International
. 11/07/2019. London, United Kingdom. Boris Johnson Campaigning. Boris Johnson Campaigning at a members event at Stoke Park, during his bid to become the new Conservative Party leader and Britain s new Prime Minister. PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxHUNxONLY xAndrewxParsonsx/xi-Imagesx IIM-19900-0004

Bild: www.imago-images.de

Boris Johnson wird neuer Premierminister: Das ist seine Chronik von Lügen

Boris Johnson hat stets gelogen: zunächst als Journalist, später als Politiker. Das bremste seinen Aufstieg nicht. Im Gegenteil. Nun tritt er das wichtigste Amt Großbritanniens an.

Jonas Mueller-Töwe / t-online

"König der Welt" habe Boris Johnson als Kind werden wollen, verriet seine Schwester Rachel einst seinem Biografen. Das wird zwar nichts, aber immerhin konnte der Sohn wohlhabender Eltern sein anderes großes Ziel erreichen: Er übernimmt als Nachfolger von Theresa May die konservative britische Regierungspartei – und wird damit auch Premierminister.

Es ist die vorläufige Krönung seiner Karriere und ein Beispiel dafür, wie wenig Aufrichtigkeit und Integrität in der britischen Politik zu zählen scheinen.

Denn Johnsons Karriere begann mit Lügen – und setzte sich mit Lügen fort. Immer dort, wo er eine Aufstiegsmöglichkeit ausmachte, folgten Vorwürfe, er nehme es mit der Wahrheit nicht allzu genau. Woher dabei sein Image als politischer Underdog rührt, dem vieles verziehen wird, ist schwer erklärbar. Johnson musste sich nie hocharbeiten. Seine Privilegien bewahrten ihn immer vor dem Absturz. Witz, Charme und Unverschämtheiten machten ihn beliebt.

Eine Chronik der Lügen von Boris Johnson

FILE PHOTO: Greek minister for culture Melina Mercouri (R) speaks with President of the Oxford Union society Boris Johnson before she addressed the Union on the subject of the Elgin Marbles at the University of Oxford, Britain, June 12, 1986.  SCANNED FROM NEGATIVE.  REUTERS/Brian Smith/File Photo

Boris Johnson an der Oxford-Universität: Schon dort soll er sich auf einen Führungsposten gemogelt haben. Bild: REUTERS

1986: Johnson wird Präsident des Debattierklubs der Elite-Universität Oxford. Sein Kampagnenhelfer verrät später, wie er es wird: Demnach gab sich der konservative Johnson als Unterstützer der Sozialdemokraten aus. Johnson selbst gibt an, sich an dieses Detail nicht zu erinnern.

1987: Über Beziehungen seiner Familie beginnt Johnson seine Karriere als Journalist bei der Londoner Traditionszeitung "The Times". Lange währt sie nicht – wenig später wird er gefeuert. Bereits in seiner ersten Titelstory hat er ein Zitat erfunden. Ein Missgeschick, sagt Johnson später.

1988: Johnson wechselt zum konservativen Hausblatt "The Daily Telegraph", zunächst als Kolumnist, dann viele Jahre als Brüssel-Korrespondent. Berufskollegen halten ihm immer wieder unwahre Behauptungen in seinen Artikeln vor. Unter anderem enthüllt er angebliche Pläne der EU, Kondomgrößen zu standardisieren und eine "Bananenpolizei" einzuführen. Laut seiner früheren Mitarbeiterin und Biografin erfindet er dabei auch Quellen.

1995: Ein brisantes Telefongespräch aus dem Jahr 1990 wird öffentlich. Ein krimineller Freund bittet Johnson darum, ihm die Adresse eines Journalisten zu besorgen – damit er ihn aufgrund seiner Recherchen zusammenschlagen lassen könne. Johnson willigt ein. Das sei aber nur ein Scherz gewesen, sagt Johnson später. Sein Freund wird verurteilt – und bedauert später, den Angriff nicht durchgeführt zu haben.

2001: Mittlerweile ist Johnson zum Chefredakteur des konservativen "Spectator" geworden – indem er das Versprechen gab, seine politische Karriere nicht weiter zu verfolgen. Trotzdem wird Johnson Abgeordneter im Parlament. "Unsagbar doppelzüngig" nennt das der so hinters Licht geführte Eigentümer.

