International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und die Werbung von watson und Werbepartnern zu personalisieren. Weitere Infos: Datenschutzerklärung.

Alle sprechen vom neuen Kalten Krieg – dahinter steckt aber etwas anderes

Der Clip zeigt das Angriffsziel nur für einige Sekunden. Eine Rakete steigt im Video bis in die Atmosphäre auf. Dort angekommen spalten sich mehrere Sprengkörper von ihr ab, sie rasen zurück Richtung Erde. Ihr Ziel, so scheint es, ist Florida an der US-Ostküste.

Es handelt sich um die Präsentation eines neuen russischen Raketensystems:

abspielen

Video: YouTube/Guardian News

Russlands Präsident Wladimir Putin präsentiert das Material im März 2018 bei seiner jährlichen Ansprache vor dem Parlament – und die Absicht ist klar: Provokation und Machtsymbolik gegenüber den USA.

Und die USA spielen mit. US-Präsident Donald Trump und sein Sicherheitsberater John Bolton haben vergangene Woche ihrerseits angekündigt, den wichtigen INF-Abrüstungsvertrag mit Russland kündigen zu wollen. Trump fragte launisch: Was bringen Atomwaffen, wenn man sie nicht einsetzen kann? Russland würde den Vertrag ohnehin unterlaufen, so lautet die Argumentation im Weißen Haus. Deshalb heißt es jetzt frei nach Trump: No Deal!

Der "Intermediate Range Nuclear Forces"-Vertrag

Die USA und Russland verpflichten sich in diesem Vertragswerk gegenseitig, keine Mittelstreckenraketen mehr zu bauen, die auch Nukleare Sprengköpfe tragen können. Die Vereinbarung stammt aus dem Jahr 1987 und gilt als wichtiger Meileinstein in der Entspannung des Kalten Kriegs.

Haben wir endgültig eine Neuauflage des Kalten Kriegs?

Erst im Frühjahr hatte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg erklärt: "Die Nato will keinen neuen Kaltien Krieg."

Hier spricht der Nato-Generalsekretär

Aber die Lage ist bedrohlich. Nicht nur mit Blick auf einen neuen Rüstungswettlauf. Über der Ostsee begegnen sich fast täglich russische und Nato-Kampflugzeuge in gefährlichen Flugmanövern.

Die Furcht ist angesichts all dieser Drohgesten nachvollziehbar. Alle Jahre wieder flammt sie in der öffentlichen Debatte auf – nach russischen Hacker-Angriffen etwa, nach der Annektion der Krim durch russische "Grüne Männchen" oder auch nach US-Luftangriffen in Syrien?

Zumindest das Vokabular zahlreicher Politiker und Medien deutet daraufhin hin:

03.10.2018 - Fussball Amateurfussball - Saison 2018 2019 - Bezirksliga - 12. Spieltag: TSG 08 Roth - FV Dittenheim - / - Feature Impression Symbolbild Symbolfoto - Platzsperre Sperre - Schild Tafel *** 03 10 2018 Soccer Amateur Football Season 2018 2019 District League 12 Matchday TSG 08 Roth FV Dittenheim Feature Impression Symbolbild Symbolfoto Platzsperre Barrier Schild Tafel

Hinter den großen Machtgesten und Worten stecken allerdings handfeste Interessen und geopolitische Realitäten, an die sich Trump und Putin versuchen anzupassen. Das lässt einem die Möglichkeit, ihr Kriegsgeheul zu durchschauen. Mit dem großen Atom-Kräftemessen von einst jedenfalls hat das alles nur sehr bedingt zu tun.

Wie sieht diese Gemengenlage also aus?

Wo liegt Trumps eigentliches Ziel?

Donald Trumps Sicherheitsberater John Bolton hat es Journalisten selbst bestätigt: "Da draußen herrscht eine neue strategische Realität." Während es im Kalten Krieg noch um die bipolare Machtpolitik zweier Großmächte ging, hat sich diese Lage 2018 grundlegend geändert.

