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"Wachsender Frust" – Trump hat Merkel einen wütenden Brief geschrieben. Das steht drin.

fabian reinbold

Auch das noch: Die Bundesregierung gerät stärker unter Druck aus den USA. Donald Trump beschwert sich bei Angela Merkel über die deutschen Rüstungsausgaben. Wir haben die Details.

Donald Trump hat seine Kritik an Deutschland mit einem Brief an Angela Merkel untermauert. Trump spricht darin von einem "wachsendem Frust" in den USA über die aus seiner Sicht zu geringen Verteidigungsausgaben.

Nach t-online.de-Informationen kritisiert Trump darin die kürzlich von der Bundesregierung angekündigte Erhöhung der Rüstungsausgaben. Bis 2024 will die Bundesregierung den Etat auf 1,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) erhöhen. Doch das ist dem US-Präsidenten laut Angaben von Regierungsbeamten, die das vertrauliche Schreiben gelesen haben, nicht genug.

Was soll der Brief bewirken?

Für Trump ist das Schreiben Teil seiner Drohkulisse vor dem Nato-Gipfel, der kommende Woche in Brüssel stattfindet. In der Bundesregierung rechnet man damit, dass der US-Präsident den Gipfel zu einer neuen Attacke auf die Verbündeten nutzen könnte. Zuletzt war es bereits beim G7-Gipfel in Kanada zum Eklat zwischen Trump und den westlichen Verbündeten gekommen.

Berlin und Washington streiten seit Monaten über die deutschen Rüstungsausgaben.

Nicht sein einziges Papier

Über den Inhalt des Briefes an Merkel berichtete zuerst die "New York Times". Trump hat ähnliche Schreiben auch an die Regierungen Belgiens, Norwegens und Kanadas verschickt. Laut der US-Zeitung hat die Bundeskanzlerin allerdings einen besonders deutlichen Brief erhalten, in dem heißt es, andere Nato-Staaten würden sich Deutschlands geringe Zahlungen zum Vorbild nehmen. Trump stellt zugleich die Zusagen der USA infrage, sollte sich daran nichts ändern.

Worum geht es in dem Streit?

Die Nato-Mitglieder hatten sich 2014 darauf verständig, binnen zehn Jahren Verteidigungsausgaben in Höhe von zwei Prozent des BIP zu erreichen. Im Falle Deutschlands sind es derzeit knapp über 1,2 Prozent. In Washington ist die Kritik an Deutschlands Verteidigungsausgaben sowohl bei Republikanern als auch bei Demokraten verbreitet, wie Trump betont. Er selbst treibt diese Kritik regelmäßig auf die Spitze. So unterstellt er den Deutschen sinngemäß, im Nato-Bündnis auf Kosten der USA zu leben.

Auch der Handelsstreit spielt eine Rolle

Trump hat die Frage wiederholt mit der laufenden Auseinandersetzung in Handelsfragen sowie über Strafzölle verknüpft. Das macht er nun auch im Brief an Merkel, in dem er die gute wirtschaftliche Lage Deutschlands den Rüstungsausgaben gegenüber stellt.

Kürzlich sagte Trump, er wolle, dass Deutschland genau so viel für Verteidigung ausgebe wie sein Land. Die USA kommen auf Ausgaben von rund vier Prozent – eines wohlgemerkt viel größeren Bruttoinlandsprodukts.

Die Bundesregierung verweist ihrerseits darauf, dass sie besonders viele Nato-Soldaten stellt, so etwa beim Einsatz in Afghanistan das zweitgrößte Truppenkontingent. Man dürfe nicht allein auf das Zwei-Prozent-Ziel schauen, um den deutschen Beitrag zur Nato zu messen.

Nach t-online.de-Informationen ist der Brief Trumps an Merkel bereits am 19. Juni verschickt worden. Zunächst ging das Schreiben bei der Deutschen Botschaft in Washington. Anschließend wurde es nach Berlin übermittelt.

Dieser Artikel erschien zuerst auf t-online.de.

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