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ABERDEEN, SCOTLAND - JULY 10:  Donald Trump plays a round of golf after the opening of The Trump International Golf Links Course on July 10, 2012 in Balmedie, Scotland. The controversial £100m course opens to the public on Sunday July 15. Further plans to build hotels and homes on the site have been put on hold until a decision has been made on the building of an offshore windfarm nearby. (Photo by Ian MacNicol/Getty Images)

Trump beim Golfen. Bild: Getty Images Europe

Analyse

Wird Trump wegen seiner Golfplätze des Amtes enthoben?

Philipp Löpfe / watson.ch

Donald Trump besitzt insgesamt 14 Golfplätze. Die meisten davon befinden sich in den USA, zwei in Schottland, je einer in Irland und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Die meisten davon verlieren massig Geld. "Laut Bloomberg hat Trump Turnberry (einer seiner Goldplätze in Schottland, Anm. d. Verf.) im Jahr 2016 einen Verlust von 36 Millionen Dollar eingefahren, und das bei einem Umsatz von bloß 12 Millionen Dollar", schreibt Rick Reilly in seinem Buch "Commander in Cheat".

Der Glasgow Prestwick Airport gehört der schottischen Regierung und ist ebenfalls hoch defizitär. Eigentlich sollte er geschlossen werden. Doch in jüngster Zeit landen dort regelmäßig Frachtjets der US-Airforce und werden für den Weiterflug nach Katar aufgetankt. Die Crews übernachten derweil im noblen Golfresort Turnberry.

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Trump auf seinem Golfplatz in Schottland (Archivbild). Bild: imago/Action Plus

Militärisch und wirtschaftlich ergibt dies keinen Sinn. Die USA verfügen in Deutschland und Italien über Militärstützpunkte, auf denen die Frachtjets billiger Benzin erhalten und die Crews viel günstiger übernachten können. Trumps Golfclub ist jedoch dringend auf diesen Flughafen angewiesen.

Besteht da ein Zusammenhang? Bisher hat sich das Pentagon strikt geweigert, Auskunft über die seltsamen Zwischenstopps zu geben.

Die seltsamen Reisen der US-Regierung

Bei seinem kürzlichen Besuch in Irland hat Vizepräsident Mike Pence mit seinem Tross in Trumps Resort Doonbeg übernachtet – wie übrigens auch Trump selbst nach dem G7-Gipfel. Doonbeg ist ebenfalls eine Geldvernichtungsmaschine.

Es ist auch sehr abgelegen. Die Gespräche des US-Vize mit der irischen Regierung fanden mehr als 300 Kilometer entfernt auf der anderen Seite der Insel in Dublin statt.

DUBLIN, IRELAND - SEPTEMBER 03: US Vice President Mike Pence meets Taoiseach Leo Varadkar at Farmleigh House on September 3, 2019 in Dublin, Ireland. The Vice President is on an official two-day visit to Ireland and is staying at President Trump's golf course resort Doonbeg in County Clare. (Photo by Pool/Getty Images)

Irlands Premier Leo Varadkar und US-Vize Mike Pence. Bild: Getty Images Europe

In Dublin hätten zudem dem US-Vize mehrere geeignete Hotels zur Verfügung gestanden. Der Verdacht liegt daher nahe, dass Pence einzig Trumps defizitärem Goldplatz mit amerikanischen Steuergeldern unter die Arme greifen wollte. Ein Mitglied seines Stabes gab denn auch zu, der Präsident persönlich habe eine entsprechende Empfehlung ausgesprochen. Selbstredend streitet Trump dies ab.

Der Präsident selbst ist bekanntlich ein fleißiger Golfer. Er tut dies in der Regel auf seinen eigenen Plätzen, entweder in Mar-a-Lago in Florida oder in Bedminster in New Jersey. Dabei muss jeweils sein gesamter Sicherheits- und Kommunikationstross anwesend sein. Rund 60 Personen müssen verpflegt werden und wollen übernachten.

