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dpatopbilder - 06.11.2020, USA, Wilmington: Joe Biden (l), Pr

In gespannter Erwartung: der demokratische Präsidentschaftskandidat Joe Biden und Vizepräsidentschaftskandidatin Kamala Harris. Bild: dpa / Carolyn Kaster

Analyse

Warum immer noch nicht bekannt gegeben wird, wer die US-Wahl gewonnen hat

Die Hängepartie nach der US-Präsidentschaftswahl geht weiter: Auch drei Tage nach der Wahl vom Dienstag steht noch kein Sieger fest. Der demokratische Kandidat Joe Biden baut seinen Vorsprung gegenüber Amtsinhaber Donald Trump in Schlüsselstaaten wie Pennsylvania, Georgia und Nevada weiter aus. Die großen US-TV-Sender haben aber bis Samstagmorgen (Ortszeit) immer noch keinen Wahlsieger ausgerufen, weil die Rennen zu eng waren. Einzig das Nachrichtenportal "Business Insider" und das Wahlanalyse-Portal Decision Desk HQ haben schon erklärt, dass Biden der nächste Präsident der USA wird.

Warum wurde der Sieger der Präsidentschaftswahl noch nicht ausgerufen?

In Pennsylvania hatte Biden zuletzt mehr als 28.800 Stimmen Vorsprung vor Trump, in Nevada mehr als 22.600 Stimmen und in Georgia rund 7200 Stimmen. In Arizona schrumpfte sein Vorsprung, betrug aber immer noch knapp 30.000 Stimmen. Trump wiederum lag im Swing State North Carolina mehr als 76.000 Stimmen vor Biden und war auch in Alaska Favorit.

In allen anderen Bundesstaaten wurden bereits Trump oder Biden als Sieger ausgerufen. Nach jetzigem Stand kommt Biden auf mindestens 253 der 270 Wahlleute, die er für einen Sieg braucht. Wird Arizona hinzugerechnet, wo ihn einige Medien bereits zum Sieger ausgerufen haben, sind es 264. Trump hat derzeit 213 oder 214 Wahlleute sicher.

Die Stimmenauszählung dauert in diesem Jahr wegen der massiven Zunahme der Briefwahl infolge der Coronavirus-Pandemie besonders lange. In den Tagen nach dem Wahl-Dienstag hatte es mehrfach so ausgesehen, als könnten die US-Sender bald einen Sieger ausrufen - dies bewahrheitete sich aber nicht.

Ein Sieg in Pennsylvania mit seinen 20 Wahlleuten würde Biden für den Gesamtsieg reichen. Laut CNN könnte das Ergebnis dort in den kommenden Stunden feststehen. Ohne Pennsylvania käme der frühere Vizepräsident mit Arizona (elf Wahlleute) und Nevada (sechs Wahlleute) genau auf die notwendigen 270 Wahlleute-Stimmen und mit Georgia (16 Wahlleute) und Nevada auf 275 Stimmen. In Georgia sollen die Stimmen wegen des sich abzeichnenden äußerst knappen Ausgangs allerdings neu ausgezählt werden.

In Pennsylvania wächst Bidens indes weiter, je mehr Stimmen ausgezählt werden. Doch die großen TV-Sender wie CNN, ABC, MSNBC und Fox News bleiben weiter zurückhaltend. Dafür gibt es mehrere mögliche Gründe:

  1. Laut dem Nachrichtenportal Vox.com kann das daran liegen, dass die Sender darauf warten, dass Biden in Pennsylvania einen Vorsprung von über 0,5 Prozent erreicht. Der Grund: Wenn der Vorsprung darunter liegt, müssen die Stimmen nach den Gesetzen des Staates Pennsylvania neu ausgezählt werden.
  2. Außerdem möchten die Sender auf keinen Fall daneben liegen und so die eigene Reputation gefährden. Die großen Nachrichtensender in den USA haben eigene "Decision Desks" – Redaktionen also, die nach Wahlen dafür zuständig sind, nach Analyse aller verfügbaren Daten Wahlsieger auszurufen. Selbst, falls Biden trotzdem gewinnt, will kein Network sich die Blöße geben, den falschen entscheidenden Staat auszurufen: Wenn also am Ende beispielsweise Nevada, Georgia und Arizona Biden den Sieg brächten, Pennsylvania aber doch nicht an ihn gingen – dann hätte sich der Sender blamiert, der Pennsylvania für Biden ausgerufen hat. Vielen Sendern steckt noch das Trauma des Jahres 2000 in den Knochen: Damals hatten mehrere große Sender in der Wahlnacht den demokratischen Kandidaten Al Gore schon zum Präsidenten ausgerufen – am Ende wurde der Republikaner George W. Bush es.
  3. Ein Unsicherheitsfaktor sind außerdem die rund 100.000 noch nicht ausgezählten "Provisional Ballots" in Pennsylvania: Das sind Wahlzettel, die jene Wähler abgeben, die ursprünglich per Brief abstimmen wollten – sich aber kurzfristig noch dafür entschieden haben, persönlich im Wahllokal abzustimmen. Darunter könnten laut MSNBC-Analyst Steve Kornacki vergleichsweise viele republikanische Wähler sein – und damit Stimmen für Trump, die das Ergebnis in Pennsylvania theoretisch noch drehen könnten.

(se/mit Material von afp)

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