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Wrackteile der abgestürzten Maschine nahe Teheran. Bild: dpa/Rouzbeh Fouladi

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Sieben Punkte, die wir über den Flugzeugabsturz im Iran wissen

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Was ist genau passiert?

Am Mittwoch stürzte ein ukrainisches Passagierflugzeug mit 176 Insassen in der Nähe von Teheran ab. Alle Passagiere starben bei dem Absturz. Die meisten Opfer stammten aus dem Iran und aus Kanada, wie die ukrainische Regierung am Mittwoch mitteilte.

An Bord der Boeing 737 waren der Regierung in Kiew zufolge neben 82 Iranern auch 63 Kanadier sowie elf Ukrainer, zehn Schweden, vier Afghanen sowie drei Deutsche und drei Briten. Neun der Ukrainer waren demnach Besatzungsmitglieder. Iranischen Staatsmedien zufolge waren 15 der Passagiere Kinder.

Wieso ist das Flugzeug abgestürzt?

Das ist momentan noch nicht gänzlich geklärt. Nachdem jedoch anfänglich von einem technischen Defekt ausgegangen wurde, verdichten sich nun zunehmend die Hinweise, dass die Maschine von iranischen Raketen abgeschossen wurde.

Die Regierungen in Kanada und Großbritannien haben nach eigenen Angaben Informationen, die auf einen Beschuss durch iranische Raketen hinweisen. Diese Theorie wird US-Medienberichten zufolge auch in den USA verfolgt. Offiziell wird die Ursache für den Absturz weiter untersucht.

Was sagt der Westen?

Der kanadische Premierminister Justin Trudeau sagte am Donnerstag, seine Regierung habe Informationen "von mehreren Quellen, von unseren Alliierten und eigene Informationen". Die Beweise seien "sehr klar". Der britische Regierungschef Boris Johnson sprach einer Mitteilung zufolge von einem "Korpus an Informationen", der auf einen Abschuss durch eine iranische Rakete hinweise.

Der US-Nachrichtensender CNN berichtete, der Theorie eines versehentlichen Abschusses durch den Iran lägen die Analyse von Satelliten-, Radar- und anderen elektronischen Daten zugrunde, die routinemäßig vom US-Militär und den Geheimdiensten gesammelt würden. US-Satelliten hätten außerdem den Start von zwei Boden-Luft-Raketen kurz vor der Explosion des Flugzeugs entdeckt.

Auch US-Präsident Donald Trump heizte Mutmaßungen über die Absturzursache der Maschine an. "Ich habe meinen Verdacht", sagte Trump am Donnerstag im Weißen Haus.

"Ich will das nicht sagen, weil andere Menschen auch diesen Verdacht haben. Es ist eine tragische Angelegenheit." Trump sagte weiter: "Jemand könnte einen Fehler gemacht haben." Auf die Frage, ob die Maschine aus Versehen abgeschossen worden sein könnte, sagte er allerdings: "Das weiß ich wirklich nicht."

Gibt es handfeste Beweise für einen Abschuss?

Jein. Die New York Times veröffentlichte am Donnerstagabend (MEZ) ein Video, dass den Moment zeigen soll, in dem die Maschine kurz nach dem Start vom Flughafen Teheran von einer Boden-Luft-Rakete getroffen wird. Gemäß Angaben der Zeitung konnte sie die Echtheit des Videos verifizieren. Der Standort der Aufnahme stimme mit dem letzten bekannten Ortungssignal des Flugzeugs überein.

Das US-Nachrichtenmagazin Newsweek schreibt mit Verweis auf drei nicht namentlich genannte Quellen im Pentagon, in US-Geheimdienstkreisen und in irakischen Sicherheitskreisen, dass die Boeing 737–800 der ukrainischen Fluggesellschaft MAU gemäß Erkenntnissen von iranischen Boden-Luft-Raketen vom Typ Tor-M1 aus russischer Produktion getroffen worden sei. Der Abschuss soll ein Versehen gewesen sein.

Es werde angenommen, Iran habe seine Luftabwehr aufgrund der Spannungen mit den USA in höchste Alarmbereitschaft versetzt, so Newsweek. Kurz vor dem Absturz hatte Iran zwei US-Militärbasen im Irak mit Raketen beschossen. Der Angriff war eine Reaktion auf die Tötung des hochrangigen iranischen Generals Ghassem Soleimani durch eine US-Miltärdrohne in Bagdad am 3. Januar.

