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Milan - Coronavirus - The arrival of the first patient infected by Covid-19 from Bergamo to the Military Hospital of Baggio, Military Hospital Center in via Saint Bon Marco Passaro/Fotogramma, Milan - 2020-03-06 p.s. la foto e utilizzabile nel rispetto del contesto in cui e stata scattata, e senza intento diffamatorio del decoro delle persone rappresentate PUBLICATIONxINxGERxAUTxONLY Copyright: xMarcoxPassarox/xFOTOGRAMMAx

Ein Krankenwagen vor einer Klinik in Bergamo. Bild: Marco Passaro via imago images

"Eine Katastrophe": Der verzweifelte Bericht eines italienisches Arztes geht um die Welt

Seit Montag ist ganz Italien eine Sperrzone. Wer reisen will, muss dies begründen können. Schulen und Universitäten bleiben bis am 3. April geschlossen, Sportveranstaltungen wurden abgesagt. Restaurants und Bars dürfen nur noch bis 18 Uhr geöffnet sein.

Bis Dienstagabend hat das neue Coronavirus in Italien 631 Todesopfer gefordert.

Viele davon in der Region Lombardei, die an die Schweiz grenzt. Im Norden der Lombardei befindet sich die Stadt Bergamo, wo das Gesundheitssystem komplett am Anschlag ist. Dies geht aus einem Facebook-Post von Daniele Macchini hervor, einem Arzt, der an vorderster Front mithilft, die Corona-Patienten zu versorgen.

Bericht eines Arztes zum Coronavirus

Macchini ist Assistenzarzt in der Chirurgie der Klinik Gavazzini in Bergamo, und was er schreibt, geht nun um die Welt. Italienische Zeitungen haben seinen Bericht bereits aufgegriffen, auch Ärzte aus aller Welt teilen Macchinis Worte.

Sein Post gibt einen Einblick, wie sehr das Coronavirus die Gesundheitssysteme belasten kann. Und warum es so wichtig ist, dass die Bevölkerung als Ganzes das Virus ernst nimmt und versucht, seine Ausbreitung einzudämmen.

Keine Panik bei Coronavirus-Verdacht

Sars-CoV-2 ist eine neue Form des Coronavirus – einem Virus-Typ, der grippeähnliche Infekte auslöst. In den allermeisten Fällen in Deutschland verläuft eine Ansteckung mit dem Coronavirus symptomfrei bis milde: Du könntest leichtes Fieber, Halsweh und Abgeschlagenheit erleben.

Danach klingt die Krankheit meist wieder ab. Wirklich gefährlich kann das Virus nur werden, wenn du zu einer Risikogruppe gehörst: Ältere Menschen oder solche mit Vorerkrankungen (wie Krebs oder Lungenkrankheiten) sollten im Falle eines Infektionsverdachts ihren Arzt kontaktieren.

Wenn du Bedenken hast, ruf deinen Arzt bitte an, bevor du in die Praxis gehst. In Menschenmengen können sich Erreger eher verbreiten und so Patienten treffen, für die sie wirklich eine Bedrohung darstellen (die Risikogruppen). Laut Robert Koch-Institut sind Atemschutzmasken nicht erforderlich.

Auch Desinfektionsmittel benötigen nur Menschen mit geschwächtem Immunsystem und solche, die mit vielen anderen in Kontakt kommen (Verkäufer, Pfleger etc.). Achte stattdessen auf gründliches Händewaschen und Niesetikette.

Von sogenannten Hamsterkäufen jeglicher Art, ob Medizin oder Lebensmittel, ist abzuraten. Die Versorgung mit Lebensmitteln und Medikamenten in Deutschland ist sichergestellt.

Nachfolgend die wichtigsten Passagen aus dem Posting:

Weshalb er den Post gemacht hat:

"Nachdem ich lange darüber nachgedacht hatte, ob und was ich über das, was mit uns geschieht, schreiben sollte, hatte ich das Gefühl, dass das Schweigen überhaupt nicht mehr verantwortlich ist. Ich werde daher versuchen, [...] zu vermitteln, was wir in Bergamo in diesen Tagen der Covid-19-Pandemie erleben."

"Ich verstehe die Notwendigkeit, keine Panik zu erzeugen, aber wenn die Botschaft von der Gefährlichkeit des Geschehens die Menschen nicht erreicht und ich immer noch Menschen höre, die sich einen Dreck um die Empfehlungen scheren, und Menschen, die sich um sie herum versammeln und sich beschweren, dass sie nicht ins Fitnessstudio oder zu Fußballturnieren gehen können, dann erschaudere ich."

Wie alles begann:

"Ich selbst beobachtete mit einiger Verwunderung die Reorganisation des gesamten Krankenhauses in der vergangenen Woche, als unser gegenwärtiger Feind noch im Schatten stand: Die Stationen wurden langsam buchstäblich geleert, Wahlaktivitäten unterbrochen, die Intensivstation freigegeben, um möglichst viele Betten zu schaffen. [...] All diese raschen Veränderungen brachten eine Atmosphäre der Stille und surrealen Leere in die Korridore des Spitals, die wir noch nicht verstanden. Es war, als ob wir auf einen Krieg warteten, der noch beginnen sollte und von dem viele (einschließlich ich) nicht so sicher waren, dass er jemals mit einer solchen Grausamkeit kommen würde."

