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Der neue Traum von Steve Bannon liegt in Italien. Bild: imago stock&people

Analyse

Steve Bannon mietet ein Kloster in Italien – doch seine Pläne drohen zu versanden

Philipp Löpfe / watson.ch

Die neue Rechte will bei den kommenden Wahlen für das europäische Parlament den Durchbruch schaffen. Eifrig werden Allianzen zu diesem Zweck gegründet: Lega-Chef Matteo Salvini arbeitet an einer neuen Fraktion der Populisten im Europaparlament und trifft sich mit Ungarns Premier Viktor Orban. Heinz-Christian Strache, der Chef der österreichischen Rechtsaußenpartei FPÖ, pilgert ebenfalls nach Budapest.

Auch ein US-Amerikaner glaubt, dass seine Stunde gekommen sei: Steve Bannon. Der ehemalige Wahlkampfmanager und kurzzeitige Chefstratege Trumps sieht sich in der Rolle eines Heilsbringers der europäischen Rechten.

"Im Vorfeld der europäischen Wahlen versucht Bannon, sich als Hohenpriester des Populismus zu etablieren", schreibt die "Financial Times". "Er will die Nationalisten zu einer einheitlichen Opposition gegen Immigration, progressive Werte und die EU zusammenschweißen."

Bannon ist überzeugt, dass die jüdisch-christlichen Werte von der Achse China-Persien-Türkei bedroht sind. Den neuen Barbaren und Moslems aus dem Morgenland will er daher mit einer rechtsradikalen Front die Stirn bieten und so das Abendland vor dem Untergang bewahren.

Eine Bewegung braucht geschulte Kader. Das sieht auch Bannon so. Deshalb hat er in der Nähe von Rom die Klosteranlage Trisulti gepachtet. Das Kloster gehört dem italienischen Staat, ist aber seit Jahren unbewohnt.

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Bannon und das Kloster Trisulti werden in diesem Video vorgestellt. Video: YouTube/DW News

Bannon ist es gelungen, über den Umweg eines erzkatholischen Vereins namens "Dignitas Humanae Institute", das Kloster für die Dauer von 19 Jahren zu mieten. Vorsitzender dieses Vereins ist der Engländer Benjamin Harnwell. Er soll jedoch tatsächlich nicht mehr als ein Strohmann sein. Der starke Mann im Hintergrund ist neben Bannon der ultrakonservative US-Kardinal Raymond Burke.

Was verspricht sich Bannon von seiner Akademie? "Komm in ein paar Jahren zurück und du wirst rund 100 Studenten und 20 bis 25 Lehrer sehen", sagte Bannon einer Reporterin der "Financial Times". "Ein paar von ihnen werden ihren Kurs bereits abgeschlossen haben und in den Medien, in politischen Kampagnen oder als leitende Angestellte in der Regierung tätig sein."

Bannon hat sehr konkrete Vorbilder: Beatrix von Storch von der AfD beispielsweise, oder den Shooting-Star der österreichischen Politik, Kanzler Sebastian Kurz. Auch Marion Maréchal, die Enkelin von Jean-Marie Le Pen, ist ein Vorbild. An Interessenten für die Akademie scheint es nicht zu mangeln. Mehrere hundert Anmeldungen aus allen Teilen der Welt sollen bereits eingetroffen sein.

Man muss nicht katholisch sein, um in Bannons Akademie aufgenommen zu werden. "Wir wollen Kandidaten, die den Populismus und den wirtschaftlichen Nationalismus unterstützen", so Bannon. "Ich kann mir schwer vorstellen, dass Marxisten den Weg hierher finden."

Das Kloster Trisulti soll kein einsamer Fels in der sozialistisch-muslimischen Brandung sein. Bannon will ein globales Netzwerk aufziehen. So strebt ihm eine Zusammenarbeit mit dem Institute of Social, Economic und Political Sciences in Lyon vor. Es wird geleitet von Marion Maréchal. Ebenso steht eine Koordination mit der rechtskonservativen School for Political Education in Mailand zur Diskussion.

Hochrangige Dozenten sollen regelmäßig in Trisulti auftreten. Nebst Kardinal Burke denkt Bannon an Olavo de Carvalho, den Guru des rechtsextremen Präsidenten Brasiliens Jair Bolsonaro. Carvalho ist ein glühender Antikommunist, hat Zweifel an Darwins Evolutionstheorie und ist überzeugt, die Inquisition sei ein Hirngespinst der Protestanten.

Und wer soll das bezahlen? Bannon hofft zwar auf Spenden von reichen Gönnern. Vorläufig aber finanziere er das Projekt aus dem eigenen Sack, "und zwar zu 100 Prozent", wie er betont. Die Verbindungen zu seinen einstigen Mäzenen, der Mercer-Familie, sind gekappt. Zudem würde diese mehr zu libertärem denn zu katholischen Gedankengut neigen, so Bannon.

14. Steiger Award am 16.03.2019 im Casino der Zeche Zollverein in Essen Gloria von Thurn und Taxis ist Gast bei der Verleihung des Steiger Award 2019 *** 14 Steiger Award on 16 03 2019 in the Casino of the Zeche Zollverein in Essen Gloria von Thurn und Taxis is guest at the presentation of the Steiger Award 2019 xJFx

Gloria von Thurn und Taxis. Bild: www.imago-images.de

Bannon glaubt jedoch, bereits eine weitere Mäzenin an der Angel zu haben: die ehemalige deutsche Skandalnudel und Adlige Gloria von Thurn und Taxis. Sie soll ihm ein Schloss in Deutschland für eine zweite Akademie angeboten haben.

Zwischen Bannons Vision und der Wirklichkeit bestehen, milde ausgedrückt, leichte Diskrepanzen. Die europäische Rechte hat nicht wirklich auf ihn gewartet, zumal seine Botschaft alles andere als originell ist.

So erklärt etwa Jan-Werner Müller, Professor an der Princeton University: "Ich bezweifle, dass es Geheimrezepte gibt, die nur Bannon kennt. Die Orbans und Salvinis sind durchaus in der Lage, ohne Hilfe von einem amerikanischen Populismus-Genie an die Macht zu kommen."

Auch in der Praxis stößt Bannon auf Widerstand. Die örtliche Bevölkerung ist alles andere als begeistert von der Umwandlung des Klosters in eine faschistoide Kaderschmiede und protestiert dagegen. Inzwischen ist auch das italienische Parlament misstrauisch geworden und will den Pachtvertrag wegen Zweckentfremdung wieder auflösen.

Selbst Bannons Hardcore-Fans werden skeptisch. Die "Weltwoche", die Bannon einst in den höchsten Tönen gefeiert und nach Zürich eingeladen hat, geht auf Distanz. Anlass dazu ist ein ebenso hochtrabendes Projekt, dass Bannon in Brüssel gestartet hatte. Zusammen mit einem gewissen Mischael Modrikamen hat er "The Movement" gegründet, eine Art Internationale der Nationalisten.

The Movement hätte zum Dreh- und Angelpunkt der Nationalisten auf Brüssel werden sollen. Außer Spesen ist jedoch nichts gewesen. "Rastlos reist Trumps ehemaliger Einflüsterer durch die Weltgeschichte", jammerte die "Weltwoche" kürzlich. "(…) Doch mit welchem Nutzen? Vermag er damit auch nur eine einzige Stimme für das Lager der Populisten zu mobilisieren, die lokale Matadore nicht hätten selber gewinnen können?"

Diese vier Vorurteile füttern Rechtspopulisten

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