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FILE PHOTO: Swedish climate activist Greta Thunberg talks to the media before meeting with EU environment ministers in Brussels, Belgium, March 5, 2020. REUTERS/Johanna Geron/File Photo

Greta Thunberg. Bild: reuters / Johanna Geron

Greta Thunberg fordert Merkel auf: "Sie soll die Wahrheit sagen"

Die schwedische Klimaschutzaktivistin Greta Thunberg hat Bundeskanzlerin Angela Merkel dazu aufgefordert, in der Klimakrise "die Wahrheit" auszusprechen. In einem Interview mit der "Zeit" sagte Thunberg auf die Frage, warum die deutsche Kanzlerin aus ihrer Sicht zu wenig für den Klimaschutz tut:

"Weil jeder jeden verantwortlich macht bei diesem Thema, bis dann niemand mehr irgendwas machen kann. Dabei hat sie eine enorme Verantwortung, die sie auch wirklich wahrnehmen sollte. Ganz offensichtlich braucht Angela Merkel die Unterstützung der Bevölkerung, sie braucht politischen Druck, sonst wird sie keine unbequemen Entscheidungen treffen. Genug Druck bekommen Politiker weltweit aber deshalb nicht, weil wir uns die Klimakrise zu wenig bewusst machen. Darum wird die Krise nicht wie eine Krise behandelt."

Und später, auf die Frage von "Zeit"-Vizechefredakteur Bernd Ulrich, was Merkel denn tun sollte:

"Sie sollte einfach die Wahrheit aussprechen. Aber das gilt für alle Staatschefinnen und -chefs, ich möchte hier nicht speziell Angela Merkel kritisieren."

Thunberg will keine Sprecherin sein

Thunberg äußerte sich auch zu ihrer Rolle in der internationalen Klimaschutzbewegung Fridays for Future, als deren globales Gesicht sie gilt. Sie sei "keine Sprecherin", sagte Thunberg und ergänzte:

"Ich repräsentiere niemanden, dies ist eine Graswurzelbewegung, in der keiner im Namen von jemand anderem spricht. Und jeder und jede in der Bewegung ist gleich wichtig."

Den Personenkult um sie sieht Thunberg nach eigener Aussage kritisch. Sie sagte dazu wörtlich:

"Es ist doch eine Schande, dass der Fokus so auf mir liegt. Aber ich verstehe schon, warum. Die Klimakrise ist eben schwer zu kommunizieren, darum reden die Medien über mich. Aber es verschiebt den Blickwinkel vom Klima hin zu mir, das ist sehr unglücklich. Es ist, als würden die Menschen über den Feueralarm reden, anstatt das Feuer zu löschen."

Sie sei auch keine "Repräsentantin" der Klimabewegung, sagte Thunberg außerdem. Sie fühle "keinen Druck" und könnte "jederzeit sagen, nein, ich mache das nicht mehr, das wäre dann auch in Ordnung." Alles, was Fridays for Future erreicht habe, habe man als Bewegung erreicht, nicht als Einzelne.

Was Thunberg zu ihrer "How dare you"-Rede sagt

Greta Thunberg, die im kommenden Februar 18 Jahre alt wird, sprach auch über ihre Rede bei den Vereinten Nationen im vergangenen Jahr. Ihr emotional vorgetragener Satz "How dare you?" ("Wie können Sie es wagen?") löste Zustimmung, aber auch heftige Kritik aus – und wurde zur Vorlage für Memes und Remixe auf Social-Media-Plattformen.

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Greta Thunbergs Rede vor der UN-Vollversammlung. Video: YouTube/Guardian News

Auf die Frage, ob sie die Rede bereue, sagte Thunberg nun der "Zeit": "Nein, ich habe die Leute dazu gebracht, darüber zu reden." Und auf die Entgegnung "Manchen haben Sie auch Angst gemacht" antwortete sie:

"Sie meinen, es gibt wirklich Menschen, die sich vor einem kleinen Mädchen fürchten?"

Thunberg darüber, wie weiß Fridays for Future ist

"Ja, wir sind eine sehr weiße Bewegung", sagte Thunberg zudem zur Frage, ob Fridays for Future vor allem von privilegierten, wohlhabenden Jugendlichen geprägt ist. Man könne aber nicht über die "Zusammensetzung der Bewegung" entscheiden.

Das Problem hatten zuletzt auch Vertreter der deutschen Fridays for Future immer wieder thematisiert – unter anderem die deutsche Aktivistin Luisa Neubauer im watson-Interview.

Sich selbst bezeichnet Thunberg als "privilegiert". Auf die Frage, warum so viele Menschen "süchtig" nach Konsum, Fleisch oder Plastik seien, antwortete Thunberg:

"Die Menschen hängen von diesen Dingen ab, um ein normales Leben zu führen, weil es in unserem System unmöglich ist, nachhaltig zu leben. Schon wenn man Steuern zahlt, subventioniert man die Zerstörung. Keiner ist clean, ich natürlich auch nicht. Allerdings kümmere ich mich nicht um diese oberflächlichen Sachen wie Kleidung oder Fleisch essen. Ich kann gut ohne all das leben, viele können es aber nicht, insofern bin ich natürlich privilegiert."

(se)

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