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Armeeangehörige desinfizieren einen Straßenzug in Daegu. Bild: reuters / KIM KYUNG-HOON

Wie asiatische Länder das Coronavirus mit drastischen Maßnahmen in den Griff kriegen

Patrick Toggweiler / watson.ch

Groß war das Geschrei am Anfang, als Veranstaltungen mit über 1000 Besuchern abgesagt oder ohne Zuschauer ausgetragen wurden. Von Hysterie war die Rede, von Überreaktion. Doch die Stimmung ist gekippt, das Geschrei verstummt. Kaum einer, der sich angesichts der raschen Ausbreitung von Covid-19 noch gegen drastische Maßnahmen sträubt. Ein Blick nach Italien reicht, um abzuschätzen, was noch auf uns zukommen könnte.

Doch wie sehen die Maßnahmen aus von Ländern, die einen großflächigen Ausbruch bisher verhindert haben? Was können wir von Singapur, Taiwan, Vietnam und Japan lernen?

Singapur

166 Infizierte, 0 Todesfälle

31.01.2020, Singapur, Republik Singapur, Asien - Flugreisende kommen am Flughafen Changi an und tragen Atemschutzmasken, um sich vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus zu schuetzen. *** 31 01 2020, Singapore, Republic of Singapore, Asia Air travellers arrive at Changi airport and wear respiratory masks to protect themselves from coronavirus infection

Flugreisende kommen am Flughafen Changi an und tragen Atemschutzmasken, um sich vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus zu schützen Bild: imago images / Olaf Schuelke

Singapur hat die Lehren aus der Sars-Pandemie 2002/2003 und der Schweinegrippe 2009/2010 gezogen und ein nationales Epidemie-Zentrum und Quarantäne-Gebäude eingerichtet. Bei Ausbruch von Covid-19 sprach der Inselstaat bereits früh ein Einreiseverbot für Menschen aus Risikogebieten aus, Passagieren am Flughafen wurde die Temperatur gemessen und 700 potentielle Träger, welche aus der betroffenen Region einreisten, wurden gleich unter Quarantäne gestellt. Doch die Maßnahmen gehen entschieden weiter.

Taiwan

48 Infizierte, 1 Todesfall

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Menschen in Taiwan mit Atemschutzmasken. Bild: ap / Chiang Ying-ying

Taiwan begann bereits am 31. Dezember mit den Kontrollen von Flugpassagieren aus der betroffenen Region Wuhan. Zu diesem Zeitpunkt waren dort erst 27 Verdachtsfälle gemeldet worden. Wenige Tage später, am 5. Januar, begann die Überwachung sämtlicher Personen, welche sich in den letzten 14 Tage zuvor dort aufgehalten hatten. Im Januar wurde ein nationaler Epidemie-Stab (Central Epidemic Command Center – CECC) eingerichtet, der seither beinahe täglich informiert und Falschinformationen aus Social-Media-Kanälen berichtigt. Das CECC ordnete an, die Produktion von Gesichtsmasken hochzufahren. Das dazu benötigte Personal wurde vom Militär gestellt.

Doch auch hier gehen die Maßnahmen weiter:

Japan

587 Infizierte, 12 Todesfälle

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Ein Mann in Schutzkleidung desinfiziert eine Grundschule in Kitahiroshima. Bild: reuters / KYODO

Japan und seine Regierung beweise im Umgang mit dem Corona-Virus seine komplette Unfähigkeit, schreibt der Politikwissenschaftler Koichi Nakano in einem Artikel in der New York Times vom 26. Februar. Und das ausgerechnet im Olympiajahr. Vor allem die öffentliche Aufklärung sei eine Katastrophe. Auch Südkorea kritisiert Japan für seine angebliche Passivität.

Die offiziellen Zahlen sprechen eine andere Sprache.

Nicht mitgezählt werden in dieser Statistik die 705 Infizierten, welche sich auf dem Kreuzfahrtschiff "Diamond Princess" ansteckten. Die Diamond Princess lag zwei Wochen unter Quarantäne im Hafen von Yokohama.

Man kann Japan schlechte Kommunikation vorwerfen und auch der Umgang mit der Diamond Princess sorgte international für Stirnerunzeln. Passivität kann man Japan aber nicht vorwerfen.

Die getroffenen Maßnahmen alleine können die tiefen Fallzahlen aber nicht erklären. Einerseits munkelt man, dass Japan es mit den Zahlen nicht so genau nimmt, andererseits gibt es weitere Gründe, weshalb Japans Anstieg an kranken Personen weniger steil verläuft.

Eine Untersuchung ergab, dass 80 Prozent der Infizierten Japaner das Virus nicht weitergaben. Weltweit geht man aber davon aus, dass in der Frühphase jeder Patient im Durchschnitt 2.2 gesunde Menschen ansteckt (Basisreproduktionszahl R0 = 2,2). Weshalb Japan ein Sonderfall ist, ist noch unklar. Spekuliert wird, dass kulturelle Unterschiede, zum Beispiel der Verzicht aufs Händeschütteln, eine Rolle spielen.

Vietnam

38 Infizierte, 0 Todesfälle

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Mitarbeiter und Passagiere von Vietnam Airlines mit Schutzmasken. Bild: reuters / KHAM

Ganz anders als Japan betrieb Vietnam eine sehr offene Kommunikationspolitik. Ein Song der Gesundheitsbehörde, der zum Händewaschen aufruft, ging sogar viral.

Doch außer lustigen Videos griff Vietnam auch schnell und rigoros durch.

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