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President Donald Trump waits for members of the media get set up before speaking in the Cabinet room of the White House, Tuesday, July 17, 2018, in Washington. Trump says he meant the opposite when he said in Helsinki that he doesn't see why Russia would have interfered in the 2016 U.S. elections.. (AP Photo/Andrew Harnik)

Bild: AP

"Putins Pudel" – wie Trump dem Kremlchef auf den Leim ging

Viele hatten Donald Trump davor gewarnt, sich von Kremlchef Wladimir Putin manipulieren zu lassen. Nun ist Trump dem Russen doch auf den Leim gegangen.

Von Freund und Feind, von Demokraten und Republikanern. "Es war der ernsteste Fehler seiner bisherigen Präsidentschaft", sagte Newt Gingrich, ein Altvorderer der Republikaner und eigentlich glühender Trump-Getreuer. Er müsse sofort korrigiert werden.

Das Schlimme für Trump ist nicht einmal, dass Kritiker seinen Auftritt als "verräterisch" oder "beschämend" bezeichnen. Schlimmer noch ist für den Amtsinhaber im Weißen Haus, dass ihm kaum jemand von der eigenen Truppe zur Seite springt. Sogar der Trump'sche Haussender Fox News zitiert stundenlang diejenigen, die kein gutes Haar am Präsidenten lassen. International wird Trump gar verhöhnt: "Putins Pudel", titelte der "Daily Mirror" in Großbritannien. Ex-Gouverneur und "Terminator"-Darsteller Arnold Schwarzenegger nennt Trump den "Fanboy Putins".

Obwohl parteiübergreifend politische Schwergewichte geschockt auf diese Äußerungen reagiert hatten, ließ sich Trump mehr als 24 Stunden Zeit für seine Kurskorrektur. Der Druck von Freund und Feind war am Ende wohl doch zu groß.

Trump will sich versprochen haben

"Das Treffen zwischen Präsident Putin und mir war ein großer Erfolg, außer bei den Fake-News-Medien"

So orakelte beispielsweise der ABC-Moderator George Stephanopoulos, ehemals im Weißen Haus für Bill Clinton tätig, die US-Öffentlichkeit könnte mit der missglückten Show in Helsinki Weltgeschichte erlebt haben. Trumps enger Vertrauter Newt Gingrich verlangte eine öffentliche Klarstellung.

Trump hat bei dem Auftritt mit Putin kurze Zeit nicht richtig aufgepasst. Als ihm zum Ende der Pressekonferenz und nach vorangegangenen vierstündigen intensiven Gesprächen die Frage gestellt wurde, ob er denn nun den US-Geheimdiensten glaube oder dem russischen Präsidenten, der eine Einmischung in die US-Wahl von 2016 soeben verneint hatte, versuchte er eine diplomatische Gratwanderung - und stürzte gnadenlos ab.

In this July 16, 2018, photo, U.S. President Donald Trump, left, tosses a soccer ball to his wife first lady Melania Trump after Russian President Vladimir Putin presented it to him during a news conference after their meeting at the Presidential Palace in Helsinki, Finland. Plenty of U.S. presidents have created commotion in their travels abroad, none so much as President Donald Trump. Historians say Trump’s tumultuous trip across Europe smashed the conventions of American leaders on the world stage. The president’s “America first” approach to foreign policy left him seeming to accept the word of a hostile power over his own intelligence agencies, insulting allies and sowing doubts about his commitment to the NATO alliance. (AP Photo/Pablo Martinez Monsivais)

Trump und Putin bei einer Pressekonferenz in Helsinki Bild: AP

"Die heutige Pressekonferenz in Helsinki war eine der schändlichsten Vorstellungen eines amerikanischen Präsidenten seit Menschengedenken", schrieb das Republikaner-Urgestein John McCain in einer Mitteilung. Der schwerkranke Parteiveteran attestierte seinem Präsidenten Inkompetenz: "Präsident Trump erwies sich nicht nur als unfähig, sondern auch als nicht willens, Putin die Stirn zu bieten."

Die Chefs von Repräsentantenhaus und Senat, Paul Ryan und Mitch McConnell, riefen ihren Parteifreund Trump dazu auf, anzuerkennen, dass Russland kein Verbündeter sei. Sogar Fox-News-Moderatoren fanden drastische Worte: "Das war keine besonders starke Vorstellung", sagte Stuart Varney.

