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EDINBURGH, SCOTLAND - NOVEMBER 14: Former White House strategist Steve Bannon is interviewed by Sarah Smith from the BBC as he takes part in the News Xchange 2018 conference on November 14, 2018 in Edinburgh, Scotland. Mr Steve Bannon faced protests as he arrived to address an international media event in Edinburgh. (Photo by Jeff J Mitchell/Getty Images)

Dominic Cummings (vorne), der Chefstratege des britischen Premiers, erinnert an Steve Bannon (hinten). Bild: getty images/montage watson

Analyse

Boris Johnsons Chefstratege setzt auf Chaos, Drohungen und Lügen – genau wie Steve Bannon

Der Chefstratege des britischen Premierministers setzt auf die gleichen Rezepte wie der ehemalige Chefstratege Trumps: Chaos, Drohungen und Lügen.

Philipp Löpfe / watson.ch

Die vergangenen Tage waren ein Desaster für Premierminister Boris Johnson: Regierungsmitglieder, darunter sein Bruder, sind zurückgetreten. Hochangesehene Mitglieder der Konservativen haben ihren Parteirücktritt verkündet. Das Parlament hat ihm ein Verbot aufs Auge gedrückt, die EU ohne Deal zu verlassen, und ihm Neuwahlen verweigert.

Was aber, wenn das alles so geplant war? Wenn dahinter ein ausgeklügelter Plan steckt, welcher die britische Demokratie – eine der ältesten der Welt – aushebeln und das Vereinigte Königreich Ungarn-mäßig in einen autoritären, nationalistischen Staat verwandeln soll?

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Brexit-Gegner demonstrieren gegen Johnsons Politik. Bild: imago images / ZUMA Press

Das zumindest fürchten derzeit einige auf der Insel, und sie wissen auch, wem sie diese Ängste zu verdanken haben: Dominic Cummings heißt der Mann, und er hält derzeit die Fäden der Macht in Westminster in der Hand. Er soll einen Plan haben, wie er das "Volk" gegen die "Elite der Politiker" aufhetzen und so einen No-Deal-Brexit durchboxen kann.

Boris Johnson ist kein kühl kalkulierender Stratege. Er ist ein gewissenloser Opportunist, der sich von den jeweils dominierenden Trends treiben lässt. Als Journalist in Brüssel war er ein Zyniker, als Bürgermeister von London war er ein liberaler, urbaner Globalist. Jetzt gibt er sich als Nationalist und Pseudo-Churchill.

Ganz anders sein Chefstratege Cummings. Dieser gilt als politisches Genie und als der Mann, der die Brexit-Kampagne zum Erfolg geführt hat.

Cummings hat viele Gemeinsamkeiten mit Steve Bannon, Trumps ehemaligem Chefstrategen. Wie Bannon hat Cummings die Brexit-Kampagne zu einem Zeitpunkt übernommen, als niemand an einen Sieg geglaubt hat. In den Umfragen lagen die Brexiteers zunächst weit zurück. Während die Remainer, die Briten, die in der EU bleiben wollen, auf die Karte Wirtschaft und Vernunft vertrauten, setzte Cummings auf Chauvinismus und den Bauch.

July 27, 2019, Sunland Park, New Mexico, USA: Former White House Chief Strategist STEVE BANNON speaks during the Symposium at The Wall event next to the privately-funded fence along the U.S.-Mexico border in Sunland Park, New Mexico. Sunland Park USA PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY - ZUMAj106 20190727_zap_j106_004 Copyright: xJoelxAngelxJuarezx

Trumps Ex-Berater Steve Bannon. Bild: imago images / ZUMA Press

Er kreierte den simplen, aber wirksamen Slogan "Wir wollen die Kontrolle zurück" und wandte die gleichen Rezepte an wie Bannon bei Trumps Wahlkampagne. Jenni Russel beschreibt sie in der "New York Times" wie folgt:

"Mr. Cummings hat bewiesen, dass Geschichten und Lügen, verbunden mit strategischen Täuschungen, Überzeugung und Rücksichtslosigkeit weit wirksamer sein können als Vernunft und Fakten. Es zahlte sich für ihn aus, dass er jahrelang fast besessen die Strategien von Denkern wie Otto von Bismarck studiert hatte."

Cummings ist kein in der Wolle gefärbter Tory, ja er ist nicht einmal Parteimitglied. Der Sohn eines Ölmanagers und einer Lehrerin hat zwar ebenfalls an der Eliteuniversität in Oxford studiert. Doch er hegt gegenüber dem konservativen Establishment die gleiche Verachtung wie Steve Bannon gegenüber dem Establishment der Grand Old Party.

Cummings ist auch kein Gentleman, er will gewinnen, und zwar um jeden Preis. Deshalb setzt er alles daran, die bestehenden Strukturen zu zerstören, und hat keine Achtung vor nichts. Matt Sanders, der kurzzeitig mit ihm im Erziehungsdepartement gearbeitet hat, beschreibt ihn wie folgt:

"Dominic liebt das Chaos. Er hat nun seine virtuelle Handgranate in Westminster explodieren lassen und alle sprechen über ihn. Sollten gemässigte Parlamentarier nun über ihn jammern, wird er sich denken: 'Ich habe etwas richtig gemacht.'"

Mittlerweile regt sich in der Konservativen Partei Widerstand gegen Cummings. So bezeichnet ihn der ehemalige Premierminister John Major als "politischen Anarchisten". Ein hochrangiges Parteimitglied spricht vom Duo Johnson/Cummings wie folgt: "Ich bin nicht sicher, ob Boris das Kleingedruckte in Cummings' Plan gelesen hat – das ist der ultimative Beweis, dass der eine ein Scharlatan und der andere ein Psychopath ist."

September 4, 2019, London, United Kingdom: British Prime Minister Boris Johnson is seen leaving No 10 Downing Street to attend his first Prime Minister s Questions at the House of Commons. Later today the MPs will debate bill that could block no-deal Brexit. London United Kingdom PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY - ZUMAs197 20190904_zaa_s197_012 Copyright: xStevexTaylorx

Bild: imago images / ZUMA Press

Zudem sind längst nicht alle von Cummings' politischem Genie überzeugt. Einige glauben, dass er mit seiner Taktik Johnson als Premierminister bereits verbrannt hat. Cummings dürfte dies nicht kümmern. Für ihn ist das alles ein Spiel. "Er hat einen unstillbaren Appetit auf Risiko", sagt sein ehemaliger Arbeitskollege Sanders. "Er dürfte total happy sein."

Der Premierminister hingegen hat sich auf Gedeih und Verderb Cummings' Strategie unterworfen. Er soll eventuell gar bereit sein, sich über das vom Parlament beschlossene No-Deal-Gesetz hinwegzusetzen. Das könnte böse für Johnson enden – eventuell gar im Knast.

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