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WASHINGTON, DC - FEBRUARY 07:  U.S. Rep. Alexandria Ocasio-Cortez (D-NY) speaks as Sen. Ed Markey (D-MA) (R) and other Congressional Democrats listen during a news conference in front of the U.S. Capitol February 7, 2019 in Washington, DC. Sen. Markey and Rep. Ocasio-Cortez held a news conference to unveil their Green New Deal resolution. (Photo by Alex Wong/Getty Images)

Bild: Getty Images North America

Krieg gegen Klimaerwärmung – was will der Green New Deal?

Philipp Löpfe / watson.ch

Die Gletscher in den Alpen und die Eisberge in den Polregionen schmelzen noch schneller als prophezeit, verheerende Unwetter und Waldbrände nehmen zu: Die Klimaerwärmung ist keine akademische Diskussion mehr, sondern eine Realität.

"Nur in einem kriegsähnlichen Zustand entwickeln die Menschen genügend Gemeinschaftssinn."

Paul Gilding

Die Fakten sprechen für sich: Seit der Industrialisierung hat die durchschnittliche Temperatur um mehr als ein Grad Celsius zugelegt. Selbst um das Minimalziel zu erreichen – die Erwärmung bei zwei Grad Celsius zu stoppen –, braucht es gewaltige Anstrengungen. Da ist es kein Wunder, dass die Forderung nach einem Green New Deal wieder oben auf der Agenda steht.

SHANXI, CHINA -NOVEMBER 26: (CHINA, HONG KONG, MACAU, TAIWAN OUT) Smoke billows from stacks as Chinese men pull a tricycle in a neighborhood next to a coal fired power plant on November 26, 2015 in Shanxi, China. A history of heavy dependence on burning coal for energy has made China the source of nearly a third of the world's total carbon dioxide (CO2) emissions, the toxic pollutants widely cited by scientists and environmentalists as the primary cause of global warming. China's government has publicly set 2030 as a deadline to reach the country's emissions peak, and data suggest the country's coal consumption is already in decline. The governments of more than 190 countries are expected to sign an agreement in Paris to set targets on reducing carbon emissions in an attempt to forge a new global agreement on climate change.  (Photo by Kevin Frayer/Getty Images)

So kann es nicht weitergehen: Kohlkraftwerk im chinesischen Shanxi. Bild: Getty Images AsiaPac

In den USA mischt die junge demokratische Abgeordnete Alexandra Ocasio-Cortez damit das Polit-Establishment auf. In Europa sorgt die schwedische Schülerin Greta Thunberg für Albträume bei den Konservativen.

Dabei ist die Idee eines neuen grünen Deals keineswegs neu. Schon in den Siebzigerjahren warnte der Club of Rome – eine Gemeinschaft von umweltbewussten Wissenschaftlern –, dass die Menschheit im Begriff sei, den Planeten Erde zu vernichten. Schon damals wurde eine radikale Umkehr gefordert.

Vor bald zehn Jahren forderte der ehemalige Greenpeace-Chef Paul Gilding noch drastischere Maßnahmen. "Wir brauchen einen Krieg gegen die Klimakatastrophe", erklärte er in einem Interview mit der "SonntagsZeitung". "Nur in einem kriegsähnlichen Zustand entwickeln die Menschen genügend Gemeinschaftssinn."

February 1, 2019 - Stockholm, Sweden - Greta Thunberg, a Swedish 16 years old climate activist, school strikes for climate outside the Swedish parliament building, every Friday. Today, despite snowstorms, she was accompanied by several activists of all ages. Sweden PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY - ZUMAa136 20190201_zap_a136_003 Copyright: xJoelxAlvarezx

Hat mit ihrem Klimastreik weltweit für Furore gesorgt: Greta Thunberg. Bild: imago stock&people

Solche Forderungen sorgten damals im besten Fall für mildes Lächeln, im schlimmsten Fall für wüste Beschimpfungen. Heute sind sie im Mainstream angekommen. "Wir müssen den Kampf aufnehmen" stellt beispielsweise Eugene Robinson, Kolumnist in der "Washington Post", fest. "Der beste Vergleich ist dabei (…) der Zweite Weltkrieg. Damals haben die Mobilisation der Bevölkerung und das große Potenzial der Wirtschaft ermöglicht, Deutschland und Japan zu besiegen und gleichzeitig einen breiten Mittelstand aufzubauen."

In der "Financial Times" bezweifelt derweil Chefökonom Martin Wolf, dass die Klimaerwärmung allein mit den klassisch-liberalen Instrumenten wie preislichen Anreizen und Lenkungsabgaben in den Griff zu bekommen ist. "Ein guter Plan muss beides umfassen, Preisanreize und Kontrolle von oben", stellt er fest.

376713 03: (FILE PHOTO) Astronaut Edwin E. Aldrin, Jr., the lunar module pilot of the first lunar landing mission, stands next to a United States flag July 20, 1969 during an Apollo 11 Extravehicular Activity (EVA) on the surface of the Moon. The 30th anniversary of Apollo's moon landing is celebrated July 20, 1999. (Photo by NASA/Newsmakers)

Ein Mann auf dem Mond: Große Projekte bringen das Beste im Menschen hervor. Bild: Hulton Archive/Getty Images

Ein gemeinsames großes Projekt wäre auch ein probates Mittel gegen die Zerrissenheit der modernen Gesellschaft, unter der nicht nur die Vereinigten Staaten leiden. Mit dem Projekt, einen Menschen auf den Mond zu bringen, hat einst John F. Kennedy eine amerikanische Blütezeit eingeläutet und noch vor Toyota den Beweis erbracht, dass nichts unmöglich ist.

"Wer soll das bezahlen?", werden notorische Bedenkenträger nun einwenden. Angesichts der schamlosen Verschuldung durch Steuergeschenke für Superreiche ist diese Einwand nicht nur heuchlerisch, sondern grotesk. Tatsächlich ist ein Klimakrieg wie ein richtiger Krieg teuer, sehr teuer sogar. Doch das Geld ist nicht verschwendet. Es fließt in moderne Infrastrukturen und schafft viele nachhaltige Jobs.

Nicht nur wirtschaftlich ist ein Green New Deal sinnvoll. "Nehmen wir nochmals den Zweiten Weltkrieg", so Paul Gilding. "Wer hätte sich in den Dreißigerjahren vorstellen können, dass die gesamte US-Wirtschaft mehr oder weniger von Frauen bestritten werden würde? Dass GM und Ford nicht mehr Autos, sondern Panzer und Kanonen herstellen würden? Dass die Ausgaben für das Militär von einem Prozent des Bruttoinlandprodukts auf fast die Hälfte steigen würde? Nach Pearl Harbour geschah dies alles in sehr kurzer Zeit."

Angesichts der steigenden Meeresspiegel und der Zunahme von Unwettern haben wir bald keine Alternative zu einem Krieg gegen die Klimaerwärmung mehr. Das sollte uns nicht erschrecken: Dieser Krieg wird unblutig sein und er könnte uns Menschen auch wieder zu dem machen, was wir sind: soziale Wesen.

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