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 July 25, 2019, Washington, DC, U.S: U.S Representative KATIE HILL D-CA speaking at a press event with House Democrats on the first 200 days of the 116th Congress, on the steps of the Capitol in Washington, DC on July 25, 2019. Washington U.S. PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY - ZUMAb161 20190725zapb161063 Copyright: xMichaelxBrochsteinx

Bild: Michael Brochstein/imago

Analyse

Wie Katie Hill mit einem Rache-Porno gestürzt wurde

Der Rücktritt der demokratischen Abgeordneten Katie Hill sorgt in den USA für Schlagzeilen. In ihrer letzten Rede rechnete sie mit Donald Trump ab. Das Wichtigste in fünf Punkten.

Corsin Manser / watson.ch

Wer ist Katie Hill?

Katie Hill ist eine 32-jährige Kalifornierin, welche im Herbst 2018 sensationell in das Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten gewählt wurde. Im 25. Distrikt des Bundesstaat Kalifornien setzte sie sich völlig überraschend gegen den bisherigen Steve Knight von der republikanischen Partei durch. Seit 1992 war der Distrikt in den Händen der Konservativen.

Der Erfolg Hills zog viel mediale Aufmerksamkeit auf sich. Die HBO Doku-Serie "Vice News Tonight" begleitete die junge Politikerin während des Wahlkampfes und kam zum Schluss, dass bisher wohl noch keine Kampagne "so millenial" war wie jene von Hill. Ihre Grassroot-Kampagne und der gezielte Einsatz von Social Media hinterließen Eindruck.

Anfang Januar 2019 wurde Katie Hill offizielles Mitglied des US-Kongresses. Neben Polit-Shootingstars wie Alexandria Ocasio-Cortez gehörte sie einer von Frauen angetriebenen Welle der Demokraten an, die Sitze von Republikanern zurückeroberte.

Doch ebenso schnell, wie Katie Hill aufgestiegen ist, ist sie abgestürzt. Am Sonntag verkündete sie bereits wieder ihren Rücktritt.

Weshalb denn das?

Nun, Katie Hill wurde Opfer einer "furchtbaren Schmutzkampagne", wie sie selber in ihrem Statement zum Rücktritt sagt.

Passiert ist folgendes: Vor einigen Tagen veröffentlichten die rechtskonservative Nachrichtenseite "Red State" und die britische "Daily Mail" Nacktbilder der aufstrebenden Demokratin. Auf diesen ist unter anderem zu sehen, wie Hill eine Bong raucht und eine Frau küsst.

Hill, die offen bisexuell ist, lebte nach eigenen Angaben in einer Dreiecksbeziehung mit ihrem Mann und einer Mitarbeiterin ihrer Wahlkampagne. Sämtliche sexuelle Handlungen fanden offenbar einvernehmlich statt.

Doch die Beziehung zu ihrem Ehemann, Kenny Heslep, verschlechterte sich. Mittlerweile läuft eine Scheidungsprozedur.

Wie Hill nun selber sagt, sei er es gewesen, der die Nacktbilder an die Medien weitergab, um sich an ihr zu rächen. Die 32-Jährige redete in ihrem Rücktrittsvideo nicht lange um den heißen Brei und sagte, das dies ein klarer Fall von "Revenge Porn", Rache-Porno, sei.

So erklärt Hill ihren Rücktritt

Warum trat sie zurück?

Nach den Berichten von "Red State" rochen die Republikaner des Abgeordnetenhauses Lunte. Im Ethik-Ausschuss wurde eine Untersuchung zum Vorwurf angekündigt, Hill habe "möglicherweise eine sexuelle Beziehung" mit einem ihrer Kongress-Mitarbeiter gehabt. Dies ist laut den Regeln der Kongresskammer untersagt.

Diesen Vorwurf wies Hill jedoch zurück. Die Dreiecksbeziehung mit ihrer Wahlkampf-Mitarbeiterin und ihrem Ehemann sei kein Verstoß gegen die Regeln des Repräsentantenhauses gewesen. Das war vor ihrer Zeit im US-Kongress.

Am Sonntagabend zog Hill dennoch die Reißleine und verkündete ihren Rücktritt. Mit folgender Begründung:

"Das muss geschehen, damit die guten Menschen, die mich unterstützt haben, nicht mehr dem Schmerz ausgesetzt sind, die mein missbrauchender Ehemann und hasserfüllte politische Akteure ihnen zufügen."

Hill sagte weiter, dass es die schwierigste Entscheidung ihres Lebens gewesen sei, zurückzutreten. Aber sie wolle nicht, dass ihr Fall von der Verfassungskrise in ihrem Land ablenke.

Was sagt Hill zu Donald Trump?

In ihrer letzten Rede im US-Kongress sagte Hill:

"Ich gehe wegen einer frauenfeindlichen Kultur, in der meine Nacktfotos mit Schadenfreude angeschaut werden, in der meine Sexualität ausgeschlachtet wird und die es meinem Ex ermöglicht, mich weiter zu misshandeln, während das ganze Land dabei zusieht."

Außerdem rechnete sie mit Donald Trump ab:

"Gleichzeitig besetzt ein Mann den mächtigsten Posten in diesem Land, der mit seinen sexuellen Übergriffen prahlt und gegen den Dutzende Frauen glaubhafte Vorwürfe der sexuellen Gewalt vorgebracht haben."

Was zeigt uns der Fall Hill?

Er zeigt, dass die rechte Hetzkampagne wohl mit voller Wucht eingeschlagen hat. Nicht umsonst zog sich die Politikerin zurück. Der Hass, der auf ihr Umfeld niederprasselte, muss immens gewesen sein. Unerträglich muss für Hill auch gewesen sein, dass sich gerade Millionen von Menschen ihre intimsten Bilder ansehen.

Der Fall Hill setzt auch ein Zeichen vom Politik-Establishment an alle junge Frauen, die den Schritt in die Politik wagen: Wenn du in der Vergangenheit einen Fehler gemacht hast, auch wenn es nichts Illegales war, werden wir dich jagen. Dies während dieselben Leute einem Präsidenten zujubeln, dem 25 Frauen sexuelle Belästigung vorwerfen.

Noch bevor das Ethik-Komitee die Untersuchungen abschließen konnte, wurde der Druck auf Hill derart groß, dass sie es nicht mehr aushielt. Vielleicht hat sie ja tatsächlich gegen die Regeln verstoßen und ein Verhältnis zu einem Kongress-Mitarbeiter gehabt, doch es wäre am Ethik-Komitee, dies herauszufinden.

Ganz sicher nicht ist es die Aufgabe von den Medien, Nacktbilder einer Frau zu veröffentlichen, die mutmaßlich das Opfer von Rachegelüsten ihres Ehemannes wurde. Ihr Sexualleben ist nicht von öffentlichem Interesse, solange sie sich nichts zu Schulden hat kommen lassen.

Zudem weist die Causa Hill auf ein Problem hin, das in den kommenden Jahren immer größer wird. Wie eingangs erwähnt, gehört sie einer Generation an, für die Smartphones und Social Media ein fixer Bestandteil des Alltags sind.

Während Politiker älterer Generationen kaum Spuren aus ihrer Jugend im Internet hinterließen, lauert auf "Millenials" eine große Gefahr. Mit intimen Fotos oder Nachrichten, die sie gepostet oder per Handy verschickt haben, haben sie sich potenziell erpressbar gemacht. Um so wichtiger ist es, dass die Medien genau prüfen, was veröffentlicht wird und Politiker nicht auf dieses miese Spiel einsteigen.

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