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PANMUNJOM, SOUTH KOREA - JUNE 30 (SOUTH KOREA OUT): A handout photo provided by Dong-A Ilbo of North Korean leader Kim Jong Un and U.S. President Donald Trump inside the demilitarized zone (DMZ) separating the South and North Korea on June 30, 2019 in Panmunjom, South Korea. U.S. President Donald Trump and North Korean leader Kim Jong-un briefly met at the Korean demilitarized zone (DMZ) on Sunday, with an intention to revitalize stalled nuclear talks and demonstrate the friendship between both countries. The encounter was the third time Trump and Kim have gotten together in person as both leaders have said they are committed to the

Donald Trump und Kim Jong-un haben sich seit 2018 bereits dreimal getroffen. Experten bewerten den Friedensprozess inzwischen allerdings als gescheitert. Bild: Getty Images AsiaPac / Handout

Analyse

"Ich war sprachlos": Ex-Berater erklärt Trumps dümmsten Nordkorea-Fehler

John Bolton rechnet in seinem kürzlich erschienenen Enthüllungsbuch "The Room Where It Happened" mit Donald Trump ab. watson hat die spannendsten Teile des Buches für euch zusammengefasst. Heute Teil 2 der Serie – Trumps fehlerhafter und komischer Umgang mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un.

Als erster US-Präsident überhaupt traf sich Donald Trump im Sommer 2018 mit dem nordkoreanischen Diktator Kim Jong-un. Das Gipfeltreffen in Singapur sollte von Donald Trump als großer außenpolitischer Erfolg verkauft werden. Vielen Beobachtern war aber schon damals klar, dass außer schönen Bildern wenig herumkommen würde. Die neuesten Eskalationen zwischen Nord- und Südkorea bestätigen diesen Eindruck.

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Die watson-Serie "Inside Trump" zum Enthüllungsbuch "The Room Where It Happened" – Teil 2. Bild: Kevin Lamarque /reuters / Kevin Lamarque /reuters

Auch Außenpolitik-Experte Christian Hacke erklärte bei watson: "Was Donald Trump getan hat, war 'Fake Diplomacy'. So führt man keine Verhandlungen mit einem Diktator." Ihm zufolge waren die Treffen nicht nur ergebnislos, sondern sogar kontraproduktiv und halfen nur Kim Jong-un. "Es war für den nordkoreanischen Diktator auch schon ein Prestigeerfolg, dass Donald Trump sich überhaupt mit ihm auf Gipfelebene getroffen hat. Das hat sein Regime enorm aufgewertet."

Das neue Enthüllungsbuch von Ex-Sicherheitsberater John Bolton zeigt nun: Selbst Trumps engste Berater waren nicht von der Sinnhaftigkeit des Singapur-Gipfels zwischen Trump und Kim Jong-un überzeugt. Das Buch erzeugt den Eindruck, dass vor allem einer unbedingt dieses Treffen mit Kim Jong-un wollte: Donald Trump.

"Sprachlos aufgrund dieses törichten Fehlers"

Für John Bolton war das Hick-Hack im Vorfeld des Singapur-Gipfels 2018 und Trumps Nordkorea-Diplomatie als Ganzes mitverantwortlich für sein Aus als Sicherheitsberater des Präsidenten. Durch das Buch wird nun klar, warum er dieser Ansicht ist: Bolton hatte dem Präsidenten von Anfang an davon abgeraten, sich überhaupt mit Kim Jong-un zu treffen.

"Als ich hörte, dass Kim Jong-un Donald Trump angeboten hatte, sich zu treffen und dieser auch noch zugesagt hatte, war ich mehr als sprachlos aufgrund dieses törichten Fehlers."

John Bolton in "The Room Where It Happened"

Für Bolton war Trumps Treffen mit Kim Jong-un ein Punktesieg für den nordkoreanischen Machthaber:

"Als US-Präsident einem Gipfel mit Kim Jong-un zuzustimmen, ohne jegliche Anzeichen einer strategischen Entscheidung das Atomprogramm zurückzufahren, war ein Propaganda-Geschenk ohnegleichen."

