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Eine Blutprobe wird auf das Coronavirus untersucht. bild: picture alliance/Zoonar

Dunkelziffer: Studien deuten an, wie viele Menschen wirklich schon Corona hatten

Knapp 175.000 Menschen hatten in Deutschland bisher das Coronavirus. Das besagen die Zahlen der Johns-Hopkins-Universität, das Robert-Koch-Institut verzeichnet sehr ähnliche Daten. Das klingt zwar nach einer ordentlichen Zahl. Doch im Vergleich mit 83.000.000 Einwohnern ist der Prozentsatz der Infizierten verschwindend gering.

In Wahrheit dürfte die Zahl der Menschen, die das Coronavirus bereits hinter sich haben, jedoch deutlich höher sein. Schließlich hat nicht jeder Infizierte Symptome und bemerkt überhaupt seine eigene Erkrankung. Dementsprechend kann er auch nicht zu den 175.000 bestätigten Fällen gezählt werden.

Doch wie hoch ist die Dunkelziffer an Corona-Fällen wirklich? Hierzu geben nun zwei Studien aus zwei großen europäischen Ländern Aufschluss. Die Ergebnisse sind zwar aufgrund unterschiedlicher Bedingungen in den Ländern nicht eins zu eins auf Deutschland übertragbar, aber interessant sind die Zahlen allemal.

Forscher vermuten in Frankreich 2,8 Millionen Fälle statt 178.000

Frankreich ist stark von der Corona-Epidemie betroffen, am 17. März wurde der Lockdown verhängt. Was die Fallzahlen anbelangt, ähnelt das Land denen Deutschlands sehr. Laut Johns-Hopkins-Universität gibt es bis heute gut 178.000 bestätigte Fälle in Frankreich, 3000 mehr als hierzulande.

Nun wurde im "Science Magazine" eine Studie veröffentlicht, die basierend auf Modellen für Krankenhaus- und Todesdaten schätzt, wie groß die Auswirkungen des Lockdowns sind und wie viele Menschen in Wahrheit bereits infiziert waren.

Die Forscher schätzen aufgrund ihrer Rechnungen, dass 4,4 Prozent der Bevölkerung bisher infiziert waren. Das entspricht 2,8 Millionen Menschen. Ein Vielfaches der offiziell bestätigten Zahlen.

Die Forscher, die hauptsächlich für das Institut Pasteur und die französische Regierung arbeiten, gehen davon aus, dass durch den Lockdown die Ausbreitung des Virus um 80 Prozent reduziert wurde.

Wie die Forscher betonen, handelt es sich bei den Zahlen nur um Schätzungen. Einige Faktoren sind noch immer ungewiss.

Spanien: 2,3 Millionen Fälle statt 230.000

In Spanien haben sich einer Studie zufolge bisher wahrscheinlich fünf Prozent der Bevölkerung oder 2,3 Millionen Menschen mit dem neuen Coronavirus infiziert. Dies ergab die erste Runde einer Ende April gestarteten Testreihe auf Antikörper in 36.000 Haushalten mit rund 90.000 Bewohnern, wie das Gesundheitsministerium in Madrid am Mittwochabend mitteilte. Die Tests sollen helfen, das wahre Ausmaß des Corona-Ausbruchs im Land einzuschätzen.

Offiziell lag die Zahl der mit dem Virus infizierten Spanier bei knapp 230.000. Jedoch gilt die Zahl nicht als repräsentativ, weil die Tests größtenteils bei Erkrankten mit starken Symptomen oder Mitarbeitern des Gesundheitssektors durchgeführt wurden.

Die Studie geht weiter, um genauere Ergebnisse zu erzielen: Alle Teilnehmer werden zwei verschiedenen Tests unterzogen, die insgesamt drei Mal im Abstand von drei Wochen durchgeführt werden.

Bisher gab es in den verschiedenen Autonomen Gemeinschaften des Landes sehr unterschiedliche Resultate: Während in der besonders stark betroffenen Region Madrid offenbar mehr als zehn Prozent der Bevölkerung Antikörper entwickelt hat, liegt die Zahl in weniger betroffenen Gebieten wie den Kanaren oder Mallorca nur bei etwa zwei Prozent.

Mit solchen Tests können Experten herausfinden, ob ein Mensch bereits mit Sars-CoV-2 infiziert war und dagegen Antikörper im Blut gebildet hat - auch wenn er kaum oder keine Symptome der Krankheit hatte und oft gar nichts von seiner Ansteckung wusste.

(lau/hau/mit Material von dpa)

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