Vergleiche zwischen Trump und Reagan

Die heftigen Reaktionen zeigen: Trump hat wenige Monate vor den weichenstellenden Zwischenwahlen in den USA den Nerv der Partei und des ganzen Landes verletzt. Häufig wurde der Vergleich mit Ronald Reagan gezogen, der einst Michail Gorbatschow in die Knie gezwungen habe. Trumps Auftritt ging gegen den Nationalstolz, den Patriotismus eines der wohl patriotischsten Länder des Westens. Das konnte nicht gut gehen, schon gar nicht, wenn es um das Verhältnis zum alten Feind Russland geht.

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Senat, der Republikaner Bob Corker, sah Putin, den gewieften ehemaligen KGB-Geheimdienstmann, gestärkt durch den Gipfel. "Wir tippen, dass er gerade Kaviar isst." Tatsächlich schienen in Moskau nach dem Helsinki-Gipfel die Sektkorken zu knallen. "Besser als Super", twitterte Außenminister Sergej Lawrow. "Putin ist der Gewinner", titelte der "Guardian" in Großbritannien.

Der Verlierer heißt Trump. Kopfschütteln herrschte schon im Vorfeld. Mit einem Eintrag auf Twitter hatte Trump am Montag den Gipfel quasi öffentlich eingeleitet. Das Verhältnis der beiden Atommächte sei so schlecht wie nie, und daran seien die USA schuld, erklärte der Präsident - der amerikanische wohlgemerkt. Das russische Außenministerium reagierte süffisant mit einem "Wir stimmen zu!".

Beliebtheitswert des Präsidenten schwankt

Für die Republikaner ist der rundum missglückte Trump-Auftritt vor den immens wichtigen Kongresswahlen im November ein Rückschlag. "Putins Handeln, und allein seines, ist für die schlechten Beziehungen verantwortlich", korrigierte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Repräsentantenhaus, Ed Royce, Trumps Tweet.

Die Partei, ohnehin in mehrere Lager gespalten, darunter eines von Trump-Anhängern, bangt um die Zwischenwahlen im November. Traditionell wird die im Weißen Haus regierende Partei bei diesen Wahlen abgestraft - ein Quasi-Automatismus, der auch dazu beiträgt, die Balance im Zwei-Parteien-System der USA zu halten. Diesmal hatten sich die Republikaner die Chance ausgemalt, den Senat und vielleicht sogar das Repräsentantenhaus zu halten.

Wie sehr hat sich Trump mit seinen Auftritten selbst geschadet?

A woman holds a sign depicting Russian President Vladimir Putin and President Donald Trump during a protest outside the White House, Tuesday, July 17, 2018, in Washington. This is the second day in a row the group has held a protest following President Donald Trump's meetings with Russian President Vladimir Putin. (AP Photo/Andrew Harnik)

Proteste vor dem Weißen Haus in Washington nach Trumps Finnland-Reise Bild: AP

Jetzt sind sie verunsichert. Was macht Putin? Greift er erneut ein? Diesmal in die andere Richtung, um die politische Handlungsfähigkeit der Supermacht zu schwächen? Der Auftritt von Helsinki dürfte auch Trumps Beliebtheitswerten nicht unbedingt guttun. Die Frage wird - erneut - auftauchen, ob man das vermeintliche Zugpferd im Wahlkampf in einzelnen Stimmbezirken überhaupt zu Hilfe holt. Die Nervosität der Abgeordneten bezüglich einer Wiederwahl wird jedenfalls größer.

Und gehen für die Republikaner die Midterm-Wahlen verloren, wird auch ein Amtsenthebungsverfahren gegen Trump wieder wahrscheinlicher. Einen solchen Prozess müssen die Abgeordneten des Repräsentantenhauses mehrheitlich anstoßen - viele Demokraten lauern nur auf diese Möglichkeit.

Der zuletzt schwächelnden Opposition hat der Präsident eine Steilvorlage geliefert - auch ohne den Fußball, den Putin ihm nach erfolgreich ausgerichteter Weltmeisterschaft schenkte. Senator Lindsey Graham verlangte, der Ball solle vorsichtshalber erstmal auf russische Wanzen untersucht werden.

(aj/dpa)

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