Das kostet, und zwar happig. Bisher soll Trumps Golfleidenschaft den amerikanischen Steuerzahler mehr als 100 Millionen Dollar gekostet haben. Ein guter Teil dieses Geldes ist direkt in die privaten Kassen des Präsidenten geflossen.

Doral ist Trumps größtes Golfresort. Es befindet sich bei Miami und schreibt ebenfalls tief rote Zahlen. Das will der Präsident ändern. Im nächsten Jahr werden die USA Gastgeber des G7-Gipfels sein. Trump hat vorgeschlagen, das Treffen in Doral durchzuführen, es sei der beste Ort dafür.

Demokraten wollen die Golf-Geschäfte untersuchen

Trumps offensichtlich korrupte Golf-Geschäfte haben nun auch die demokratischen Abgeordneten auf den Plan gebracht. Sie sind diese Woche aus den Sommerferien nach Washington zurückgekehrt und haben beschlossen, eine Impeachment-Untersuchung einzuleiten. Dabei handelt es sich um einen Vorläufer für ein eigentliches Absetzungsverfahren.

Eigentlich hätte die Untersuchung den nach wie vor ungeklärten Fällen von Behinderung der Justiz gelten sollen, die Sonderermittler Robert Mueller in seinem Bericht detailliert geschildert hat. Der Präsident hat jedoch seinen ehemaligen und aktuellen Mitarbeitern verboten, vor einem Kongressausschuss zu erscheinen. Derzeit müssen Richter klären, ob sie der Vorladung trotzdem Folge leisten müssen.

Die Russland-Affäre ist zudem sehr sperrig und schwierig unter die Leute zu bringen. Deshalb haben die demokratischen Abgeordneten beschlossen, die Untersuchungen auszuweiten. Sie nehmen nun Trumps seltsame Geschäfte unter die Lupe und hoffen, nachweisen zu können, dass diese klar gegen die sogenannte Emolument-Klausel in der Verfassung verstoßen. Diese verbietet es dem Präsidenten, im Namen des Staates private Geschäfte zu tätigen.

Wird Trump ein Impeachment-Verfahren zum Verhängnis?

Auch Trumps Affären mit dem Pornostar Stormy Daniels und dem "Playboy"-Model Karen McDougal werden neu aufgerollt. Michael Cohen, Trumps ehemaliger Anwalt, sitzt unter anderem wegen Schweigegeldzahlungen an diese Damen im Gefängnis. Er hat ausgesagt, im Auftrag des Präsidenten gehandelt zu haben. Nun will der Justizausschuss des Abgeordnetenhauses klären, ob sich der Präsident ebenfalls strafbar gemacht hat.

Die Mehrheit der demokratischen Abgeordneten befürwortet mittlerweile ein Amtsenthebung des Präsidenten. Nicht so deren Chefin, Nancy Pelosi. Sie befürchtet, der politische Kollateralschaden könnte zu groß sein und die Demokraten könnten ihre in den Midterms errungene Mehrheit wieder verlieren. Daher glaubt sie, eine Amtsenthebungsverfahren würde reichen, um Trump zu schwächen.

Pelosi setzt auf das historisches Beispiel von Andrew Johnson. Der bisher schlechteste US-Präsident aller Zeiten – Trump noch nicht mitgezählt – war Nachfolger des ermordeten Abraham Lincoln. Wegen miserabler Amtsführung wurde er einem Amtsenthebungsverfahren unterzogen. Das hat ihn so geschwächt, dass er daraufhin die Wiederwahl verlor.

Trumps Twitter-Tiraden: So begann @realdonaldtrump

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    Alle Leser-Kommentare
  • kdirnbach 12.09.2019 15:14
    Highlight Highlight Wann kapiert die amerikanische Bevölkerung endlich, welch seltsame Vorstellungen von Moral ihr Präsident hat? Es ist für mich unvorstellbar, dass allem Anschein nach aus Parteiraison die Hälfte der Menschen dort auf diesem Auge blind ist. Oder ist es tatsächlich Bewunderung, wie skrupellos ein politisches "Vorbild" sich seine Nation zum Selbstbedienungsladen umgestaltet? Diese Logik ist für mich auf alle Fälle nicht nachvollziehbar!

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