derweil eine Social-Media-Auszeit nehmen. Bleibt nur zu hoffen, dass noch nicht zu viel Porzellan zerschlagen wurde.

"Das wird mir alles zu viel, ich nehme mir eine Social-Media-Pause für meine mentale Gesundheit. Bis bald. Dank für eure Liebe und die Unterstützung. Kein Hass an meine Eltern, bitte."

(hau/om/afp/tog)

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