International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und die Werbung von watson und Werbepartnern zu personalisieren. Weitere Infos: Datenschutzerklärung.
FILE PHOTO: U.S. President Donald Trump shakes hands with Saudi Arabia's Crown Prince Mohammed bin Salman in the Oval Office at the White House in Washington, U.S. March 20, 2018.  REUTERS/Jonathan Ernst/File Photo

Bild: X90178

Macht, was ihr wollt, solange ihr bei uns einkauft

fABIAN REINBOLD, WASHINGTON

In Washington ist man entsetzt. Selbst viele Parteifreunde nehmen Donald Trump seinen Umgang mit dem Mord am saudi-arabischen Journalisten Jamal Khashoggi übel. "Das Weiße Haus verkommt zur PR-Firma für den Kronprinz Saudi-Arabiens", schimpft etwa der oberste Außenpolitiker im Senat, der Republikaner Bob Corker. Einen "Verrat an lang etablierten amerikanischen Werten" beklagt der Chef der Washington Post, Fred Ryan.

Dabei kann man, aus etwas anderer Perspektive, Trumps Einlassung zu Saudi-Arabien und dem Mord an Jamal Khashoggi sogar begrüßen. Denn der US-Präsident macht darin deutlich, mit welchem Verständnis er Außenpolitik betreibt. So schwarz auf weiß gab es die Methode Trump für die Welt noch nie zu lesen.

Leiten lässt sich Trump auf internationaler Bühne nicht von den Erkenntnissen seines eigenen Regierungsapparats, und schon gar nicht von Werten wie Menschenrechten, sondern von seinen eng definierten Interessen, Befindlichkeiten und kurzfristigen Vorteilen.

Befunde, die diesen Interessen zuwiderlaufen, relativiert der US-Präsident. Oder er zieht sie in Zweifel. Wer ihm nützlich erscheint, dessen Wort hat mehr Gewicht als jenes der eigenen Institutionen. Wer ihn lobt, dem glaubt er noch lieber.

Es ist dieselbe Haltung, die auch Trumps Umgang mit Russland oder mit Nordkoreas Diktator Kim Jong Un prägt – und zum Teil auch den Umgang mit Deutschland und der Europäischen Union. Sie besteht aus drei Elementen.

Nach Tod von Jamal Khashoggi, Proteste vor der saudischen Botschaft in Sri Lanka Sri Lanka: Web journalist association A member of Sri Lankan web journalist association holds a placard during a protest condemning the murder of slain journalist Jamal Khashoggi in front of the Saudi Embassy in Colombo. Sri Lanka PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY PradeepxDambarage

Bild: imago stock&people

Trump sät Zweifel

Über den saudischen Kronprinzen Mohammed Bin Salman sagt Trump: "Es kann sein, dass der Kronprinz von diesem tragischem Ereignis Kenntnis hatte – vielleicht hatte er sie, vielleicht hatte er sie nicht!" Gut möglich, so Trump, dass man "niemals alle Tatsachen zum Mord" kennen werde. Dass sein eigener Geheimdienst, die CIA, zu dem Schluss kam, dass Bin Salman höchstselbst den Mord angeordnet hat: ist ihm egal.

Er sät auch Zweifel an der Integrität Khashoggis, wenn er erwähnt, dieser habe als "Staatsfeind" und Mitglied der Muslimbruderschaft gegolten – auch wenn die Saudis öffentlich so etwas nie gesagt haben.

Trump versteckt sich hinter dem Dementi des saudischen Königs und Kronprinzen, die eine Verstrickung "energisch verneint" hätten. Das erinnert an Trumps Schutzbehauptung im Umgang mit Russlands Einmischung in die US-Wahlen. Dabei sagt Trump immer wieder, Putin habe ihm gegenüber diese Einmischung "hart dementiert". Trump nutzt das Dementi, um dem Urteil der US-Sicherheitsbehörden, wonach Putin direkt die Einflussnahme zugunsten Trumps befohlen habe, zu entkräften.

Wenn sie ihm nutzt, ist ihm die Aussage anderer Regenten wichtiger als die Einschätzungen des eigenen Regierungsapparats. Egal, wie unglaubwürdig die Dementis sind.

