International
Bild

bild: imago images/xinhua/unsplash/watson-montage

Analyse

Viele Amerikaner haben vom 24-Stunden-Drama des Donald Trump die Schnauze voll

Nicht ein Impeachment wird Trump zu Fall bringen, sondern die Erschöpfung der Amerikaner.

Philipp Löpfe / watson.ch

Als Kolumnist der "New York Times" hat Frank Bruni bereits unzählige Artikel über den Präsidenten verfasst. Jetzt kann er nicht mehr. Er schreibt:

"Die Präsidentschaft von Donald Trump hat mich verblüfft, erzürnt und vor allem traurig gemacht, denn ich glaube nach wie vor an das amerikanische Versprechen, über das er sich lustig macht und das er gefährdet. Aber vergangene Woche hat der Präsident etwas gemacht, das er zuvor noch nie getan hat. Er hat mich absolut platt gemacht."

Tatsächlich war die vergangene Woche selbst für Trump'sche Verhältnisse grotesk. Im Handelsstreit mit China hat er innerhalb von Stunden mehrmals die Position gewechselt. Heute wissen selbst Insider nicht, welcher Strafzoll auf welche Güter in welcher Höhe und wann in Kraft treten soll – wenn überhaupt, denn es ist auch möglich, dass Trump die ganze Übung wieder abbläst.

Bild

Tanzt gerne aus der Reihe: Donald Trump. Bild: imago images / Michael Trammer

Auch das private Verhalten des Präsidenten ist – milde ausgedrückt – bizarr. So hat er behauptet, seine Frau Melania würde den nordkoreanischen Diktator Kim Jong-un einen tollen Typen finden, obwohl sie ihn noch gar nie getroffen hat. Trumps gestresste Kommunikationsmitarbeiter mussten nachher die peinliche Erklärung nachliefern, der Präsident "habe das Gefühl", seine Frau möge Kim.

Die Umweltkonferenz am G7-Treffen hat Trump geschwänzt mit der Ausrede, er habe ein privates Treffen mit deutschen und indischen Vertretern geführt. Dummerweise beweisen Bilder, dass die Vertreter der beiden Länder an der besagten Konferenz teilgenommen haben.

Schließlich beharrt Trump darauf, Wladimir Putin wieder zum G7-Treffen einzuladen. Barack Obama sei vom russischen Präsidenten übertölpelt worden und habe ihn deshalb aus der Runde verbannt, behauptete Trump entgegen allen Fakten. Der Ausschluss Russlands erfolgte als Reaktion auf die völkerrechtswidrige Annexion der Krim.

March 9, 2014 - Doral, FL, USA - Patrick Reed tees off at the first hole during the fourth round of the WGC-Cadillac Championship at Trump National Doral on Sunday, March 9, 2014, in Doral, Fla. WGC-Cadillac Championship PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY - ZUMAm67

March 9 2014 Doral Fl USA Patrick Reed Teas Off AT The First Hole during The Fourth Round of The WGC Cadillac Championship AT Trump National Doral ON Sunday March 9 2014 in Doral Fla WGC Cadillac Championship PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY ZUMAm67

Trumps Golfclub Doral in Florida. Hier will der Präsident das nächste G7-Treffen durchführen. Bild: imago/zuma press

Das Sahnehäubchen setzte Trump bei seiner Rückkehr auf. Er wolle das nächste G7-Treffen auf seinem stark defizitären Golfclub Doral in Florida abhalten, verkündete er. Das ist ein krasser Verstoß gegen die amerikanische Verfassung. In der sogenannten "Emoluments clause" wird ausdrücklich festgehalten, dass ein US-Präsident keine Geschenke und schon gar kein Geld von fremden Staatsvertretern annehmen darf.

Da passt es ins Bild, dass die "Washington Post" tags darauf enthüllte, dass Justizminister William Barr eine private Party ausgerechnet in Trumps Hotel in Washington feiern und dafür mindestens 30.000 US-Dollar auf den Tisch blättern will.

