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dpatopbilder - 02.10.2020, USA, Washington: Donald Trump, Pr

Donald Trump ist in eine Militärklinik eingeliefert worden. Eine vorsorgliche Maßnahme, heißt es aus Washington. Bild: AP / Alex Brandon

Analyse

USA-Experte: "Nur noch ein Wunder kann den Trump-Wahlkampf retten"

Der US-Präsident ist mit dem Coronavirus infiziert, muss in Quarantäne und befindet sich inzwischen in einer Militärklinik in Washington. Welche Auswirkungen hat die Infektion nun auf seinen Wahlkampf?

Donald Trump hat Covid-19. Der US-Präsident muss in Quarantäne, zwischenzeitlich ist er in das Walter Reed Militärkrankenhaus im Washingtoner Stadtteil Bethesda verlegt worden. Auch Ehefrau Melania sowie mehrere Personen aus dem engsten Umfeld des Präsidenten sind mit dem Coronavirus infiziert – darunter Trumps Wahlkampfmanager Bill Stepien.

Zwar versichern Trumps Ärzte, dass es den beiden gut gehe. Doch die Coronainfektion hat Folgen, weit jenseits der gesundheitlichen Risiken, die sie für Trump und sein Umfeld mitbringt.

Der US-Präsident hatte im Wahlkampf bisher vor allem auf Themen wie wirtschaftliche Erholung, Durchsetzung von Recht und Ordnung oder eine harte Linie gegenüber China gesetzt – und wollte so von seiner katastrophalen Coronapolitik ablenken. Über 200.000 Tote haben die USA im Zusammenhang mit der Pandemie zu beklagen, der ökonomische Schaden ist immens, vom Ansehensverlust einmal ganz zu schweigen.

Dieses Ablenkungsmanöver "ist ihm bisher auch ganz gut geglückt", sagte USA-Experte Thomas Jäger von der Universität zu Köln am Samstagmorgen zu watson.

Doch diese Taktik kann nun nach dem positiven Coronatest nicht mehr funktionieren, zumindest bis Trump die Infektion ausgestanden hat und die Quarantäne verlassen darf. Denn, so Jäger, der US-Präsident ist "der lebende Beweis, dass Corona die USA im Griff hat". Ein Fakt, den Trump selbst immer wieder nicht wahrhaben wollte, herunterspielte oder sogar lächerlich machte.

An der Spitze der USA stehe nun ein Präsident, der die US-Gesellschaft "Tag für Tag" an die Gefahr des Virus erinnere, so Jäger zu watson.

"Seinen Wahlkampf trifft dies so hart, wie es überhaupt nur geht. Dem wurde durch die Infektion in die Kniekehlen getreten."

Wie das Virus den Trump-Wahlkampf infiziert

Das hat zwei Gründe. Zum einen hat Trump seine Partei fest im Griff. So fest, dass sie jede Entscheidung des US-Präsidenten mitging, sich auch bei übelsten Fehltritten nicht, oder nur sehr zurückhaltend, von ihrem Präsidenten zu distanzieren vermochte. Die Republikaner stehen fest hinter Trump. Jüngstes Beispiel ist etwa die Neubesetzung des nach dem Tod der liberalen Ikone Ruth Bader Ginsburg freigewordenen Richterposten am Supreme Court.

Trump konnte kurz vor der Wahl eine Kandidatin, die streng katholische Richterin Amy Coney Barrett, nominieren. Über die Personalie soll noch vor dem 3. November im US-Senat abgestimmt werden. Während der dortige Republikanische Mehrheitsführer Mitch McConnell eine Abstimmung Trumps Vorgänger Obama kurz vor der Wahl noch verweigert hatte, und über ein Jahr hinauszögerte, sah dieser im selben Vorgang aufseiten Trumps nun kein Problem mehr. "Trump ist die Partei", erklärt USA-Experte Jäger.

Zum anderen ist Trump auch die "Wahlkampflokomotive" der Republikaner. "Und diese Lokomotive ist am Freitag, als die Corona-Infektion Trumps bekannt wurde, entgleist", so Jäger. Nicht nur, weil ein die sehr realen Bedrohungen durch das Virus immer wieder herunterspielender Präsident nun selbst mit dem Erreger infiziert ist: "Trump ist im republikanischen Wahlkampf nicht zu ersetzen. Noch nicht einmal halb." In anderen Worten: Ein republikanischer Präsidentschaftswahlkampf ohne Trump ist keiner mehr, alles ist auf den nun kranken Mann zugeschnitten.

Ist der Wahlkampf nun entschieden?

Ob sich dieser Wahlkampf nochmal erholen wird, ist laut Experte Jäger mehr als fraglich: "Ob Trump in den Umfragen nochmals höher kommt, als er jetzt steht, hängt davon ab, wie rasch er gesund wird." Wenn er schnell wieder gesund wird, dann könne Trump noch einmal angreifen, versuchen, verlorenen Boden bei unentschiedenen Wählern wieder gutzumachen. Und wenn der Präsident länger krank ist? USA-Experte Jäger:

"Geht es nicht rasch, kann nur noch ein Wunder den republikanischen Wahlkampf retten."

Auf einen Mitleidseffekt nämlich dürfe Trump nicht hoffen. Nur weil er nun krank ist, dürften ihm keine Sympathien zufliegen.

Der negativ getestete Herausforderer Joe Biden kann sich dennoch nicht zurücklehnen. Der Wahlkampf, so trumpistisch er auch sein mag, ist noch nicht entschieden. "Ganz abschreiben kann man den Präsidenten deshalb aber noch nicht", warnt Thomas Jäger. "Denn dieser amerikanische Wahlkampf hat doch stets, wenn es so aussah, als sei er vorhersehbar, eine völlig neue Wendung genommen."

Über den Experten

Thomas Jäger ist Professor für Internationale Politik und Außenpolitik an der Universität zu Köln. In seinem Essay "Das Ende des amerikanischen Zeitalters" schreibt Jäger darüber, was Donald Trumps Außenpolitik nach dem Motto "America First" für Deutschland bedeutet.

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