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Ein Schwein schaut zwischen Zaunlatten hindurch. *** A pig looks through fence pickets

Bild: imago stock&people

In China sind gerade 100 Millionen Schweine gestorben – das musst du wissen

Die Afrikanische Schweinepest wütet gerade in China. Ein Drittel der gesamten dortigen Schweinepopulation ist der Krankheit bereits zum Opfer gefallen. Die Regierung spielt die Sache herunter, hat aber mittlerweile Maßnahmen eingeleitet.

Dennis Frasch / watson.ch

Was ist passiert?

Im August vergangenen Jahres ist in China die Afrikanische Schweinepest (ASP) ausgebrochen. Wie die Business Times China berichtet, hat die Viruserkrankung bereits über 100 Millionen Schweine auf dem Gewissen. Ein Ende ist nicht in Sicht. Schätzungen gehen von bis zu 200 Millionen toten Tieren bis Ende des Jahres aus – das wären mehr als ein Viertel der globalen Schweinepopulation.

Das Virus betrifft auch die umliegenden Länder wie Russland, Vietnam oder Kambodscha. In Vietnam wurden anfang des Jahres zwei Millionen infizierte Tiere gekeult.

Auch in Europa ist die Seuche bereits angekommen. Die World Organisation for Animal Health (OIE) zählt elf Länder in Europa auf, in denen Schweine am Virus gestorben sind. Namentlich sind das:

Laut OIE sind in diesen elf Ländern im August knapp 200.000 Schweine am Virus gestorben oder vorsorglich gekeult worden.

Dirk Pfeiffer, ein veterinärmedizinischer Epidemiologe an der City University of Hong Kong, sagte in einem Interview mit dem Guardian:

Das ist der größte Tierseuchenausbruch, den wir je auf unserem Planeten erlebt haben. Vergleicht man die Schäden, so lässt es die Maul- und Klauenseuche und die Rinderwahn-Ausbrüche blass aussehen.

China beherbergt die Hälfte der globalen Schweinepopulation. Ein Drittel der chinesischen Tiere ist bereits tot, ein weiteres Drittel ist unmittelbar vom Virus bedroht. Die Chinesen sind zudem die größten Konsumenten von Schweinefleisch und die jetzige Epidemie bedroht nicht nur die globale Schweinefleisch-Versorgungskette, sondern auch die soziale Stabilität des Landes. Viele Bauern leben von der Schweinezucht und sehen sich nun gezwungen, ihre Tiere zu töten, wenn dies ASP noch nicht für sie erledigt hat.

Die unvorstellbar hohe Opferzahl hat sich auch auf den Preis für Schweinefleisch ausgewirkt. Laut dem Wall Street Journal müssen Einzelhändler, verglichen mit letztem Jahr, fast 70 Prozent mehr für Schweinefleisch bezahlen.

Was geschieht nun?

Die chinesische Regierung hat das Problem lange Zeit heruntergespielt. Laut einem Berichts der Welt von Ende Mai hat Meng Wei, Sprecher der Reform- und Entwicklungskommission NDRC, gesagt, dass die steigenden Preise "nicht überbewertet werden sollen". Es gebe ausreichend Alternativen wie Geflügel, Fisch und Eier.

Mittlerweile kann die Regierung das Problem nicht mehr schönreden. Vereinzelte Städte haben eine Rationierung eingeführt, die die Bürger daran hindert, mehr als eine bestimmte Höchstmenge an Schweinefleisch zu kaufen. Einige Kommunalverwaltungen bieten Rabatte auf Schweinefleisch an, um steigende Preise auszugleichen.

Auch die Zentralregierung in Peking hat reagiert: Sie hat Subventionen für schweinehaltende Betriebe und Familien genehmigt, die von steigenden Preisen betroffen sind. Vergangene Woche kündigte Peking zudem weitere Maßnahmen an, um Schweinehalter und -produzenten zu ermutigen, mehr Tiere zu züchten. Auch plant die Regierung erweiterte Unterstützung von Schweinebauern, dies in Form von erhöhten Subventionszahlungen, Unterstützung bei der Vermittlung von Krediten und einem höheren Versicherungsschutz.

Sowohl das Finanz- als auch das Agrarministerium drängen die lokalen Behörden zudem, Gelder für künstliche Befruchtung bereitzustellen.

Hilft all dies nichts, so sei die Regierung in Peking bereit, ihre Vorräte an gefrorenem Schweinefleisch anzuzapfen.

Was ist die Afrikanische Schweinepest eigentlich?

Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) beschreibt die Afrikanische Schweinepest als "eine hochansteckende, fieberhafte Viruserkrankung bei Schweinen". Der Erreger gehört zur Familie der behüllten ds-DNA-Viren. ASP kommt sowohl bei Haus- als auch bei Wildschweinen vor. Ihren Ursprung hat ASP in Kenia, wo Lederzecken das Virus auf andere Schweine übertragen.

Durch Verschleppung im Reiseverkehr wurde ASP in der ganzen Welt verteilt. Der Erreger kann indirekt über das Verfüttern erregerhaltiger Fleischabfälle übertragen oder über Geräte und Transportfahrzeuge verschleppt werden, da das Virus in der Umwelt und in schweinefleischhaltigen Produkten lange ansteckend bleibt.

Gemäß dem deutschen Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit FLI entwickeln die Tiere nach einer Infektion sehr schwere, aber unspezifische Allgemeinsymptome wie Fieber, Apathie, Nasen- und Afterblutungen, Atemnot und Erbrechen. Die Todesrate bei ASP beträgt fast 100 Prozent.

Impfungen gegen das Virus gibt es momentan keine. Das ist so, obwohl Wissenschaftler bereits im März 2018 in der Fachzeitschrift The Veterinary Journal davor gewarnt haben, dass die Entwicklung von Impfstoffen gegen ASP durch große Wissenslücken über ASFV-Infektionen und Immunität behindert werde, und dass das Virus die globale Schweine-Industrie gefährden könnte.

Für den Menschen ist die Krankheit übrigens nicht gefährlich.

Wie sieht die Situation in der Deutschland aus?

Gemeldete Fälle gibt es in Deutschland noch keine. Paradoxerweise verschafft die Situation laut reuters sogar einen wirtschaftlichen Auffschwung für die deutschen Fleischproduzenten. Der deutsche Branchendienst “fleischwirtschaft.de” berichtete demnach, Analysten würden davon ausgehen, dass die Erzeugung in der Volksrepublik im Gesamtjahr 2019 um bis zu 25 Prozent zurückgehen werde.(reuters)

Davon würden EU-Landwirte profitieren. Der EU-Kommission zufolge seien die Schweinefleisch-Exporte nach China im ersten Halbjahr um knapp 42 Prozent gestiegen. Die Entwicklung sorgt für steigende Preise für Schweinefleisch auch in Deutschland.

Bei unklaren Symptomen sollten Schweinehalter dennoch unverzüglich ihren Bestandestierarzt beiziehen, der diese mittels Ausschlussuntersuchung auf ASP abklären kann. Seit Juli 2019 wurden auf 17 Betrieben Ausschlussuntersuchungen auf ASP durchgeführt.

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