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WASHINGTON, DC - NOVEMBER 04: U.S. President Donald Trump speaks on election night in the East Room of the White House in the early morning hours of November 04, 2020 in Washington, DC. Trump spoke shortly after 2am with the presidential race against Democratic presidential nominee Joe Biden still too close to call. (Photo by Chip Somodevilla/Getty Images)

Ganz unten angekommen: Donald Trump ist als US-Präsident abgelöst. Bild: Getty Images North America / Chip Somodevilla

Analyse

Trump erkennt Biden-Sieg nicht an – USA-Experte: "Was Trump jetzt noch unternimmt, ist vor allem PR"

Am Ende einer langen Zitterpartie holt sich Joe Biden bei einer historischen US-Wahl den Sieg. Die Tage der beispiellosen Präsidentschaft von Donald Trump sind gezählt. USA-Experte Thomas Jäger glaubt, dass sich mit Biden vieles zum Positiveren wenden kann – doch garantiert ist das nicht.

"Für die USA bietet der Wahlsieg von Joe Biden die Chance, aus der Polarisierungsdynamik zwischen den Parteien herauszukommen", sagt der Professor für internationale Politik von der Universität zu Köln. Dazu müsse Biden sich aber als effektiver Anführer seiner Partei aufstellen. "Das ist er jedoch noch nicht. Es wird sich in den nächsten Wochen, wenn er die politische Führungsmannschaft zusammenstellt, zeigen, ob und wie er diese Aufgabe angehen wird", so Jäger.

Bidens Wahlsieg biete für die demokratische Partei die Chance, dem ganzen Land zu zeigen, wie man Kompromisse schließt. Denn die demokratische Partei sei sehr heterogen, so Jäger.

Was bedeutet ein Präsident Biden für Europa und Deutschland?

Nach der Ausrufung des Wahlsiegs von Joe Biden bei der Präsidentschaftswahl in den USA ließen die Reaktionen aus aller Welt am Samstag nicht lange auf sich warten. Glückwünsche kamen umgehend unter anderem aus Deutschland. Kanzlerin Angela Merkel gratulierte Biden "von Herzen", auch aus Frankreich und Großbritannien kamen schnell Glückwünsche. Tatsächlich gibt es Grund zum Aufatmen.

"Für Europa bietet Bidens Wahlsieg die Chance, die Beziehungen zu den USA neu zu begründen. Allerdings müssen die europäischen Staaten dazu eine tragfähige Strategie ausarbeiten; an der mangelt es noch", sagt Jäger. Für Deutschland biete der Wahlsieg Bidens die Chance, aus dem "Tunnelblick deutsch-amerikanischer Beziehungen herauszutreten und die transatlantischen Beziehungen europäisch zu betrachten", so Jäger. Deutschland müsse sich nun auf die Gestaltung der transatlantischen Beziehungen konzentrieren. "Es gibt nur wenige wichtigere Aufgabe für die nächsten Jahre", sagt Jäger.

USA-Experte: "Trumps Klagen vor Gericht werden zu nichts führen"

Trump indes erkannte Bidens Sieg nicht an und erklärte: "Die einfache Tatsache ist, dass diese Wahl noch lange nicht vorbei ist." Doch für USA-Experte Jäger sind Trumps Aussagen nur Akte der Verzweiflung.

"Was Trump jetzt noch unternimmt, ist vor allem PR. Denn seine Klagen vor Gericht werden zu nichts führen", sagt Jäger. "Er wird alles versuchen, vielleicht wird manches fruchten", so der Experte. Aber die demokratische Partei sei für anstehende Klagen gut vorbereitet. Trump könne seine letzten Wochen nun noch nutzen, um Dekrete zu erlassen, Mitarbeiter zu feuern und Begnadigungen auszusprechen. "Und er kann versuchen, Biden als illegitimen Präsidenten darzustellen", sagt Jäger.

Warum der noch amtierende US-Präsident keinen würdigen Abgang sucht, stellt den Experten jedoch vor ein Rätsel. "Denn Donald Trump wollte 'Trump' als politische Marke in den USA aufbauen. 2024 geht es ja weiter. Und dazu wird er ein guter Verlierer sein müssen."

Über den Experten

Thomas Jäger ist Professor für Internationale Politik und Außenpolitik an der Universität zu Köln. In seinem Essay "Das Ende des amerikanischen Zeitalters" schreibt Jäger darüber, was Donald Trumps Außenpolitik nach dem Motto "America First" für Deutschland bedeutet.

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Die USA haben gewählt, aber noch weiß niemand, wer gewonnen hat. Fest steht: Joe Biden ist mit über 70 Millionen Stimmen der amerikanische Präsidentschaftskandidat mit den meisten Stimmen überhaupt. Gewonnen hat er damit aufgrund des amerikanischen Wahlsystems noch nicht. Denn da geht es um die Mehrheit in den jeweiligen Bundesstaaten und den damit verbundenen Stimmen der Wahlmänner. Donald Trump hatte sich noch während der laufenden Auszählungen als Sieger ausgerufen und einen Gang zum …

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