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A still image taken from a video footage and released by Russia's Defence Ministry on September 5, 2018, shows a missile hitting a target, which Defence Ministry said was a terrorists' position in Idlib province, Syria September 4, 2018. Russian Defence Ministry/Handout via REUTERS TV  ATTENTION EDITORS - THIS PICTURE WAS PROVIDED BY A THIRD PARTY. NO RESALES. NO ARCHIVE.

Luftangriff auf die Stadt Idlib. 3 Millionen Menschen leben in dem Gebiet auf das die Truppen von Syriens Staatschef Baschar al-Assad vorrücken. Bild: X80001

Analyse

UN warnen vor Blutbad – Assad startet entscheidenden Angriff auf Idlib

Die syrische Regierung hat zusammen mit ihrem Verbündeten Russland Menschenrechtlern zufolge die schwersten Luftangriffe auf die Rebellenprovinz Idlib seit einem Monat geflogen. Mindestens vier Zivilisten seien getötet worden, darunter zwei Kinder, berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Samstag. Die Provinz sei von etwa 80 Bombardements getroffen worden.

Idlib ist der letzte Zufluchtsort der Assad-Gegner. In den nächsten Tagen soll die Stadt fallen. Assad rüstet zur Offensive. Die UN hat Assads-Verbündete Russland und Iran beschworen, ein "Blutbad" zu vermeiden. US-Präsident Donald Trump warnte Assad vor "rücksichtslosen Angriffen".

Warnung aus Washington

3 Fakten zu Assads letzter Schlacht – und warum auch Europa besorgt nach Idlib schaut.

Die aktuelle Lage in Syrien

Seit 2011 tobt der Aufstand gegen das Regime von Baschar al-Assad in Syrien. Der Diktator hat den Krieg für sich entschieden, aber noch nicht alle Schlachten geschlagen. 

Im Nordwesten des Landes hält sich als letzte Bastion der Opposition Idlib. Nach UN-Angaben lebenderzeit rund 2,9 Millionen Menschen dort auf, darunter etwa ein Drittel Kinder. Knapp die Hälfte der Bevölkerung sind syrische Binnenflüchtlinge, die vor Assad in die Region geflohen sind. Idlib ist nur 30 Kilometer von der Grenze zur Türkei entfernt. Fällt die Stadt droht eine weitere Flüchtlingswelle.

Idlib ist die letzte von einst vier sogenannten Deeskalationsgebieten, für die Assad, seine Verbündeten Türkei und Russland, sowie die Opposition im Mai 2017 eine Waffenruhe vereinbart hatten. Assad hat eine nach der anderen gebrochen und die Gebiete erobert. Nun ist Idlib an der Reihe. Nach Angaben der ARD sind Brücken gesprengt, die Bevölkerung sitzt in der Falle. 

Worüber beraten Iran, Russland und die Türkei?

Ein Treffen, 0 Ergebnis

Turkey's President Recep Tayyip Erdogan right, shakes hands with Russia's President Vladimir Putin, in Tehran, Iran, Friday, prior to their talks, part of Russia-Iran-Turkey summit to discuss Syria, Friday, Sept. 7, 2018. Putin, Erdogan and Iran's President Hassan Rouhani began a meeting Friday in Tehran to discuss the war in Syria, with all eyes on a possible military offensive to retake the last rebel-held bastion of Idlib. (AP Photo/Ebrahim Noroozi)

Bild: AP

Assads Verbündete Russland und Iran haben sich mit der Türkei zur sogenannten Astana-Gruppe zusammengetan, benannt nach dem ersten Treffen in der kasachischen Hauptstadt. Am Freitag scheiterte Die Türkei Gipfeltreffen mit Russland und dem Iran den drohenden Angriff auf die Rebellenhochburg Idlib in Syrien abuzwenden. Präsident Recep Tayyip Erdogan warnte am Freitag bei der Syrien-Konferenz zwar vor einem Massaker durch einen Angriff auf Idlib und forderte einen Waffenstillstand. Dem widersprach Russlands Präsident Wladimir Putin jedoch sofort: Syriens Präsident Assad müsse die Hoheit über sein ganzes Land zurückgewinnen, mit der islamistischen Nusra-Front und dem Islamischen Staat (IS) werde nicht verhandelt. Wie Putin forderte auch Irans Präsident Hassan Ruhani die Vertreibung aller Extremisten aus ganz Syrien. 

Laut UN wird Idlib von rund 10.000 Milizionären gehalten. Die meistem von ihnen haben sich islamistischen Gruppierungen angeschlossen. Die Türkei unterstützt in Idlib Gruppen, die sich zur Allianz Nationale Befreiungsfront zusammengeschlossen haben. Zu diesem Bündnis gehört nicht Al-Nusra oder der IS. Allerdings sind die einzelnen Gruppierungen untereinander zerstritten. 

Die Türkei unterhält in der sogenannten Deeskaltionszone rund um Idlib Militärstationen, offiziell um den Waffenstillstand zu überwachen. Geht Assad zum Angriff wird es zwar nicht zum offenen Konflikt kommen. Die Türkei fürchtet aber, dass Islamisten aus Idlib auf ihr Territorium einsickern könnten.

Wie sind die Reaktionen? 

In Washington erklärte der Sonderberater für Syrien im US-Außenministerium, Jim Jeffrey, es lägen zahlreiche Hinweise vor, dass die Truppen Assads einen Chemiewaffeneinsatz vorbereiteten. Die USA hatten am Dienstag die Regierung in Damaskus vor dem Einsatz von C-Waffen gewarnt. Dem schloss sich am Donnerstag Frankreich an. Wie Erdogan lehnten auch die USA die gewaltsame Eroberung von Idlib ab: Jede Offensive sei eine "leichtsinnige Eskalation", sagte Jeffrey.

Allerdings sind USA und Türkei uneins über den Umgang mit den Kurden in der Region. Die USA arbeiten offen mit ihnen zusammen, die Türkei fürchtet die Entstehung eines kurdischen Staates in unmittelbarer Nachbarschaft, der auch auf die Kurden in der Türkei übergreifen könnte. 

Und wie geht es weiter?

Die Lage ist angespannt. US-Präsident Donald Trump musste diese Woche sogar Attentatspläne der USA auf Assad dementieren. Seine Annäherung mit Putin zu Syrien auf dem Helsinki-Gipfel im Juli scheint hinfällig. 

Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach zuletzt in Meseberg mit Putin über die Lage in Syrien. Die Kanzlerin fürchtet eine neue Flüchtlingsbewegung nach Europa. Putin nutzt dies aus und fordert vom Westen Milliarden für den Wiederaufbau in Syrien. Die lehnt die EU derzeit ab. Offizielle Begründung, erst muss eine politische Lösung für das Land gefunden werden. 

Assad hat den Krieg gewonnen, aber Syrien ist keinesfalls unter seiner Kontrolle. Russland behielt sich vor, seine Truppenstärke im Land frei erhöhen zu können. Ferner versucht Putin, den iranischen Einfluss auf Assads Geheimdienste zurückzudrängen. Die Lage in Syrien bleibt angespannt. 

(rtr, afp, dpa)

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