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Abu Bakr al-Baghdadi is displayed on a monitor as U.S. Central Command Commander Marine Gen. Kenneth McKenzie at a joint press briefing at the Pentagon in Washington, Wednesday, Oct. 30, 2019, on the Abu Bakr al-Baghdadi raid. (AP Photo/Andrew Harnik)

Ist nicht mehr: Abu Bakr al-Bagdadi (auf dem Bildschirm). Bild: AP

Analyse

Wer ist eigentlich der neue Anführer des "Islamischen Staats"?

Vor einer Woche jagte ein Hund den meistgesuchten Mann der letzten fünf Jahre in den Tod: Abu Bakr al-Bagdadi. Nun wurde ein neuer "Kalif" des sogenannten Islamischen Staats ausgerufen. Was wissen wir über ihn?

Gerade mal drei Tage hat es gedauert, bis der sogenannte Islamische Staat in einer Audiobotschaft den Tod von Abu Bakr al-Bagdadi bestätigt und seinen Nachfolger bekannt gegeben hat.

Der neue "Kalif" nennt sich Abu Ibrahim al-Hashemi al-Qurashi. Was wissen wir über ihn? Um es gleich vorweg zu nehmen: Es ist nicht wirklich viel.

Der Name

Der Name Abu Ibrahim ist so wie der seines Vorgängers nur ein Kampfname, den er sich selbst gegeben hat. Die letzten zwei Namensbestandteile deuten darauf hin, dass er von sich behauptet, in direkter Linie von Prophet Muhammad abzustammen. Al-Hashemi war die Familie des Propheten, al-Qurashi bedeutet, dass er von dem Qureish-Stamm zugehörig sei. Insofern handelt es sich um typische Terror-Propaganda.

Die Nationalität

Mit guter Wahrscheinlichkeit ist er ein Iraker, da die meisten Mitglieder der Terrormili, die etwas zu sagen haben, ebenfalls Iraker sind. Außerdem heisst es in der Audiobotschaft, in der der "Islamische Staat" die Nachfolge verkündete (in einer übersetzten Version hier), dass Abu Ibrahim gegen die Vereinigten Staaten von Amerika gekämpft habe.

Früher oder später wird die wahre Identität wohl aufgedeckt. Und vielleicht weiß man es bereits: Trump hatte am ersten Oktober getwittert, dass man ganz genau wisse, wer Abu Ibrahim ist.

Wie wurde Abu Ibrahim ausgewählt?

In dem Statement wurde auch darauf hingewiesen, wie der neue "Kalif" ausgewählt wurde, oder was die Terrormiliz uns glauben lassen will.

Als ein fundamentalistischer Kult, dessen gesamtes Selbstbild darauf beruht, dass es eine theokratische Nation ist und von einem Kalifen geführt wird, muss der "Islamische Staat" die Vergangenheit sehr ernst nehmen. Man will eine Analogie zu den ersten Jahren des Islams schaffen um sich zu legitimieren.

Im Statement heißt es etwa, dass Abu Ibrahim übereinstimmend mit der "Tradition (Sunnah) der Noblen Begleiter" ausgewählt wurde. Die "Noblen Begleiter" waren zeitgenössische Begleiter von Muhammad. Was bedeutet das genau?

Long story short: Es gab im frühen Islam keine einheitliche Methode um einen Kalifen zu bestimmen. Im Statement vom 31. Oktober 2019 heißt es, dass bei der Nachfolge durch Abu Ibrahim alle vier Methoden zum Einsatz kamen.

Bestimmt hat wahrscheinlich also der Schura-Rat der Terrormiliz – das heisst, das oberste Führungsgremium – "nach Beratung mit ihren Brüdern und im Einvernehmen des Testaments [von Abu Bakr al-Bagdadi]," wie es im Statement heißt.

(jaw)

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