Kamala Harris is sworn in as vice president by Supreme Court Justice Sonia Sotomayor as her husband Doug Emhoff holds the Bible during the 59th Presidential Inauguration at the U.S. Capitol in Washington, Wednesday, Jan. 20, 2021. (AP Photo/Andrew Harnik)

Strahlend legt Kamala Harris am Mittwoch den Amtseid ab – die dazugehörige Bibel hält ihr Ehemann Doug Emhoff. Bild: ap / Andrew Harnik

Obamas Ex-Wahlkampfmanager über Kamala Harris: "Viele spekulieren offen darüber, ob sie die Präsidentschaft nach zwei oder vier Jahren übernehmen könnte"

Kamala Harris hat in ihrem Leben viele Hürden genommen. Den wohl bahnbrechendsten Schritt hat sie am Mittwoch gemacht: Harris ist die erste Frau und die erste Schwarze, die den Eid als US-Vizepräsidentin ablegt hat. Für Harris hat sich Amerikas Verheißung als Land der unbegrenzten Möglichkeiten erfüllt. Nun will sie an der Seite von Präsident Joe Biden dafür sorgen, dass viele weitere ihrem Vorbild folgen können.

Vater aus Jamaika, Mutter aus Indien

Harris wurde am 20. Oktober 1964 in Oakland in Kalifornien geboren, wo sie in einer afroamerikanischen Community aufwuchs. Ihr Vater war aus Jamaika in die USA eingewandert, um Wirtschaft zu studieren. Ihre Mutter – eine Krebsforscherin und Bürgerrechtlerin – kam aus Indien.

Im Laufe ihrer Karriere war Harris mehrfach die Erste: Nach ihrem Studium in Washington und in Kalifornien wurde sie als erste Schwarze Bezirksstaatsanwältin von San Francisco. Ab 2010 hatte sie als erste Frau den Posten der Justizministerin in ihrem Heimat-Bundesstaat inne. In den US-Senat zog sie 2017 als erste Schwarze ein, die Kalifornien repräsentierte – und sie war erst die zweite in der Parlamentskammer überhaupt. Wenige Tage später wurde Donald Trump als US-Präsident vereidigt.

Ihre Opposition zu Trump trieb sie an, sich um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten zu bewerben, sie zog sich aber schließlich aus dem Rennen zurück. Biden holte sie als Präsidentschaftskandidat als "Running Mate" an seine Seite.

Unter Trump-Vorgänger Barack Obama war Biden selbst acht Jahre lang Vizepräsident. Wegen Bidens fortgeschrittenen Alters lag dieses Mal ein besonderes Augenmerk auf seiner Stellvertreter-Wahl. Der 78-Jährige ist bei seinem Amtsantritt älter als alle seine Vorgänger – die 56-jährige Harris könnte ihn beerben, zumindest als nächste Präsidentschaftskandidatin der Demokraten.

"Eine effektive Kommunikatorin"

Das hält auch Julius van de Laar, ehemaliger Kampagnenmanager von Barack Obama, für denkbar. "Gestern hat das Biden-Team mitgeteilt, dass Joe Biden plant, für eine zweite Amtszeit zu kandidieren – und das schon am Tag seiner Amtseinführung", sagte van de Laar am Donnerstag gegenüber watson. "Das zeigt, wie viele offen darüber spekulieren, ob Kamala Harris die Präsidentschaft nach zwei oder vier Jahren übernehmen könnte."

Er beschreibt Harris als eine "effektive Kommunikatorin". Weiter sagt er: "Die Demokraten haben momentan politisches Kapital, aber nur eine hauchdünne Mehrheit im Kongress. Die Midterm-Kongresswahlen stehen 2022 an und historisch gesehen ist es wahrscheinlich, dass sie diese Mehrheit dann wieder verlieren." Der Politik-Experte hätte auch eine Idee für die richtige Strategie, um dem entgegenzuwirken: "Wenn ich im Weißen Haus wäre, würde ich Harris so häufig wie möglich aus Washington ins Land entsenden, um aktiv die Politik des Weißen Hauses in der Fläche zu verkaufen", sagt er.

Erfolgreiches Blind Date

Dass Biden – der Harris als "furchtlose Kämpferin" beschreibt – 2024 für eine Wiederwahl kandidiert, gilt als unwahrscheinlich. Er wäre zu Beginn einer zweiten Amtszeit 82 Jahre alt. Als erste Vizepräsidentin der USA sorgt Harris für ein weiteres Novum: Statt einer Second Lady gibt es mit Harris' Ehemann Douglas Emhoff nun einen Second Gentleman, bei Twitter hat er nun den brandneuen Account @SecondGentleman.

Emhoff und Harris lernten sich 2013 bei einem Blind Date kennen und heirateten 2014. Der Rechtsanwalt beschrieb seine Frau in einem Interview mit dem Sender CBS kurz vor der Amtseinführung als bodenständig und "schockierend normal".

Nach dem Wahlsieg im November sagte Harris, ihre Mutter habe so fest an ein Amerika geglaubt, in dem ein Moment wie dieser möglich sei. Sie dankte den Generationen von Frauen, die für Gleichheit, Freiheit und Gerechtigkeit gekämpft hätten. "Auch wenn ich die erste Frau in diesem Amt sein mag, werde ich nicht die letzte sein", sagte Harris. "Denn jedes kleine Mädchen, das heute Nacht zuschaut, sieht, dass dies ein Land der Möglichkeiten ist."

Jetzt doch: "Vogue" mit "formellerem" Harris-Cover

Wie groß die Bedeutung des Augenblicks ist, hat anscheinend nun auch die Vogue erkannt: Das Magazin kündigte eine limitierte Auflage der Februar-Ausgabe mit einem Foto von Harris in formeller Pose mit einem blauen Hosenanzug an. Zur "Feier dieses historischen Moments" werde man eine begrenzte Auflage zum Tag der Amtseinführung herausbringen, teilte die "Vogue" auf Twitter mit. Dazu postete sie das Bild, das laut übereinstimmenden Medienberichten ursprünglich von Harris' Team als Cover-Bild ausgewählt worden war.

HANDOUT - 11.01.2021, ---: ARCHIV - Kamala Harris, damalige gewählte Vizepräsidentin (Vice President-elect) der USA, ist auf dem digitalen und gedruckten Cover der Februar-Ausgabe der Modezeitschrift Vogue abgebildet. Nach der Kontroverse um das Cover-Bild der «Vogue» hat die US-Modezeitschrift eingelenkt. Sie kündigte eine limitierte Auflage der Februar-Ausgabe mit einem Foto von Harris in formeller Pose mit einem hellen blauen Hosenanzug an. (zu dpa

Bild: dpa / Tyler Mitchell

Auf dem zuerst veröffentlichten Cover war Harris lässig stehend in Blazer und Turnschuhen vor rosa-grünem Hintergrund zu sehen. Zahlreiche Nutzerinnen und Nutzer in den sozialen Netzwerken hatten die Aufnahme der 56-Jährigen als respektlos oder technisch minderwertig und damit unpassend für das Titelporträt der mächtigsten Frau des Landes empfunden. Die "Vogue" hatte erklärt, die Redaktion habe sich für das informellere Foto entschieden, weil es Harris' authentischen und zugänglichen Charakter betone. Nun also gibt es beide Varianten – was in etwas zu dem Bild passt, das die Öffentlichkeit sich in den vergangenen Monaten von Kamala Harris machen konnte.

(mit Material von dpa)

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