John Bolton in "The Room Where It Happened"

Zumal Bolton Trump zuvor bereits vor einem Treffen mit dem nordkoreanischen Diktator gewarnt hatte. Noch bei seinem Bewerbungsgespräch als Sicherheitsberater des Präsidenten hatte er sich mit Trump über Nordkorea unterhalten und versucht, ihm klar zu machen, dass Kim Jong-un aktuell in einer kritischen Phase seines Nuklearprojekts sei und nichts effektiver wäre, als militärischer Druck, um ihn zum Einlenken zu bewegen, schildert Bolton in dem Buch eindrücklich.

"Ich erklärte, dass ich dachte, dass Kim Jong-un versuchte, Zeit zu gewinnen, um die wenigen (aber überaus kritischen) Schritte zu vollenden, die noch zu tun waren, um ein mobiles Arsenal an Atomwaffen zu produzieren. Das bedeutete, dass Kim Jong-un gerade jetzt militärische Macht fürchtete. Er wusste, dass allein Wirtschaftssanktionen ihn nicht von seinem Ziel abhalten konnten."

John Bolton in "The Room Where It Happened"

Trump witzelte über Kim Jong-un und der kapierte es nicht

Bolton war sich nach dem Gespräch allerdings nicht ganz sicher, ob Donald Trump sein Argument verstanden hatte. Wie sich zeigen sollte zurecht.

Als der Gipfel dann schließlich stattfand, war Donald Trump laut Bolton deutlich fixierter darauf, sich über Kim Jong-un lustig zu machen, als wirkliche Diplomatie zu betreiben. Während des Treffens nannte er ihn "little rocket man", angelehnt an den gleichnamigen Elton John Song. Kim Jong-un verstand die unterschwellige Beleidigung wohl nicht und fühlte sich laut Boltons Beobachtung sogar geschmeichelt: "Er dachte, 'rocket man' sei ein Kompliment."

Inhaltlich waren die Vereinbarungen während des Singapur-Gipfels laut Bolton einigermaßen bedeutungslos. Donald Trump war es demnach wichtiger, "ein inhaltsloses Kommuniqué zu unterschreiben, um einen Sieg zu vermelden und sich dann aus dem Staub zu machen."

"Little rocket man" Kim Jong-un: Trump wollte Kim CD zukommen lassen

In der Folge versuchte Donald Trump immer wieder, Mike Pompeo dazu zu bringen, Kim Jong-un eine CD von Elton Johns legendärem Hit mitzubringen, ohne zu verstehen, dass der amerikanische Außenminister sich gar nicht persönlich mit dem nordkoreanischen Diktator traf: "Kim Jong-un diese CD mitzubringen hatte eine hohe Priorität in den kommenden Wochen." Trump fand seine Idee, Kim die CD mit seinem neuen Spitznamen zu schenken, einfach zu witzig, als dass er davon ablassen konnte.

Blöd nur: Dass das eigentliche Ziel, Nordkorea zur Beendigung des eigenen Atomprogramms zu bewegen, immer weiter in die Ferne rückte, verlor Trump währenddessen aus den Augen. Während der US-Präsident sich im Wahlkampf für die Kongresswahlen engagierte, verlor Nordkorea laut Bolton keine Zeit, um die eigenen Testgelände, Atomwaffen und Raketen in neue und sicherere Anlagen zu bringen.

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"The Room Where It Happened" von John Bolton ist am 23. Juni 2020 im Verlag Simon & Schuster erschienen. Bild: simon & schuster

Gescheiterte Nordkorea-Diplomatie

Bolton vergleicht die fehlgeleitete Nordkorea-Diplomatie Donald Trumps mit der Appeasement-Politik Großbritanniens mit Hitler-Deutschland vor dem Zweiten Weltkrieg. Ihm zufolge hat Trump durch den Gipfel wichtige Zeit vergeudet und Nordkorea deutlich mehr Zugeständnisse gemacht, als er an Erfolgen verzeichnen konnte. Eine insgesamt vernichtende Analyse von Trumps Nordkorea-Politik, die er mit Experten wie Christian Hacke teilt:

"Donald Trump dachte, er könne mit seiner 'Fake Diplomacy' die Dinge radikal ändern. Er ist damit total gescheitert. (...) Kim Jong-un ist ein Vorbild für andere Diktaturen geworden. Er hat den Trend zur Weiterverbreitung von Nuklearwaffen beschleunigt. Sein Verhalten hat gezeigt, dass man den USA durch die Macht der Atomwaffen widerstehen und sie damit sogar an den Verhandlungstisch zwingen kann. Das kann sich nun jeder von Teheran bis Peking abschauen."

Christian Hacke im Interview mit watson

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