In normalen Zeiten würde jeder einzelne dieser Vorfälle für einen massiven Skandal, ja gar für ein Impeachment reichen. In Trump'schen Zeiten werden sie mit einem Achselzucken zu Kenntnis genommen, denn der nächste Skandal ist bereits wieder eingetroffen:

So will Trump nun – der internationalen Empörung über die Brände im Amazonasgebiet zum Trotz – die Hälfte des Nationalparks Tongass in Alaska abholzen lassen. Trotz richterlicher Verbote will er zudem Land an der Grenze zu Mexiko konfiszieren lassen, um endlich seine Mauer zu bauen.

Blick durch den pazifischen Regenwald, USA, Alaska, Denali Nationalpark view through Pacific Rain forest, USA, Alaska, Denali Nationalpark BLWS253688

Glance through the Pacific Rain forest USA Alaska Denali National Park View Through Pacific Rain Forest USA Alaska Denali National Park BLWS253688

Alaskas Regenwald. Trump will die Hälfte davon abholzen lassen. Bild: imago stock&people

Dazu kommt der permanente Wechsel des Personals im Weißen Haus und im Kabinett und ja: Wer bezweifelt noch, dass Trump mithilfe der Deutschen Bank russisches Geld in großem Umfang gewaschen hat?

Trumps-Hardcore-Fans lassen sich davon nicht beeindrucken. Doch der normale Mittelstand hat die Schnauze voll. "Amerikaner aller Überzeugungen erkennen ein Melodrama, wenn es ihnen um die Ohren geschlagen wird", so Bruni in seiner "NYT"-Kolumne. "Sie sind benommen und betäubt."

Trumps Eskapaden haben daher Folgen. Meinungsumfragen zeigen, dass die Zustimmung zu seiner Arbeit selbst in den Bundesstaaten sinkt, in denen er die Wahl gewonnen hat. Neuerdings wird auch an der Heimfront kritisiert. So hat ihm sein ehemaliger Kommunikationschef Anthony Scaramucci den Krieg erklärt. Joe Walsh, ein ehemaliger Abgeordneter und rechtsextremer Radiomoderator, will gar gegen ihn in den Vorwahlen antreten.

Aug. 08, 1951 - Joseph Mac Carthy PUBLICATIONxINxGERxONLY - ZUMAk09

Aug 08 1951 Joseph Mac Carthy PUBLICATIONxINxGERxONLY ZUMAk09

Sang- und klanglos verschwunden: Kommunistenjäger Joseph McCarthy Bild: imago/zuma/keystone

In den Fünfzigerjahren hat der republikanische Senator Joseph McCarthy mit einer unglaublichen Hetze gegen angebliche Kommunisten die USA während rund zwei Jahren terrorisiert. Danach ist er implodiert und praktisch über Nacht von der politischen Bühne verschwunden.

Ein ähnliches Schicksal drohe auch Trump, glaubt Michael Wolff, Autor von zwei Büchern über das Innenleben des Weißen Hauses. Zu einem ähnlichen Schluss kommt auch Frank Bruni. Er schreibt:

"Trumps Instinkt und Strategie beruhen auf Erobern und Überwältigen. Aber es gibt einen Unterschied zwischen Leute niederringen oder sie auslaugen. Trump ist wie die letzte Staffel von "House of Cards" – ein fesselndes Spektakel, das zu einem abstoßenden Schmierentheater wird, so zügellos, dass es sich selbst auffrisst."