Vor allem die Wirtschaftskrise und die stockenden Kriege im Irak und Afghanistan haben den USA als Staat schwer zugesetzt.  Mit seinem "America First"-Ansatz hat Donald Trump zudem viel Platz für andere aufstrebende Mächte gelassen und gleichzeitig eine Großzahl seiner Verbündeten von sich weggestoßen.

Die USA stehen somit so isoliert da in der Welt wie selten zuvor:

Vor allem China ist in diese Lücke gestoßen.
Die Regierung in Peking hat längst angefangen, wirtschaftlichen Druck auf Nachbarstaaten auszuüben. Pekings Wirtschaft wächst um ein vielfaches schneller als die US-amerikanische.

Auch hat das Land unter Generalsekretär Xi Jinping damit begonnen militärisch und technologisch aufzurüsten, auch mit Mittelstreckenraketen –  Die Sorge vor dem autoritären Gegner im pazifischen Raum ist deshalb allgegenwertig in Washington.

So zitiert Politico einen früheren Oberkommandeur der Pazifik-Streitkräfte, Harry Harris, mit den Worten: "Wir sind in vielerlei Hinsicht gelähmt, auch weil uns unsere Verträge einengen." Vor einem Ausschuss des Parlaments sagte Harris weiter: "Wir haben keine Raketen, mit denen wir Chinas Fähigkeiten auf dem Boden begegnen können."

Aus dieser Perspektive heraus könnte die Aufkündigung des Vertrags mit Russland ein willkommener Anlass sein, sich besagter Lähmungen zu entledigen. China selbst war nie durch den INF-Vertrag gebunden.

Wer Zuhause Probleme hat, schaut lieber woanders hin

Bei allem Säbelrassen sowohl in Russland als auch in den USA sollte man nicht vergessen, wer hier poltert: Männer, die unter hohem innenpolitischen Druck stehen. Sowohl Donald Trump als auch Wladimir Putin können einen Feind in der Ferne innenpolitisch gut gebrauchen.

Es sind diese Punkte, die das außenpolitische Verhalten der Regierungen mitbestimmen. Sie bedeuten auch, dass beide Seiten kaum Interesse haben, einen gewissen Grad der Eskalation zu überschreiten.

Russland wäre wirtschaftlich vermutlich auch gar nicht im Stande, an einem neuen Wettrüsten wirklich teilzunehmen. Vor allem dann nicht, wenn es nicht nur mit den USA konkurriert, sondern auch mit anderen Großmächten wie China.

Die rhetorische Eskalation bleibt dennoch gefährlich

Es handelt sich bei den aktuellen Geschehnissen also vor allem um eine rhetorische Eskalation, die sowohl Putin als auch Trump bei anderen Problemen nutzen. Das bleibt ein riskantes Spiel, das schnell aus dem Ruder laufen kann, wenn eben dann doch einmal etwa ein russischer und ein Nato-Jet zusammenstoßen.

Die gegenseitigen Raketenbestände jedenfalls kontrollieren Russland und die USA schon seit 2001 nicht mehr. Mit dem ofiziellen Ende des INF-Abkommens geht eher ein symbolischer Vertrag zu Ende.

Dennoch handelt es sich um einen weitereren Vertrag, von dem die USA zurücktreten – selbes könnte mit dem NewsStart-Vertrag über die erlaubte Zahl an Atombomben anstehen. Der müsste 2021 neu verhandelt werden. Ob das passiert, ist nach allem fraglich.

Umfrage

Findet ihr den Vergleich zum "Kalten Krieg" gerechtfertigt?

