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Analyse

Biden, Warren oder Sanders? Das Rennen der Demokraten wird zum Dreikampf

Peter Blunschi / watson.ch

Die politische Sommerpause in den USA ist vorbei. Nicht für alle verlief sie ruhig. Präsident Donald Trump erzeugte den üblichen Mix aus Krawall und Verwirrung. Das führt dazu, dass die Amerikaner zunehmend die Nase voll von ihm zu haben scheinen. Auch die Demokratinnen und Demokraten, die ihn nächstes Jahr besiegen wollen, versuchten, im Gespräch zu bleiben.

Dies taten sie vor allem an der Iowa State Fair, einem großen Jahrmarkt, bei dem sich traditionell die Kandidaten vor den Vorwahlen präsentierten. Ein wichtiges Event: In dem stark von der Landwirtschaft geprägten Bundesstaat im Mittleren Westen findet am 3. Februar 2020 die erste Vorwahl statt. Eine Faustregel besagt: Wer in Iowa gewinnt, hat die Nominierung nicht in der Tasche. Wer aber schlecht abschneidet, kann sämtliche Hoffnungen begraben.

Für die Präsidentschafts-Anwärter ist die State Fair im August deshalb ein absoluter Pflichttermin. Und alle sind gekommen, haben sich mit Leckereien wie Corn Dogs und Zuckerwatte den Magen verdorben und kräftig um die Gunst der Wählerschaft von Iowa geworben. Zu einer ersten Auswahl, bei der sozusagen die Spreu vom Weizen getrennt wurde, kam es bereits.

Am Donnerstag findet in Houston (Texas) die dritte Fernsehdebatte der Demokraten statt. Im Gegensatz zu den ersten beiden Runden im Juni und Juli gibt es nur eine Debatte, denn das Feld ist auf zehn Teilnehmerinnen und Teilnehmer geschrumpft. Grund dafür sind die deutlich verschärften Kriterien der Parteileitung.

Wer ist dabei?

Wer an der September-Debatte teilnehmen wollte, musste mindestens 130.000 Einzelspender vorweisen, doppelt so viele wie zuvor. Die Demokraten wollen damit verhindern, dass Kandierende von wenigen großen Geldgebern abhängig sind oder den Wahlkampf gar aus eigener Tasche finanzieren, was auf Bewerber wie den Milliardär Tom Steyer abzielt.

Ironischerweise hätte Steyer diese Anforderung erfüllt, nicht jedoch die zweite: Möchtegern-Debattierer mussten in mindestens vier von der Parteileitung genehmigten Umfragen auf einen Anteil von zwei Prozent kommen. Knapp gescheitert sind auch die Abgeordnete Tulsi Gabbard aus Hawaii und die Autorin Marianne Williamson. Der Rest des Bewerberfelds war chancenlos.

Es bleiben somit zehn Namen: Joe Biden, Elizabeth Warren, Bernie Sanders, Kamala Harris, Pete Buttigieg, Andrew Yang, Cory Booker, Beto O'Rourke, Julian Castro und Amy Klobuchar. Von denen, die es nicht schafften, haben einige bereits aufgegeben. Zuletzt warf die New Yorker Senatorin Kirsten Gillibrand das Handtuch, nachdem sie die Qualifikation verpasst hatte.

Wer ist Favorit?

Democratic presidential candidate former Vice President Joe Biden speaks during a campaign stop, Friday, Sept. 6, 2019, in Laconia, N.H. (AP Photo/Mary Schwalm)

Bild: Mary Schwalm/ap

Das Rennen spitzt sich auf einen Dreikampf zu: Der frühere Vizepräsident Joe Biden liegt in den Umfragen immer noch deutlich an der Spitze. Trotz seinen durchzogenen Auftritten in den beiden ersten Debatten scheint er für gemäßigte Wählerinnen und Wähler irgendwie "alternativlos" zu sein. Dahinter liefern sich Elizabeth Warren und Bernie Sanders ein Kopf-an-Kopf-Rennen.

Bislang haben sie sich gegenseitig geschont, doch das könnte sich ändern, denn beide stehen für eine klar linke Politik. Im Aufwind war zuletzt Warren, sie zieht bei ihren Auftritten regelmäßig ein großes Publikum an. Mit einigem Abstand dahinter liegen Kamala Harris und Pete Buttigieg. Gewisse Chancen hat auch der Unternehmer Andrew Yang, der vor allem Junge begeistert.

Einige Analysten in den USA glauben, dass es auf Biden, Warren oder Sanders hinauslaufen wird. Allerdings befindet sich das Trio altersmäßig in den 70ern. Vor allem beim 76-jährigen Biden mehren sich die Zweifel, ob er geistig und körperlich genug fit für das Weiße Haus ist. Dies könnte anderen Bewerbern mit einem moderaten Profil ein Türchen öffnen, etwa Buttigieg.

Warum findet die Debatte in Texas statt?

Der "Lone Star State" gilt als als Hochburg der Republikaner. Doch das ändert sich. Die wachsende Latino-Bevölkerung eröffnet den Demokraten immer bessere Chancen, wie die knappe Niederlage von Beto O'Rourke bei der Senatswahl im letzten November gegen Ted Cruz gezeigt hat. Verwegene Gemüter halten sogar einen Sieg gegen Donald Trump 2020 für möglich.

Bereits fünf republikanische Kongressabgeordnete aus Texas wollen im nächsten Jahr nicht für eine weitere Amtszeit kandidieren. Für Politbeobachter ist dies ein Indiz, dass die Demokraten auf dem Vormarsch sind. Deshalb ergibt es Sinn, die dritte Präsidentschafts-Debatte an der ursprünglich schwarzen Texas Southern University in Houston auszutragen.

Was ist zu erwarten?

Die dreistündige Debatte findet in der Nacht auf Freitag (MESZ) statt und wird von ABC und dem spanischsprachigen Sender Univision übertragen. Gespannt ist man auf die erste Konfrontation von Joe Biden und Elizabeth Warren vor laufender Kamera. Sie waren in der Vergangenheit öfter aneinandergeraten: Biden vertrat das "Steuerparadies" Delaware im Senat und gilt als bankenfreundlich, Warren ist eine Kritikerin der Wall Street.

Jenen Kandidaten, die sich nicht qualifizieren konnten, bietet sich für die nächste Runde am 14. (und eventuell 15.) Oktober eine weitere Chance. Tom Steyer hat es bereits geschafft, andere hoffen noch. Es ist jedoch absehbar, dass sich das ursprünglich mehr als 20-köpfige Bewerberfeld in den nächsten Monaten weiter lichten wird. Bevor es im nächsten Februar in Iowa ernst gilt.

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