Auf Twitter tauchten zudem Bilder auf, welche Überreste einer Tor-M1-Rakete in der Nähe der Absturzstelle zeigen sollen.

Der Gründer des auf die Auswertung von öffentlich einsehbaren Bild- und Videoquellen spezialisierten Portals Bellingcat, Eliot Higgins, schrieb auf Twitter, dass die Verifikation der Echtheit dieser Bilder aufgrund des kleinen und ungünstigen Bildausschnittes sehr schwierig sei.

Was sagt die Ukraine?

Kurz nach dem Absturz warnte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj noch vor "Spekulationen" und der "Verbreitung unbestätigter Theorien" über die Absturzursache.

Mittlerweile hat die Ukraine Experten nach Teheran geschickt, um gemeinsam mit dem Iran die Absturzursache zu untersuchen. Boeing-Fachleute aus den USA, Kanada und Frankreich werden sich ebenfalls an den Untersuchungen beteiligen.

Auch hat die ukrainische Regierung ihre Meinung zur Absturzursache etwas geändert. Schloss man anfangs einen Abschuss noch aus, zieht Kiew nunmehr vier Versionen in Betracht: Alexej Danilow vom ukrainischen Sicherheitsrat schrieb auf Facebook, es sei möglich, dass die Maschine von einer Rakete des russischen Typs "Tor" getroffen worden sei. Deshalb seien Experten an der Untersuchung beteiligt, die bereits 2014 beim Abschuss des malaysischen Fluges MH17 durch eine Flugabwehrrakete über der Ostukraine ermittelt hätten.

Geprüft werden auch ein Zusammenstoß mit einem Flugobjekt wie etwa einer Drohne, ein Triebwerksschaden und ein Terroranschlag.

Was sagt der Iran?

Ein Sprecher des internationalen Flughafens in Teheran hatte kurz nach dem Unglück erklärt, mutmaßlich "technische Schwierigkeiten" hätten zu dem Absturz geführt.

Ali Abedsadeh, Leiter der iranischen Luftfahrtbehörde, sagte am Donnerstagabend im iranischen Fernsehen, dass die Vermutung, die Maschine sei von einem iranischen Raketenabwehrsystem getroffen worden, absurd sei.

Absturzursache werden überprüft

Irans Präsident Hassan Ruhani sagte Angaben des Präsidialamtes in einem Telefonat mit seinem ukrainischen Kollegen Wolodymyr Selenskyj, Expertenteams beider Länder sollten die genaue Absturzursache gründlich untersuchen.

Die Ermittler wollen nun den kurzen Flug rekonstruieren. In einem am Donnerstag veröffentlichten vorläufigen Bericht der iranischen Luftfahrtbehörde heißt es, die Maschine habe versucht, zurück zum Flughafen zu fliegen. Augenzeugen hätten berichtet, die Maschine habe gebrannt. Als sie am Boden aufschlug, sei sie explodiert – wohl weil das Flugzeug große Mengen Kerosin getankt hatte.

Wie wirkt sich der Absturz auf den Konflikt mit den USA aus?

Watson hat mit dem USA- und Außenpolitik-Experten Thomas Jäger gesprochen und wollte wissen, welche Folgen diese Entwicklung für den Konflikt zwischen den USA und dem Iran haben kann.

Seiner Ansicht nach hat der US-Präsident "auf seine Art die Kenntnisse der amerikanischen Dienste bestätigt, indem er davon sprach, dass jemand einen Fehler gemacht haben könnte".

"Mehr brauchen sie derzeit nicht. Die USA werden deswegen den Konflikt nicht neu eskalieren."

Entscheidend sei hierbei das Wort "Fehler", so Jäger: "Es bedeutet, dass hier keine Absicht, sondern unglückliche Umstände zu sehen sind. So werden es die USA sehen und ihre Kenntnisse für sich behalten, um sie zu einem späteren Zeitpunkt – oder vielleicht nie – nutzen zu können."

Auf den Konflikt zwischen den USA und dem Iran werde dieser Vorgang "keine nachhaltige Wirkung" haben, so die Einschätzung des Experten. Er geht nicht davon aus, dass die USA nun wieder aktiv werden: "Die USA werden damit zufrieden sein, dass der Iran im Kampf um die öffentliche Sympathie für eine gewisse Zeit zurückhaltender auftreten wird." Dabei komme den USA gelegen, dass "alle mutmaßen, iranische Stellen hätten das Flugzeug abgeschossen".

(dfr/cbe/aeg/mlu/sda/afp/lw)

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