  • Abstimmen

23

  • Ja, wir haben vor allem zwei Großmächte, die sich gegenseitig agressiv angehen.9%
  • Nein, die Situation ist wesentlich kompliziertert als das. Es gibt mehr Beteiligte35%
  • Die Außenpolitik von Putin und Trump soll doch nur vor katastrophalen Problemen Zuhause ablenken – das ist alles Taktik!30%
  • CHINA !!! 17%

Trudeau, wie er Socken trägt:

Wie wir uns den Herbst vorstellen und wie er wirklich ist

abspielen

Video: watson/Marius Notter

Das könnte dich auch interessieren:

9 Eltern, die ihren Sinn für Humor hoffentlich weitervererben

Link zum Artikel

19 Bilder, die dir zeigen: Es ist nicht alles, wie es scheint

Link zum Artikel

Ich habe mich mit Mama & Oma über Emanzipation unterhalten – es lief anders, als erwartet

Link zum Artikel

Diese Iranerin zog ihr Kopftuch aus und muss jetzt ein Jahr ins Gefängnis

Link zum Artikel

"Finde das furchtbar!" Hamburg kämpft gegen Helikoptereltern – diese 3 Mütter machen mit

Link zum Artikel

Wenn die Sonne stirbt, ist das wie ein leiser Pups

Link zum Artikel

Weil Erdogan kam, drang die Polizei in das Büro dieses Abgeordneten ein – jetzt klagt er

Link zum Artikel

Der HSV wirbt mit seinen Fans – nur sind's keine Hamburger. Sondern Magdeburger!

Link zum Artikel

Findest du heraus, welche dieser traurigen Tier-Fakten stimmen?

Link zum Artikel

Frauenarzt?! Was im Rammstein-Video zu "Deutschland" keinem auffiel

Link zum Artikel

"Wir sind nicht bei der WM!" Club aus Brandenburg hat 5 Regeln für Helikopter-Eltern

Link zum Artikel

Vorhaut-Cremes und Unten-ohne-Sonnenbäder: Die absurdesten Promi-Beauty-Tipps

Link zum Artikel

Pete wer??? Die neue Demokraten-Hoffnung ist jung, schwul und will Donald Trump besiegen

Link zum Artikel

Die coolste Socke gehört auf den "GoT"-Thron! #TeamTyrion

Link zum Artikel

Wurden sie über Bord geworfen? Tote Kühe am Strand von Teneriffa angespült

Link zum Artikel

Bei der Hillsborough-Tragödie sterben 96 Fans – und werden dafür beschuldigt

Link zum Artikel

Vermisst und wieder aufgetaucht – 7 Fälle von Kindern, die verschwunden waren

Link zum Artikel

Diese Russin ist ein Insta-Star – weil sie ihr Wald-Leben inszeniert wie eine Stadt-Ikone

Link zum Artikel

"Junge Mädchen werden hier kaputtgefickt" – Ex-Prostituierte will Sexkaufverbot erreichen

Link zum Artikel

Der Tod des Patriarchats! Daenerys auf den Thron #TeamDaenerys

Link zum Artikel

So instrumentalisieren rechte Ideologen den Brand von Notre-Dame für ihre Zwecke

Link zum Artikel

Hartz-IV-Sanktionen in der Schulzeit: "Ich lebte von 30 Euro im Monat"

Link zum Artikel

Nach dem sinnlosen Tod von Hund Sam warnt sie vor diesem Spielzeug

Link zum Artikel

Erstes Foto von einem Schwarzen Loch – und das Internet so 🤷‍♀️

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Coca-Cola hat verraten, wie viel Plastik die Firma jedes Jahr produziert 😲

Und jetzt eine kalte Cola. Zur Erfrischung greifen jährlich Millionen Menschen zu den beliebten Getränken.

Wie viele genau das sind, war bislang nicht bekannt. Jetzt hat der Softdrink-Hersteller zum ersten Mal veröffentlicht, wie viele Plastikflaschen für die Sicherung unseres Genusses produziert werden, wie unter anderem der britische Guardian berichtet. Dieser Schritt sollte eigentlich für mehr Transparenz sorgen, doch was vielleicht gut gemeint war, geht gerade ziemlich nach hinten los, …

Artikel lesen
Link zum Artikel