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Fühlt sich vollkommen entlastet: Präsident Donald Trump. epa/dpa

Trump schlägt zurück: Kommt jetzt der Coup von rechts?

Demokraten, Comedians und Journalisten – allen will es der Präsident nach der Veröffentlichung des Mueller-Reports heimzahlen. Die amerikanische Demokratie steht vor einem Härtetest.

Philipp Löpfe / watson.ch

Steve Bannon, Trumps ehemaliger Chefstratege, prophezeit, der Präsident werde "das Tier in sich hervorbringen" und sei "von der Leine gelassen". Er werde nun seine Gegner "plattwalzen".

Der Präsident selbst bläst ins gleiche Horn. Sein Gesicht zorngerötet, erklärte er am Montag vor Journalisten: "Viele Leute haben sehr schlimme Dinge getan. Ich würde sagen, sie haben das Land verraten." Sein Anwalt Rudy Giuliani ergänzt: "Ich denke, er (Trump) will, dass die ganze Sache untersucht wird."

"Wir werden nicht darüber hinwegsehen, was passiert ist."

David Bossie

Das Trump-Lager fühlt sich durch den Mueller-Report entlastet und ist bereits zum Gegenangriff übergegangen. David Bossie, stellvertretender Wahlkampfmanager im Jahr 2016 und Schlammschleuder der Rechten, kündet an: "Wir werden nicht darüber hinwegsehen, was passiert ist. Wir werden es ausschlachten."

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Bläst zum Rachefeldzug: Sean Hannity. Video: YouTube/Trump Fan Network

Was dies konkret bedeuten wird, hat Fox-News-Moderator Sean Hannity in seiner ersten Nach-Mueller-Show bereits klar gemacht: Jeder Politiker, jeder Journalist und jeder Comedian, der vermeintliche "Lügen über Trump" verbreitet hat, soll nun zur Rechenschaft gezogen werden. Hannity verspricht einen Rachefeldzug, wie ihn das Land noch nie gesehen habe.

Ins Visier genommen wird beispielsweise Adam Schiff, demokratischer Abgeordneter aus Kalifornien und Vorsitzender des House Intelligence Committee. Trump-Beraterin Kellyanne Conway und mehrere Republikaner haben seinen Rücktritt gefordert. Der Präsident deckt ihn derweil mit Schimpfnamen wie "shifty schiff" (Lügen-Schiff) ein.

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Im Fadenkreuz des Trump-Lagers: Adam Schiff. epa/dpa

Trump-Verbündete haben bereits eine Liste von Politikern, die nun unter die Lupe genommen werden sollen. Neben Schiff werden Senator Richard Blumenthal, Jerrold Nadler und Eric Swalwell erwähnt. Alle drei Demokraten haben sich regelmäßig im TV zur Russland-Affäre geäußert.

Auf dieser Liste stehen selbst Barack Obama und Hillary Clinton. "Es ist an der Zeit, dass Beamte aus der Obama-Ära untersucht werden, die die Lüge der russischen Verschwörung in die Welt gesetzt haben", tweetete der republikanische Senator Rand Paul.

Sarah Sanders, Sprecherin des Weißen Hauses, hat eine Art Hitlist veröffentlicht, die wie ein Tableau eines Tennisturniers aufgebaut ist. Darunter finden sich auch die Namen von Schauspielern wie Alec Baldwin. Er spielt jeweils Trump in der Satiresendung "Saturday Night Live". Robert De Niro ist ebenfalls auf dieser Liste zu finden. Er hat Trump mehrmals öffentlich beschimpft.

Hatz auf Trump-Gegner: Sarah Sanders Tennisturnier-Tableau.

Lindsey Graham, republikanischer Senator aus South Carolina und Vorsitzender des Senate Judiciary Committee, hat seinerseits angekündigt, ein Gremium auf die Beine zu stellen. Es soll der Frage nachgehen, wie es überhaupt zur Untersuchung gegen Trump gekommen ist. "Wir werden die andere Seite der Geschichte zutage fördern", erklärte er.

