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Ting Shen/XinHua/dpa

Browser-Entwickler zu Zuckerberg: "Hören Sie auf zu lügen!"

Facebook legt auch Profile von Nutzern an, die kein Mitglied in dem sozialen Netzwerk sind. Vor dem US-Kongress hatte Mark Zuckerberg behauptet, nichts von diesen "Schattenprofilen" zu wissen. Ein Browser-Entwickler nennt das eine Lüge – und legt eine Studie vor.

"Der Begriff ist mir nicht geläufig", sagte Zuckerberg, als er im US-Kongress nach den "Schattenprofilen" gefragt wird. Facebook mag intern einen anderen Namen dafür haben. Doch dass es diese Schattenprofile gibt, daran haben Verbraucherschützer und Experten keinen Zweifel.

"Hören Sie auf zu lügen!"

Unter dieser Überschrift hat die Software-Firma Cliqz einen offenen Brief an Mark Zuckerberg verfasst, in dem sich die Experten für eine strengere Regulierung von Tracking-Methoden im Internet aussprechen.

Marc Al-Hames, Geschäftsführer von Cliqz sagt:

"Die auf der Überwachung von Internetnutzern basierenden Geschäftsmodelle müssen streng reguliert werden. "Es ist zwar okay, wenn Facebook weiß, was Sie auf Facebook tun. Und es ist fair, wenn Sie für die Dienste bei Google ‚mit Ihren Daten bezahlen‘. Das gibt den Konzernen aber nicht das Recht, Ihnen auf praktisch allen Webseiten heimlich hinterherzuschnüffeln und dort Ihre persönlichen Daten abzugreifen.

Der Unternehmer appelliert an die EU, den Praktiken "endlich einen Riegel vorzuschieben".

Hoffen auf neue Gesetze

Das Problem betreffe aber nicht nur Facebook. "Es war längst überfällig, dass die Datensammel-Praxis von Facebook – stellvertretend für alle werbefinanzierten Internetgiganten – auf den Prüfstand kommt."

Verbraucherschützer hoffen dabei auf die europäische Datenschutzgrundverordnung (DSGVO), die ab dem 25. Mai von den Unternehmen umgesetzt werden muss.

Auch unser Autor legt in seiner Analyse viel Hoffnung in die neuen EU-Regeln:

Allerdings ist das Gesetz gerade im Bezug auf Werbetracking nicht eindeutig formuliert und bietet potenzielle Hintertüren. Diese könnten durch zukünftige Gerichtsurteile geschlossen werden, was allerdings einige Jahre in Anspruch nehmen wird. Außerdem ist unklar, wie effektiv die zuständigen Behörden auf Beschwerden reagieren werden oder Verstöße aufklären und sanktionieren können.

Datenschützer drängen deshalb auf eine schnelle Umsetzung der sogenannten "ePrivacy-Verordnung", die derzeit in Brüssel verhandelt wird und strengere Regeln für Online-Werbung anstrebt. Diese kommt aber unter dem starken Gegenwind aus der Wirtschaft kaum voran. Auch die Bundesregierung hat noch keine eindeutige Position bezogen.

Auch deutsche Politiker warten auf die ePrivacy-Verordnung. Lest hier noch einmal die Reaktionen:

Cliqz will "kompromisslos für die Privatsphäre" eintreten

Sowohl das Medienunternehmen Hubert Burda als auch der Browser-Entwickler Mozilla haben eine Beteiligung an Cliqz. Das Unternehmen hat sich auf Privatsphäre-Tools spezialisiert und stellt unter anderem den datenschutzfreundlichen "Cliqz-Browser" und die gleichnamige Browser-Erweiterung her.

Auch die bekannte Anti-Tracking-Software "Ghostery" gehört zur Produktpalette. Insofern spricht Cliqz Warnungen vor dem Werbetracking nicht uneigennützig aus. Ghostery stand selbst schon in der Kritik, da das Unternehmen Nutzerdaten an Werbefirmen weitergegeben haben soll. Spätestens seit der Übernahme durch die Cliqz GmbH müssen Nutzer aber in die Funktion "Ghostrank" einwilligen. Tun sie das nicht, werden laut Unternehmensangabe auch keine Daten gesammelt. Erweiterungen wie der "Privacy Badger" der Electronic Frontier Foundation oder "Disconnect" bieten Alternativen zu Ghostery.

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Laut einer Studie von Cliqz und Ghostery:

Laut Cliqz reichen diese Informationen völlig aus,

"um mehr über uns zu wissen als unsere nächsten Verwandten: ob wir Schulden haben, an einer schweren Krankheit leiden, unseren Partner betrügen, einen neuen Job suchen, welche politischen Einstellungen und welche sexuellen Vorlieben wir haben – unser Internetverlauf verrät es".

Diese Daten seien ein ganz wesentlicher Teil des Geschäftsmodells von Facebook, das sie für zielgerichtete Werbung nutzt.

Die EU verlangt Antworten

Dies sei besonders ärgerlich für alle, die gar kein Facebook-Konto haben und dem Tracking ausgesetzt sind, ohne daraus einen Vorteil zu ziehen. Hinzu kommt: "Wer kein Konto bei Facebook besitzt, hat keinerlei Möglichkeiten, der Datenerhebung durch Tracking zu widersprechen, Einsicht in seine Daten zu erhalten oder sie löschen zu lassen", heißt es in einer Pressemitteilung. Dies sei ein klarer Verstoß gegen das neue EU-Datenschutzgesetz.

Nach dem US-Kongress verlangt nun auch die EU Antworten von Facebook und will Mark Zuckerberg ebenfalls zu einer formellen Anhörung einladen. Cliqz hofft, dass sich die EU-Abgeordneten nicht mit Scheinantworten abspeisen lassen wie die US-Senatoren und Mitglieder im amerikanischen Abgeordnetenhaus.

Dieser Artikel erschien zuerst bei t-online.de

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Warum der WhatsApp-Gründer dir (schon wieder) rät, Facebook zu löschen

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