International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und die Werbung von watson und Werbepartnern zu personalisieren. Weitere Infos: Datenschutzerklärung.

Ups! Gesichtserkennung machte 2.000 friedliche Fans zu Hooligans

07.05.18, 18:49 07.05.18, 19:19
Max Biederbeck
Max Biederbeck

Ob Thomas de Maizière im vergangenen Jahr wohl beim Champions League-Finale mitgefiebert hat? Bestimmt hat er das. Im Juni 2017 verlor nicht nur Juventus Turin gegen Real Madrid. Nein, im Finale kam auch eine neue Überwachungs-Technologie zum Einsatz, die für Sicherheit sorgen sollte. Der damalige Bundesinnenminister ist zumindest ein großer Fan dieser Technologie.

Es geht um intelligente Videoüberwachung. Noch im Herbst sagte de Maizière zum Anlass eines Experiments an einem Berliner Bahnhof: "Der Einsatz von Videoüberwachungsanlagen trägt schon heute zur Aufklärung von Straftaten bei und steigert das Sicherheitsbefinden." 

Der Minister war überzeugt:

"Intelligente Gesichtserkennungssysteme könnten zukünftig noch wesentlich bessere Ergebnisse bringen."

Schon damals regten sich Datenschützer und Tech-Experten auf: Keinerlei Studien gibt es über die Wirksamkeit und Effektivität von sogenannter smarter Gesichtserkennung, schon gar nicht in Bezug auf die Vermeidung von Verbrechen. Und selbst, wenn sie tatsächlich unter tausenden Bürgern die Kriminellen herausfischen könnte, so sagen Experten seit Jahren, würden die ihre Verbrechen vermutlich trotzdem begehen.

Es ist jetzt ein Champions League-Finale, das den Minister im Nachhinein im Grunde Lügen straft. (heise)

Gerade hat die Polizei in Südwales die Daten ihrer automatischen Gesichtserkennung veröffentlicht, die das Pilotprojekt während des Spiels gesammelt hat: Und das System hat mal eben bei 92 Prozent seiner Treffer falsch gelegen.

Mit siebenprozentiger Ausbeute würde sich Reals Ronaldo nicht zufrieden geben:

FUSSBALL INTERNATIONAL PRIMERA DIVISION SAISON 2014/2015 9. Spieltag El Clasico Real Madrid - FC Barcelona 25.10.2014 Cristiano Ronaldo (Real Madrid) mit den Daumen hoch PUBLICATIONxNOTxINxAUTxSUIxITA

Football International Primera Division Season 2014 2015 9 Matchday El Clasico Real Madrid FC Barcelona 25 10 2014 Cristiano Ronaldo Real Madrid with the Thumb vertical PUBLICATIONxNOTxINxAUTxSUIxITA

Bild: imago/Ulmer

Ein Polizeisprecher verteidigte das System dennoch. Gegenüber Wales Online sagte er, kein System arbeite zu 100 Prozent korrekt (Anm. d. Red.: Stimmt, in dem Fall nur zu 7 Prozent), niemand sei infolge der falschen Erkennung festgenommen worden und sowieso: Niemand habe sich beschwert.

So ähnlich wird jetzt auch De Maizère bzw. dessen Nachfolger Horst Seehofer (CSU) argumentieren müssen.

Wo das ganze am Ende hinführen könnte, wenn es dann mal funktioniert, zeigt dieser Fall:

Bis dahin sollten unsere Innenminister aber vielleicht öfter mal ein wenig Fußball schauen.

Noch ein bisschen Sport für dich?

Die 7 besten Pressekonferenzen der Saison, in denen Christian Streich die Welt erklärt

"Wir sind wie Menschen zweiter Klasse", sagt die Anführerin des US-Cheerleader-Aufstands

Ups! Gesichtserkennung machte 2.000 friedliche Fans zu Hooligans

Wetten, du weißt nicht, welchen Sport diese 17 US-Teams ausüben?

Abonniere unseren Newsletter

0
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Fascho-Hits und Steuertricks – Luka Modric ist nicht der nette Weltfußballer von nebenan

Er ist flink, filigran und kann das am besten, was sich jeder Mitspieler wünscht: Er lässt seine Nebenmänner besser aussehen. Luka Modric spielt Fußball für sein Team, und nicht für sich selbst. Mit raffinierten Bewegungen und cleveren Pässen lenkt er ein Spiel. Das kann Real Madrids kroatischer Dirigent so gut, dass er in diesem Jahr völlig zu Recht zum Weltfußballer gewählt wurde. Zumindest sportlich. 

Nach der zehnjährigen Vorherrschaft von Lionel Messi und Cristiano Ronaldo wurde …

Artikel lesen