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"Golden Shower" und 4 weitere Theorien, warum Trump bei Putin so zahm ist

Patrick Diekmann

Das Rätsel um den zahmen US-Präsidenten geht zwei Tage nach dem Gipfel in Helsinki weiter. Hat Putin ein Druckmittel in der Hand oder ist Trump gar ein russischer Agent? Hier sind fünf Thesen.

18.07.18, 09:04

Ronald Reagon gilt in den USA als der beliebteste Präsident der Nachkriegsgeschichte. Besonders Republikaner romantisieren den 40. US-Präsidenten wegen seiner liberalen Wirtschaftspolitik und wegen seiner harten Haltung gegenüber der Sowjetunion, die - so glauben sie - zum Zerfall des Ostblocks geführt habe. 

19 Jahre nach Reagon ist Donald Trump Präsident der Vereinigten Staaten. Härte zeigt Trump aber vor allem gegen die Verbündeten der USA, nicht gegen Russland. Auf dem Gipfel mit seinem russischen Amtskollegen Wladimir Putin in Helsinki geht er auf Kuschelkurs. Nicht nur Trump-Kritiker zeigen sich empört, auch aus den Reihen der Republikaner wird der US-Präsident unter Beschuss genommen.

Vielen US-Bürgern ist die plötzliche amerikanisch-russische Harmonie ein Rätsel, so hat man aktuell doch zahlreiche Konflikte mit Russland: Die Kriege in Syrien und in der Ukraine, der angebliche Attentat auf den russischen Ex-Agenten Skripal in Großbritannien und ganz besonders der Vorwurf gegenüber Russland, sich in die US-Wahl massiv eingemischt und gezielt Trump unterstützt zu haben.

In der abschließenden Gipfel-Pressekonferenz nahm Trump Russland überraschenderweise in Schutz und stellte sich sogar gegen die US-Geheimdienste. 

Bei einer Pressekonferenz in Washington machte er dann einen Rückzieher. Angeblich alles ein Missverständnis:

Aber warum blieb Trump so ungewohnt zahm und verpasste die Möglichkeit, Stärke zu demonstrieren?  Dafür gibt es unterschiedliche Theorien - eine wirft mehr Fragen auf, als die andere:

Trumps Selbstverständnis als "Deal-Maker"

Trump sieht sich als "Deal-Maker", der dort Verhandlungserfolge erzielt, wo Präsidenten vor ihm scheiterten. So profiliert er sich als Friedensbringer auf der koreanischen Halbinsel und bei der Nato tritt er als Geschäftsmann auf, der den anderen Mitgliedsstaaten mehr Geld aus den Rippen leiert - alles im Sinne von "America First". 

Auf dem Gipfel gab es keine Abschlusserklärung und keine konkreten Beschlüsse. Trump blieben am Ende nur die Wirkung der Bilder und das gemeinsame Streben nach einer friedvolleren Zusammenarbeit mit Russland, das er der Weltöffentlichkeit als großen Fortschritt verkaufen musste, um sein Selbstbild als großer Verhandler nicht zu gefährden.

Ein Konflikt auf offener Bühne mit Russland hätte Stillstand bedeutet und das wollte Trump, der alles anders machen will als seine Vorgänger, nicht. Dafür nimmt er auch billigend in Kauf, dass er die Politik der USA in der Vergangenheit als "Dummheit" diskreditiert.

Trumps Ego verkraftet die Wahrheit über die US-Wahl nicht

Das traditionelle Korrespondentendinner in Washington im Jahr 2011 ging in die Geschichte ein. Damals stand Barack Obama auf der Bühne und machte Witze über den Immobilien-Mogul Donald Trump, der zuvor Gerüchte über Obamas Herkunft streute und eine Präsidentschaftskandidatur für die Republikaner erwog.

Mitten im lachenden Publikum saß Trump und biss sich wütend und vorgeführt auf die Unterlippe. Sein gespieltes Lächeln täuschte nicht darüber hinweg, wie wütend er in diesem Augenblick war. Seitdem meidet Trump die alljährliche Presseveranstaltung und Freunde berichten Jahre später, dass dies der Moment war, in dem Trump beschloss, Präsident der Vereinigten Staaten zu werden. Der 72-Jährige wollte es allen zeigen. Für ihn war der Wahlsieg ein persönlicher Triumph über die etablierte Politik, die ihn in der Vergangenheit verhöhnt hatte.

Dieser Erfolg soll nicht durch mutmaßliche Schützenhilfe aus Russland geschmälert werden und deshalb stellt er sich auch an die Seite Putins, um seinen Triumph zu verteidigen.

Putin hat Trump in der Hand

Was weiß Putin über Trump? Hat der russische Präsident gar ein Druckmittel? Darüber wird in der amerikanischen Öffentlichkeit viel spekuliert. In allen Fällen bleibt es bei Spekulationen, Belege gibt es nicht. 

Das sogenannte "Steele-Dossier" des britischen Ex-Spions Christopher Steele listet das Material auf, mit dem Putin den US-Präsidenten erpressen könnte: Trump könne bei Immobiliengeschäften große Bestechungsgelder gezahlt haben und es gebe Aufnahmen von sexuellen Aktivitäten des US-Präsidenten. Ein Video, das unter dem Namen "Golden Shower" Bekanntheit erlangte, soll Prostituierte zeigen, die in einem "Ritz-Carlton"-Hotel in Moskau, auf Anweisung Trumps in ein Bett urinierten, in dem Hillary Clinton in der Vergangenheit genächtigt haben soll. Der Kreml stellte angeblich die Prostituierten mit dem Hintergedanken, das Schauspiel aufzunehmen. Beweise oder gar das Video gelangten bislang nicht an die Öffentlichkeit.