Des Donalds neue Haare

Trumps Twitter-Tiraden: So begann @realdonaldtrump

Play Icon

Das könnte dich auch interessieren:

Torwart-Zoff: Hoeneß hat mit einer Sache recht – doch er wird dem FC Bayern schaden

Link zum Artikel

Dagmar Michalsky wurde mit 58 schwanger – bei Lanz spricht sie von "neun Monaten Horror"

Link zum Artikel

Lena rappt über Sex mit sich selbst bei "Gemischtes Hack"

Link zum Artikel

Diese Szenen zeigen: Nicht mal die Experten sind von der Hartz-IV-Show "Zahltag" überzeugt

Link zum Artikel

Barça-Keeper vor Linie: Wieso der VAR bei größter BVB-Chance nicht eingriff

Link zum Artikel

"Steh auf" – Rammstein-Sänger verstört Fans mit Video

Link zum Artikel

Tiere: 11 Fotos, die zeigen, wie lustig es in der Natur manchmal zugeht

Link zum Artikel

Helene Fischer verdient an "Herzbeben" – Songwriterin verrät, was sie für den Hit bekam

Link zum Artikel

"Hart aber Fair": Altmaier warnt vor "Klimapolizei" – und wird von Aktivistin verspottet

Link zum Artikel

Nach Höcke: ZDF will auch künftig über das berichten, was "AfD nicht gerne im Fokus sieht"

Link zum Artikel

Hai pirscht sich an ahnunglosen Surfer heran: Dann kommt Hilfe – von oben!

Link zum Artikel

Brief ans Jobcenter: Hört auf, meine über 60-jährige Mutter in Jobs zu drängen

Link zum Artikel

Gottschalk über Helene Fischer und Florian Silbereisen: "Hatte immer schlechtes Gefühl"

Link zum Artikel

Bei Pressekonferenz nach BVB-Sieg: Favre merkt nicht, dass Mikro schon an ist

Link zum Artikel

Luke Mockridge macht Andrea Kiewel in seiner Show ein Angebot – die blockt ab

Link zum Artikel

Kontakt mit 2 Bundesliga-Stars – warum der FCB trotz allem keinen Lewandowski-Backup holte

Link zum Artikel

Luke Mockridge traf Kiwi kurz vor ZDF-Auftritt: Er täuschte beim "Fernsehgarten" alle

Link zum Artikel

Krankenschwester warnt bei Maischberger: "Wir laufen auf eine riesige Katastrophe zu"

Link zum Artikel

Luke Mockridge über die Folgen seines ZDF-Auftritts: "Meine Eltern erhielten Hassbriefe"

Link zum Artikel

Hartz-IV-Show "Zahltag": Wie die Sendung falsche Hoffnungen schürt

Link zum Artikel

Alleinerziehend mit Hartz IV: Achtjährige sammelt Flaschen, um Taschengeld zu bekommen

Link zum Artikel

"Zahltag": Buschkowsky erklärt, warum ein Geldkoffer Hartz-IV-Empfängern nicht hilft

Link zum Artikel

2 Handelfmeter? Darum gab es für die DFB-Elf gegen Nordirland keinen Videobeweis

Link zum Artikel

In Berlin gab es eine Notlandung mit mehreren Verletzten

Link zum Artikel

Helene Fischer und Thomas Seitel: Polizei spricht von Einsatz auf ihrem Anwesen

Link zum Artikel

7 Zitate, die zeigen, wie "bürgerlich" Alexander Gauland wirklich ist

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Mann kauft bei Aldi Salat: Darin entdeckt er jemand wirklich Knuffiges

Aldi-Kunde Benjamin Müller‎ staunte nicht schlecht, nachdem er sich bei dem Discounter einen Salat gekauft hatte. Er bekam nämliche eine tierische Einlage hinzu. Der Fund, den der Mann in einer Aldi-Filiale im Hallstadt (Oberfranken) machte, ist äußerst ungewöhnlich.

Müller, so berichtete er am Mittwoch auf Facebook, habe bei dem Discounter am Wochenende einen Salat gekauft. Zuhause angekommen entdeckte Müller jedoch in seinem Salat eine kleine Einlage. Einen Frosch nämlich.

Das dokumentierte …

Artikel lesen
Link zum Artikel