Trump relativiert, wenn es um Moral geht

In Trumps Statement geht es lang und breit um den seiner Ansicht nach wahren Übeltäter Iran, auch wenn Teheran mit dem Fall Khashoggi direkt überhaupt nichts zu tun hat. Weil er die Saudis als enge Verbündeten behalten will, zeigt er auf andere. So versucht er, deren Gräueltaten zu relativieren. Um die Bedeutung der Menschenrechtsverletzung durch Riad zu relativieren, begann Trump mit diesem Satz: "Die Welt ist ein gefährlicher Ort". Ein Satz, den seit Dienstag sein Außenminister und Meinungsmacher von Fox News in vielen Varianten nachplappern.

Das ist die moralische Relativierung, die auch Trumps Umgang mit Wladimir Putin und Kim Jong Un zu beobachten ist. Auf eine Frage nach Putins Verantwortung für Auftragsmorde sagte Trump einst, die USA seien auch nicht ohne Makel. Nach der brutalen Gewaltherrschaft des nordkoreanischen Diktators gefragt, sagte Trump immer wieder ähnliche Sätze. Als ihn ein Interviewer zu Kims Menschenrechtsbilanz befragte, sagte Trump: "Ich könnte eine Menge Länder aufzählen, in denen schlimme Sachen passiert sind."

Darin zeigt sich Trumps radikale Absage an eine moralische Überlegenheit, die eigentlich zum Selbstverständnis der USA gehört. Sie dient dazu, zu Unrecht schweigen zu können, wenn seine Interessen bedroht sind.

Trump sieht nur kurzfristige Vorteile

Trump macht es ganz deutlich: Freund und Feind beurteilt er danach, mit wem sich kurzfristige Vorteile ergeben. Riad hilft, den Ölpreis zu stabilisieren und kauft viele US-Waffen (auch wenn das Volumen deutlich geringer ist, als Trump behauptet.). Also sagt Trump: "Wenn wir törichterweise diese Verträge auflösen, würden Russland und China enorm profitieren."

Kurzfristige Vorteile stellt Trump etwa auch im Handelsstreit mit den Verbündeten in Europa über den langfristigen Wert intakter Bündnisse. Hauptsache, es kommen schnell weniger deutsche Autos in die USA!

Ist das alles nur konsequente Realpolitik? Schließlich geht es in der Weltpolitik immer auch um das Durchsetzen eigener Interessen. Das wäre die wohlwollende Interpretation, nach der Trump eine neue Ehrlichkeit in die internationalen Beziehungen bringen würde. Er selbst versucht, diese Lesart an den Mann zu bringen, indem er sagt, das sei eben seine America-First-Politik.

Dass es immer auch um eigene Interessen geht, würden nur die wenigsten bestreiten. Auffällig ist in diesem Rahmen aber, wie eng Trump die amerikanischen Interessen auf Waffendeals und Ölpreis verdichtet und dass etwas wie die Beförderung von Menschenrechten nicht mehr Teil davon ist.

Gebrauchsanweisung für Trump

Da Trump für jedermann zu erkennen gibt, nach welchen Kriterien er Außenpolitik betreibt, ist sein Statement zum Fall Khashoggi potentiell ein folgenreiches Dokument. Schwarz auf weiß haben es nun auch Trumps Konkurrenten in der Weltpolitik.

Despoten und Autokraten wissen spätestens jetzt: Im Zweifel geht es dem US-Präsidenten allein um Jobs und Dollar. Wer Trump persönlich schmeichelt und gute Geschäfte in Aussicht stellt, darf mit Kritikern und Oppositionellen umspringen, wie es gefällt, ohne allzu harte Konsequenzen fürchten zu müssen. Er darf sie sogar in einem Konsulat ermorden und zerstückeln.

Ob die Vereinigten Staaten es wollen oder nicht, noch immer setzt ihr Verhalten Maßstäbe für einen großen Teil der Welt. Der amtierende Präsidenten hat jetzt die Botschaft gesendet: Macht, was ihr wollt, solange ihr bei uns einkauft.

