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United States President Donald J. Trump listens as United States Vice President Mike Pence delivers remarks on the Coronavirus pandemic during a news conference in the James S. Brady Press Briefing room at the White House in Washington D.C., U.S., on Sunday April 19, 2020. Speaker of the United States House of Representatives Nancy Pelosi Democrat of California stated that lawmakers are close to a deal with United States Secretary of the Treasury Steven T. Mnuchin regarding a second round of small business loans for businesses impacted by Coronavirus. PUBLICATIONxNOTxINxUSA Copyright: x 2020xConsolidatedxNewsxPhotosxxxAllxRightsxReservedx

Donald Trump nutzt die Pressekonferenzen zur Corona-Pandemie auch gerne als Werbefläche für den Präsidentschaftswahlkampf. Ist er damit erfolgreich? Bild: www.imago-images.de / Stefani Reynolds

Analyse

Experten erklären, warum Trumps Umfragewerte gar nicht gut sind

Donald Trump erlebt die besten Umfrageergebnisse seiner Präsidentschaft, obwohl er in der Corona-Krise viel falsch gemacht hat. Dabei sind seine Umfrageergebnisse gar nicht so gut, wie oft behauptet wird.

Donald Trump hat den Beginn der Corona-Pandemie in den USA verschlafen. Statt schnell zu reagieren, hat der US-Präsident die Gefahr zunächst kleingeredet und anschließend Schuldige gesucht, um die hohen Opferzahlen zu rechtfertigen. Doch trotz Schlingerkurs stieg Trumps Beliebtheit zuletzt allerdings in den Umfragen auf Rekordwerte. Ende März hatte er seinen bisherigen Spitzenwert von 49 Prozent Zustimmung erreicht.

Für viele Experten der typische "rally 'round the flag"-Effekt (englisch: Um die Flagge versammeln). Dieser Effekt wird häufig in Krisenzeiten beobachtet. Während empfundener Gefahr steigen die Umfragewerte der Exekutive, weil die Bevölkerung die eigene Regierung in schweren Zeiten unterstützt und selbst Halt sucht. Das ist nicht erst seit Donald Trump so, sondern war schon bei seinen Vorgängern der Fall. Das bestätigt auch US-Experte Michael Hochgeschwender:

"Krisen sind die Stunde der Exekutive. Donald Trump inszeniert sich als starker Mann. Er hält Pressekonferenzen und zeigt 'Leadership'".

Michael Hochgeschwender

Politikberater kritisch gegenüber Trump

Für die Politikberater Julius van de Laar und Yussi Pick sind diese relativ hohen Zustimmungswerte für Trump allerdings kein Zeichen, dass dieser die Wahlen im November gewinnen muss – im Gegenteil. In der aktuellen Ausgabe des Podcast "Campaigning and Strategy" sehen die beiden Experten, die selbst in den USA an den Wahlkämpfen von Barack Obama und Hillary Clinton beteiligt waren, Trumps Zugewinne eher kritisch. Wahlkampf-Experte Yussi Pick erklärt im Podcast:

"Die Umfragewerte von Donald Trump sind tatsächlich gar nicht so sehr in die Höhe geschossen wie in anderen Ländern, beispielsweise Österreich. Sie sind auch nicht so gut wie bei George W. Bush nach dem 11.September 2001."

Wahlkampf-Experte Yussi Pick gegenüber "Campaigning and Strategy"

Auch Julius van de Laar wertet die Umfragen nicht automatisch positiv für Trump. Gegenüber watson ergänzt er:

"Interessant ist zu beobachten, dass Gouverneure beider Parteien im Vergleich zu Donald Trump in den Umfragen deutlich an Zuspruch zulegen konnten. Das könnte ein Indikator sein, dass Trump durch sein Handeln in der Corona-Krise keinen nennenswerten Zuwachs an Unterstützung außerhalb seiner Wählerbasis verbuchen kann."

Julius van de Laar

Julius van de Laar auf der TEDxKoeln 2015 im Odysseum. Köln, 22.10.2015 Foto:xC.xHardtx/xFuturexImage

Politikberater Julius van de Laar war an den beiden Obama-Wahlkämpfen 2008 und 2012 beteiligt und berät Politiker in Sachen Wahlkampf. Bild: www.imago-images.de / bimago stock&people

Selbst George W. Bush war in Umfragen besser

Und tatsächlich: Nach dem 11. September erreichte selbst der sonst eher unbeliebte US-Präsident George W. Bush 90 Prozent Zustimmung in Umfragen. Ein Rekordwert, der nur mit dem Schock nach dem Terroranschlag erklärt werden kann. Bush Juniors Vater George H. W. Bush erreichte sein Rekordhoch mit 89 Prozent kurz nach Beginn des Ersten Golfkriegs 1991.

Gemessen an diesen Werten sind die 49 Prozent, die Donald Trump Ende März einfahren konnte, wirklich nicht besonders beeindruckend.

Ob die aktuellen Werte reichen, um sich im November eine zweite Amtszeit zu sichern, ist also alles andere als sicher. Zumal noch nicht klar ist, wie die Wahlen konkret ablaufen sollen, sollten die Corona-Maßnahmen andauern. Auch kann Donald Trump vorerst nicht auf den Rückenwind seiner legendären "Trump Rallies" bauen. Denn Wahlkampf-Veranstaltungen sind derzeit auch nur digital möglich.

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