Bild

Bild: imago images / Paul Marriott

2004: Johnson ist in diesem Jahr bereits für einen Posten im Kultusministerium gesetzt. Einen Strich durch die Rechnung macht ihm eine jahrelange außereheliche Affäre, die der Konservative brüsk von sich weist. "Mumpitz" und "Schwachsinn" seien die Berichte darüber. Dann bestätigt die Mutter der Frau jedoch sogar zwei Abtreibungen. Wenige Stunden später ist Johnson den in Aussicht gestellten Posten los.

2008: Kokain habe er mal genommen, ja, sagt Johnson 2005. An der Uni sei das gewesen, bestätigt er zwei Jahre später noch einmal. 2008 erinnert er sich, dabei 19 Jahre alt gewesen zu sein. Als die Bekenntnisse dann kurz vor der Bürgermeisterwahl in London Schlagzeilen machen, streitet er alles ab. "Zu sagen, ich hätte Kokain genommen, ist einfach unwahr."

Britain's Conservative Party leadership contender Boris Johnson during a Tory leadership hustings in Darlington, England, Friday July 5, 2019.  The two contenders, Jeremy Hunt and Boris Johnson are competing for votes from party members, with the winner replacing Prime Minister Theresa May as party leader and Prime Minister of Britain's ruling Conservative Party. ( Owen Humphreys/PA via AP)

Bild: PA

2008–2016: Auch in seiner Amtszeit als Bürgermeister von London nimmt es Johnson nicht so genau mit der Wahrheit. Die schwere Jugendkriminalität sei gesunken, sagte er – dabei war sie gestiegen. Die Anzahl von Polizeibeamten sei gestiegen, sagte er – dabei war sie gesunken. Beliebt ist er trotzdem, auch weil er in seiner Amtszeit zum Teil recht linke Positionen vertritt. Er unterstützt beispielsweise öffentlich Barack Obama in der Wahl zum US-Präsidenten.

2015: Johnson ist nach seiner Zeit als Bürgermeister zurück im britischen Parlament – und stellt sich wenig später auf die Seite der Brexit-Befürworter. Einige Parteikollegen deuten das als Machtpoker, um seinem Parteikollegen und damaligen Premierminister David Cameron das Wasser abzugraben. Johnson sei gar nicht für den EU-Austritt, sagt Parteiurgestein Nicolas Soames. Das habe Johnson ihm persönlich am Tag zuvor noch gesagt. Nach dem Brexit-Votum wird Johnson Außenminister unter Premierministerin Theresa May.

2016: In der Kampagne zum britischen EU-Austritt setzt Johnson wohl zu seiner größten und weitreichendsten Lüge an: der Behauptung, dass Großbritannien der EU wöchentlich 350 Millionen Pfund überweise. Das sei irreführend und untergrabe das Vertrauen in offizielle Statistiken, korrigiert die britische Statistikbehörde. Selbst die Austrittsbefürworter räumen ein, die Zahl sei stark übertrieben – Johnson hingegen sagt, sie sei sogar untertrieben. Diese Behauptung bringt Johnson sogar beinahe vor Gericht.

Das große Finale von Boris Johnson

Johnson hat es nun geschafft. Schon lange hatte er es auf das Amt des Premierministers abgesehen – daran gibt es kaum einen Zweifel. Zuletzt half er tatkräftig mit, seine Parteikollegin Theresa May zu Fall zu bringen. Er trat von seinem Kabinettsposten zurück und schrieb fortan in einer wöchentlichen "Telegraph"-Kolumne gegen Mays Brexit-Pläne an. Als May ihren Rücktritt erklärte, galt Johnson schnell als haushoher Favorit für ihre Nachfolge. Trotz der Warnungen seiner früheren Berufskollegen und Arbeitgeber, dass er nicht geeignet sei für das Amt.

Doch den Brexit-Hardlinern verspricht Johnson einen EU-Austritt zum 31. Oktober – mit Abkommen oder ohne. Das scheint den Ausschlag zu geben. Gleichzeitig behauptet er, die Chancen eines No-Deal-Brexits seien eins zu einer Million. Zuletzt schrieb er, die Probleme seien leichter lösbar als eine Mondlandung.

Ob er tatsächlich einen detaillierten Plan hat, wie er das Dilemma lösen will, darf bezweifelt werden. Prominente Parteifreunde schließen nicht aus, dass sie bald im Parlament ein Misstrauensvotum gegen ihn unterstützen.