Wie der Tsunami hereinbrach:

"Nun, die Situation ist jetzt, gelinde gesagt, dramatisch. Mir fallen keine anderen Worte ein. Der Krieg ist buchstäblich explodiert, und die Kämpfe sind Tag und Nacht ununterbrochen."

"Einer nach dem anderen tauchen die armen Unglücklichen in der Notaufnahme auf. Die Leute kommen reihenweise ins Krankenhaus. Sie haben nicht die typischen Probleme, die durch die saisonale Grippe verursacht werden. In meinen zwei Jahren hier habe ich gelernt, dass die Menschen in Bergamo nicht grundlos in die Notaufnahme kommen. Sie haben sich richtig verhalten, sie sind mit Fieber zu Hause geblieben. Aber jetzt können sie nicht atmen, die brauchen Sauerstoff."

"Jetzt ist das Bedürfnis nach Betten in seiner ganzen Dramatik angekommen. Nacheinander füllen sich die leeren Abteilungen in einem beeindruckenden Tempo. Die Tafeln mit den Namen der Patienten, die je nach Operationseinheit unterschiedlich gefärbt sind, sind jetzt alle rot und statt einer Operation steht nun die Diagnose, die immer derselbe Mist ist: beidseitige Lungenentzündung."

"Entschuldigen Sie, aber es beruhigt mich als Arzt nicht, dass die schwerwiegendsten Fälle vorwiegend ältere Menschen mit anderen Krankheiten sind. Die ältere Bevölkerung ist in unserem Land am stärksten vertreten, und es ist schwierig, jemanden über 65 Jahre zu finden, der nicht zumindest eine Pille gegen Blutdruck oder Diabetes nimmt."

Es gibt keine Chirurgen, Urologen und Orthopäden mehr, wir sind nur noch Ärzte, die plötzlich Teil eines einzigen Teams werden, um diesem Tsunami, der uns überwältigt hat, zu begegnen. Die Fälle multiplizieren sich, wir kommen auf eine Rate von 15–20 Aufnahmen pro Tag, alle aus dem gleichen Grund. Die Ergebnisse der Abstriche kommen nun nacheinander: positiv, positiv, positiv. [...] Plötzlich bricht die Notaufnahme zusammen.

Der PC-Bildschirm mit den Gründen für die Neuzugänge ist immer derselbe: Fieber und Atembeschwerden, Fieber und Husten, Atemstillstand, usw. ... Die Untersuchungen, die Radiologie immer mit demselben Satz: beidseitige Lungenentzündung, beidseitige Lungenentzündung, beidseitige Lungenentzündung. [...]. Einige werden intubiert und auf die Intensivstation gebracht. Für andere ist es bereits zu spät.

Über die Erschöpfung des Personals:

Das Personal ist erschöpft. Ich sehe Müdigkeit in Gesichtern [...]. Ich habe gesehen, dass Menschen sogar noch länger als früher blieben, um noch mehr Überstunden zu machen, als sie es bereits gewohnt waren. Ich sah eine Solidarität von uns allen. [...]. Ärzte, die Betten verlegen und Patienten verlegen, die Therapien verabreichen, statt Krankenschwestern. Krankenschwestern mit Tränen in den Augen, weil wir nicht alle retten können [...].

"Es gibt keine Schichten mehr, keine Stunden mehr. Das soziale Leben ist für uns ausgesetzt. Ich bin seit einigen Monaten getrennt, und ich versichere Ihnen, dass ich immer alles getan habe, um meinen Sohn ständig zu sehen. [...] Aber ich habe meinen Sohn oder meine Familie seit fast zwei Wochen nicht mehr gesehen, aus Angst, sie anzustecken und damit wiederum eine ältere Großmutter oder Verwandte mit anderen gesundheitlichen Problemen zu infizieren. Ich begnüge mich mit ein paar Fotos von meinem Sohn, die ich zwischen den Tränen und ein paar Videoanrufen anschaue."

"Wegen des Mangels an bestimmten Geräten sind ich und viele andere Kollegen trotz aller Schutzmöglichkeiten, die wir haben, exponiert. Einige von uns haben sich trotz der Protokolle bereits infiziert. Einige unserer Kollegen, die infiziert sind, haben auch infizierte Verwandte, und einige ihrer Verwandten kämpfen bereits zwischen Leben und Tod. Sagen Sie Ihren Familienmitgliedern, die älter sind oder andere Krankheiten haben, dass sie zu Hause bleiben sollen. Bringen Sie ihnen bitte ihre Einkäufe."

Über Menschen, die die Maßnahmen nicht verstehen:

"Haben Sie Geduld, denn Sie können momentan nicht ins Theater, in Museen oder ins Fitnessstudio gehen. Versuchen Sie, Mitgefühl mit den unzähligen alten Menschen zu haben, die Sie mit tödlichen Folgen anstecken könnten."

"Und während es in den sozialen Medien immer noch Menschen gibt, die sich rühmen, keine Angst zu haben, indem sie die Hinweise ignorieren und protestieren, weil ihre normalen Lebensgewohnheiten vorübergehend in eine Krise geraten sind, findet eine epidemiologische Katastrophe statt."

"Bitte teilen Sie diese Nachricht. Wir müssen die Nachricht verbreiten, um zu verhindern, dass das, was hier passiert, in ganz Italien passiert."

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(cma)

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