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Will das FBI untersuchen: Senator Lindsey Graham. epa/dpa

Die Demokraten versuchen zu retten, was noch zu retten ist. Sie klammern sich an den Satz der vierseitigen Zusammenfassung des Mueller-Reports von William Barr, der besagt, dass Mueller Trump in der Frage der Obstruktion weder be- noch entlastet. Der Justizminister hat dies nachträglich eigenmächtig getan, nachdem er den Bericht erst 48 Stunden zuvor erhalten hatte.

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Gönnt sich einen Spaziergang mit seiner Frau: Robert Mueller. ap/fr

Dieses Vorgehen ist zumindest dubios, zumal Barr im vergangenen Sommer unaufgefordert dem Weißen Haus ein Memorandum zugestellt hatte, das zum Schluss kam, der Präsident könne in der Obstruktions-Frage gar nicht angeklagt werden. Die Demokraten werfen Barr vor, er habe voreilig die Diskussion in eine Richtung gelenkt. Sie verlangen, dass der Mueller-Report unzensiert dem Kongress zugänglich gemacht wird.

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Hat er getrickst? Justizminister William Barr. epa

Vordergründig hat selbst Präsident Trump nichts gegen eine solche Veröffentlichung. "Das würde mir überhaupt kein Kopfzerbrechen bereiten", erklärte er am Montag. Doch er hängte einen ominösen Nachsatz an: Die Entscheidung liege natürlich beim Justizminister.

All dies erinnert an das üble Spiel, das Trump während des Wahlkampfs in der Frage seiner Steuererklärung gespielt hat. Er würde sie gerne veröffentlichen, aber seine Anwälte ließen es nicht zu, wiederholte er damals regelmäßig. Die Steuererklärung ist bis heute unter Verschluss.

Im Senat hat derweil sein williger Diener Mitch McConnell bereits verhindert, dass eine Resolution zur Abstimmung kommt, die eine uneingeschränkte Veröffentlichung des Mueller-Reports verlangt. Das Abgeordnetenhaus hatte diese Resolution zuvor ohne Gegenstimme angenommen.

Ein beliebtes amerikanisches Sprichwort besagt, dass eine Oper nicht zu Ende sei, bevor die dicke Lady gesungen habe. Bis die Schlussarie des Mueller-Reports ertönt, wird es noch dauern. Im aktuellen Hickhack wird übersehen, dass der Mueller-Report kein Persilschein für den Präsidenten ist, und dass 34 Personen angeklagt und mehrere davon bereits verurteilt worden sind. Zudem sind noch eine ganze Anzahl von Verfahren gegen Trump hängig.

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Vergleicht Trump mit einem Mafiaboss: James Comey, ehemaliger FBI-Direktor. epa

Am verheerendsten ist jedoch die Tatsache, wie weit es Trump bereits gelungen ist, die amerikanische Demokratie zu beschmutzen. Zahlreiche Minister und hohe Beamte mussten wegen Korruptionsvorwürfen zurücktreten. Der Streit zwischen den beiden Lagern hat ein Ausmaß erreicht, das auf keine Versöhnung hoffen lässt. Trump wird sein No-Collusion-Mantra bis zur Verblödung im kommenden Wahlkampf wiederholen.

Der ehemalige FBI-Direktor James Comey wie auch sein Stellvertreter Andrew McCabe haben ihre Erfahrungen mit Trump in Büchern festgehalten. Beide kommen zum gleichen Fazit: Trump handelt nicht wie ein demokratisch gesinnter Präsident, sondern wie ein Mafiaboss. Angesichts des sich anbahnenden Rachefeldzugs, lässt dies das Schlimmste befürchten. Das FBI ist nicht dafür bekannt, eine Multikulti-Anarcho-Truppe zu sein –, und Comey und McCabe waren beide registrierte Mitglieder der republikanischen Partei.

Trumps Twitter-Tiraden: So begann @realdonaldtrump

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