(Mit Material der Nachrichtenagenturen dpa, AFP, Reuters)

Dieser Artikel erschien zuerst bei t-online.de

Wooferendum – Hundeprotest gegen den Brexit

Das könnte dich auch interessieren:

Gottschalk über Helene Fischer und Florian Silbereisen: "Hatte immer schlechtes Gefühl"

Link zum Artikel

Brief ans Jobcenter: Bitte hört auf, meine über 60-jährige Mutter in Jobs zu drängen

Link zum Artikel

Bei Pressekonferenz nach BVB-Sieg: Favre merkt nicht, dass Mikro schon an ist

Link zum Artikel

Luke Mockridge macht Andrea Kiewel in seiner Show ein Angebot – die blockt ab

Link zum Artikel

Kontakt mit 2 Bundesliga-Stars – warum der FCB trotzdem keinen Lewandowski-Backup holte

Link zum Artikel

Luke Mockridge traf Kiwi noch kurz vor Auftritt: Wie er beim "Fernsehgarten" alle täuschte

Link zum Artikel

Krankenschwester warnt bei Maischberger: "Wir laufen auf eine riesige Katastrophe zu"

Link zum Artikel

Luke Mockridge über die Folgen seines ZDF-Auftritts: "Meine Eltern erhielten Hassbriefe"

Link zum Artikel

Hartz-IV-Show "Zahltag": Wie die Sendung falsche Hoffnungen schürt

Link zum Artikel

"Null Toleranz gegen Rassismus" – und 5 weitere Punkte aus Merkels Bundestags-Rede

Link zum Artikel

Alleinerziehend mit Hartz IV: Achtjährige sammelt Flaschen, um Taschengeld zu bekommen

Link zum Artikel

"Zahltag": Buschkowsky erklärt, warum ein Geldkoffer Hartz-IV-Empfängern nicht hilft

Link zum Artikel

Helene Fischer: Erstes reguläres Konzert für 2020 angekündigt

Link zum Artikel

2 Handelfmeter? Darum gab es für die DFB-Elf gegen Nordirland keinen Videobeweis

Link zum Artikel

In Berlin gab es eine Notlandung mit mehreren Verletzten

Link zum Artikel

Helene Fischer und Thomas Seitel: Polizei spricht von Einsatz auf ihrem Anwesen

Link zum Artikel

7 Zitate, die zeigen, wie "bürgerlich" Alexander Gauland wirklich ist

Link zum Artikel

Helene Fischer verrät, für welche Gage sie am Anfang spielen musste

Link zum Artikel

Bachelorette Gerda verrät, was in ihrer ersten Nacht mit Keno wirklich passierte

Link zum Artikel

Als Gauland sich im ZDF verteidigen will, reicht es Lanz: "Albern, das ist albern"

Link zum Artikel

Helene Fischer erklärt, was vor Auszeit geschah: "So etwas noch nie erlebt"

Link zum Artikel

Kandidat zwingt RTL, "Bachelorette"-Finale zu ändern: "Wir waren selbst überrascht"

Link zum Artikel

"Hätten es besser machen können" – Salihamidzic gibt Fehler in Transferperiode zu

Link zum Artikel

"Höhle der Löwen": Gründer sorgte für Eklat in QVC-Sendung

Link zum Artikel

Neue Foto von Lena Meyer-Landrut sorgt für hämischen Helene-Fischer-Kommentar

Link zum Artikel

"Wer wird Millionär": Oliver Pocher lästert fies über Jauchs Millionen-Gewinner

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Influencer-Paar im Iran festgenommen – mutmaßlich wegen Drohnen-Fotos

Ein Paar aus Australien sitzt im Iran im Gefängnis. Das berichtete zunächst die britische Zeitung "The Times". Bei den beiden handelt es sich um eine britisch-australische Frau und ihren australischen Freund.

Das britische Außenministerium bestätigte am Mittwoch die Festnahme sowie die Festnahme einer weiteren britisch-australischen Frau. Die Festnahme erfolgte bereits im Juli, wurde aber erst jetzt bekannt.

Die Vorwürfe gegen die Personen sind unklar. Oder klingen zunächst kurios.

Die beiden …

Artikel lesen
Link zum Artikel