Dieser Text erschien zuerst auf t-online.de

Das könnte dich auch interessieren:

Noch kein Advents-Outfit? Hier die Crème de la Crème unter den Weihnachtspullis 😂 

Link to Article

"Kleiner Messi" flüchtet vor den Taliban und verliert die Geschenke seines Idols

Link to Article

Spoiler-Alert? "Game of Thrones"-Studie verrät, welche Helden wohl überleben werden

Link to Article

Ryanair unter Druck – wie der Billigflieger-Boss seine Airline retten will

Link to Article

Sie cancelt ihre Babyparty – weil die Gäste über diesen Babynamen lachten

Link to Article

Zum Abschied: 9 Stunden mit #Merkel führten mich an den Rand des Wahnsinns

Link to Article

Gelbe Westen: Macron erhöht den Mindestlohn – und das sind die Reaktionen

Link to Article

AfD-Abgeordneter will vorschreiben, wer Deutscher ist – und zeigt Nähe zu den Nazis

Link to Article

Rapper Lil Pump streamte seine Verhaftung live auf Instagram 

Link to Article

Britische Forscher geben Tipps: So nimmst du an den Feiertagen nicht zu

Link to Article

DHL – Bei 3 von 10 Paketen im Test wurde gar nicht erst versucht, sie zuzustellen

Link to Article

Hier läuft Derrick Henry den längsten Touchdown der NFL-Geschichte!

Link to Article

TNT-Serie "4 Blocks" geht weiter! Start von Staffel 3 steht fest

Link to Article

Überraschung! Auch ein Held von 2007 ist im 28er-Kader für die Handball-WM

Link to Article

9 neue Tricks für WhatsApp, die dir das Leben leichter machen

Link to Article

Macron hält Rede wegen Protesten der "Gelbwesten" – und es läuft nicht wie geplant

Link to Article

J.K. Rowling verspricht, dass es in "Phantastische Tierwesen 3" Antworten geben wird

Link to Article

Nichts für schwache Nerven: Amerikaner hustet sich Teil der Lunge aus dem Leib

Link to Article

Wird morgen wieder gestreikt? – und 3 weitere Fragen zum Bahn-Chaos

Link to Article

Er fotografiert Kinder mit Down-Syndrom – das Motto: "Sieh uns mit anderen Augen"

Link to Article

AKK will mit Merz sprechen und Hartz IV beibehalten – der CDU-Tag im Überblick

Link to Article

Keine Transsexuellen bei "Victoria's Secret" – YouTuberin setzt starkes Statement

Link to Article

Instagram führt Sprachnachrichten wie bei WhatsApp ein – ab sofort

Link to Article

Stolpert Trump über diese drei Männer?

Link to Article

Apple Pay ist ab heute in Deutschland freigeschaltet 

Link to Article

"Dümmste Idee meines Lebens" – Däne bereut "Sex-Foto" auf der Pyramide von Gizeh

Link to Article

National Geographic: Das sind die besten Fotos des Jahres

Link to Article

Neuer Verfassungsschutz-Präsident will die AfD wohl beobachten lassen

Link to Article

Ich bin für 1,99 Euro zum Ballermann geflogen – ein 24-Stunden-Report

Link to Article

Wieso das Rettungsschiff "Aquarius" seine Einsätze im Mittelmeer beendet

Link to Article
Alle Artikel anzeigen
0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Was wollen die "Gelbwesten"? Wir haben sie gefragt

"Wir wollen leben, nicht nur überleben": "gilets jaunes" in Paris sprechen mit watson Klartext.

In Frankreich strömten auch diesen Samstag tausende "gilets jaunes" die Straßen und ließen ihrer Wut auf Präsident Macron freien Lauf. Die Stimmung war aufgeladen, viele wollten nicht mit Journalisten sprechen. 

Auf unserem Streifzug durch Paris haben wir Paul, Yves, Claire, Mégane, Yannik, Jessica und Marc kennengelernt. Sie alle erzählen Geschichten von sozialer Ungerechtigkeit, von prekären Lebensumständen. Es sind zum großen Teil Menschen, die kaum von ihrem Lohn leben können – …

Artikel lesen
Link to Article