Konkreter wird es allerdings bei den Immobiliengeschäften, die Trump mit der Hilfe Russland tätigte. In den 90ern war Trump pleite und bekam nur noch Kredite von der Deutschen Bank und Russland. Seitdem investierte Russland in viele von Trumps Immobiliengeschäften – vor allem in New York und Florida. Auch wenn es keine Beweise für Geldwäsche oder Bestechungen gibt, ist es auffällig, dass Trump seit 2006 hunderte Millionen Euro in Projekte investieren konnte, ohne einen Kredit aufzunehmen. Außerdem hat Trump enge Kontakte zu russischen Oligarchen und Putin-Vertrauten, wie beispielsweise  Aras Agalarov.

Sollte es illegale Geschäftspraktiken gegeben haben, wird Putin davon erfahren haben und hätte so ein Druckmittel in der Hand. 

Trump ist ein russischer Agent

Was wie ein Witz klingt, titelte das "New York Magazin" kurz vor dem Gipfel-Treffen in Helsinki. Trump soll vom russischen Geheimdienst korrumpiert worden sein, meint der Journalist Jonathan Chait. Der Vorwurf ist nicht neu, denn schon vor Trumps Machtübernahme schrieb der damalige Interimschef des CIA, Michael Morell, einen Kommentar, in dem er Trump als "unwissentlichen Agenten" Moskaus bezeichnete.

Die Spekulationen finden ihren Ursprung im Jahr 1987. Trump war ein Geschäftsmann, der noch keine politischen Ambitionen hatte. In dieser Zeit folgte Trump, zusammen mit seiner damaligen Frau Ivana, einer russischen Einladung nach Moskau. Über die geschäftlichen Gespräche dort ist nichts bekannt, aber fest steht, dass Trump nach seiner Rückkehr erstmals politischen Ehrgeiz entwickelte.

Plötzlich griff er in einer Reihe von Zeitungsannoncen, die knapp 100.000 Dollar kosteten, die westlichen Nato-Verbündeten wegen zu niedriger Verteidigungsausgaben an. Diese Positionierung hat er bis heute nicht aufgegeben. Sein wütender Angriff zielte allerdings ausschließlich auf die Verbündeten und nicht auf den Gegner im Kalten Krieg, die Sowjetunion.

Sicherlich ist es unwahrscheinlich, dass Trump ein russischer Spion ist. Fakt ist jedoch, dass der heutige US-Präsident Putin dabei hilft, die westliche Staatengemeinschaft und die Nato zu spalten. Ob er dies auch bewusst tut, ist unklar. Aber Verschwörungstheoretiker horchten auf, als Trump und Putin auf dem Gipfel untypischerweise ohne Berater miteinander sprachen. Erstattete hier ein Geheimdienstmitarbeiter seinem Führungsoffizier Bericht?

Trump ist uninformiert und wird schlecht beraten

Zwei Stunden dauerte das Gespräch zwischen Putin und Trump hinter verschlossenen Türen. Putin hat deutlich mehr Amtserfahrung und durch seine Ausbildung als KGB-Agent und durch sein umfassendes Faktenwissen in Detailfragen ist es Putin offenbar gelungen, dem US-Präsidenten sein Weltbild zu vermitteln. Auch ohne Ergebnis ist der Gipfel für Putin ein Erfolg, denn er sitzt wieder mit am Tisch, die Gespräche auf Augenhöhe haben es möglich gemacht.

Trump dagegen hat bewiesen, wie wenig er über die Nato und auch beispielsweise über die Konflikte in Syrien oder in der Ukraine weiß. So bezeichnete er am Morgen vor dem Gipfel Finnland fälschlicherweise noch als Nato-Mitglied. 

Deshalb ist anzunehmen, dass sich Trump über die Folgen bestimmter Aussagen, Bilder und Tweets nicht bewusst ist. Für ihn zählt hauptsächlich nur «Trump First». Ob dies auch sein zahmes Verhalten gegenüber Putin erklärt, ist unklar. Am Ende der Gespräche zwischen Putin und Trump stehen die USA  mit leeren Händen da.

Nur der US-Präsident sieht das naturgemäß anders: "Nur wegen mir werden die Nato-Staaten in Zukunft hunderte Milliarden Dollar mehr zahlen. Die Medien sprechen nur darüber, dass ich unhöflich zu anderen Führern war, nie erwähnen sie das Geld", twitterte Trump, der sich offenbar missverstanden fühlt. Ihm bleibt nach dem Gipfel ein Ball der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland. Ein Geschenk von Putin.

Dieser Artikel erschien zuerst auf t-online.de.

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2Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Gesalzenes Moped 18.07.2018 13:00
    Highlight Man kann nur hoffen und beten, daß Trump nicht nochmals gewählt wird und daß sein Nachfolger es schafft das ganze Knäuel des von ihm verursachten politischen Irrsinns wieder zu entwirren.
    0 0 Melden
    • Gregor Hast 20.07.2018 19:26
      Highlight Herr Trump wird ein zweites Mal gewählt. Du kannst also lange vergebens hoffen! ;-)
      0 0 Melden

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