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Donald Trump macht sich die Welt, wie sie ihm gefällt. bild: imago images/xinhua/unsplash/watson-montage

Trump führt "Krieg" gegen die Justiz und begnadigt prominente Gauner

Donald Trump hat am Dienstag mehrere hochkarätige Straftäter begnadigt oder ihr Strafmaß reduziert. Dieser Vorgang fügt sich ein in seine Attacken gegen die Unabhängigkeit der Justiz.

Peter Blunschi / watson.ch

Nach dem Freispruch im Impeachment-Verfahren werde Donald Trump endgültig alle Hemmungen verlieren, fürchteten Kritiker des Präsidenten. Sie können sich nach den Ereignissen der letzten Tage bestätigt fühlen. Der US-Präsident führt einen eigentlichen Feldzug gegen die Justiz und damit gegen die Gewaltenteilung, die Grundvoraussetzung jeder funktionierenden Demokratie.

Vorläufiger Höhepunkt ist eine Welle von Begnadigungen und Straferlässen, die Trump am Dienstag erlassen hat. Die Namen von vier Straftätern stechen dabei ins Auge:

Former Illinois Gov. Rod Blagojevich tries to get into his house as he arrives home in Chicago on Wednesday, Feb. 19, 2020, after his release from Colorado prison late Tuesday. Blagojevich walked out of prison Tuesday after President Donald Trump cut short the 14-year prison sentence handed to the former Illinois governor for political corruption. (AP Photo/Charles Rex Arbogast)

Rod Blagojevich nach seiner Freilassung am Dienstag. Bild: ap

Eine Systematik ist bei den Begnadigungen nicht zu erkennen. Für DeBartolo hatten sich unter anderem die früheren 49ers-Stars Joe Montana und Jerry Rice eingesetzt, für Milken prominente konservativer Geldgeber. Balgojevichs Ehefrau Patti war mehrfach auf Fox News als Fürsprecherin ihres Mannes erschienen. Kerik ist regelmäßig Gast bei Donald Trumps Lieblingssender.

Warum Trumps Schritt außergewöhnlich ist

Begnadigungen werden von US-Präsidenten in der Regel am Ende ihrer Amtszeit ausgesprochen. Trump interpretiert dieses Recht großzügiger. Zu den von ihm Begünstigten gehörten in der Vergangenheit Joe Arpaio, ein rassistischer Sheriff aus Arizona und Kultfigur vieler Rechter, oder Lewis "Scooter" Libby, der Stabschef des früheren Vizepräsidenten Dick Cheney.

Im aktuellen Fall sorgt vor allem die Milde für Rod Blagojevich für Empörung. Republikanische Politiker aus Illinois protestierten scharf gegen Trumps Verfügung. Den Präsidenten scheint dies kalt zu lassen. "Ich denke, ich bin der oberste Strafverfolger des Landes", sagte er am Dienstag laut CNN vor seiner Abreise zu einem mehrtägigen Wahlkampftrip an die Westküste.

Barr im Kreuzfeuer

Das ist wie so viele von Trumps Verlautbarungen blanker Unsinn. Der Generalstaatsanwalt der Vereinigten Staaten ist der Justizminister, derzeit also William Barr. Er ist wiederholt in die Kritik geraten, etwa wegen seines Umgangs mit dem Bericht von Sonderermittler Robert Mueller in der Russland-Affäre. Derzeit steht er wegen eines anderen prominenten Falls im Kreuzfeuer.

Attorney General William Barr speaks at the National Sheriffs' Association Winter Legislative and Technology Conference in Washington, Monday, Feb. 10, 2020. (AP Photo/Susan Walsh)

Justizminister William Barr spielt eine zwielichtige Rolle. Bild: ap

Konkret geht es um den langjährigen Trump-Vertrauten Roger Stone, der ebenfalls in die Russland-Affäre verwickelt ist. Im letzten November war er wegen Falschaussagen, Behinderung von Ermittlungen und Beeinflussung von Zeugen schuldig gesprochen worden. Das Strafmaß steht noch aus. Letzte Woche beantragte die Anklage sieben bis neun Jahre Gefängnis.

Ein Ablenkungsmanöver?

Trump wütete auf Twitter gegen diesen "Justizirrtum", worauf das Ministerium, das sich in der Regel nicht in solche Fälle einmischt, dem Gericht ein "deutlich geringeres" Strafmaß empfahl. Alle vier mit dem Fall befassten Staatsanwälte traten darauf aus Protest zurück. Die Empörung über diesen Vorgang war derart massiv, dass William Barr in die Offensive ging.

FILE PHOTO: Roger Stone, former campaign adviser to U.S. President Donald Trump, arrives for his criminal trial on charges of lying to Congress, obstructing justice and witness tampering at U.S. District Court in Washington, U.S., November 6, 2019.  REUTERS/Tom Brenner/File Photo

Muss Roger Stone jemals ins Gefängnis? Man sollte nicht darauf wetten. Bild: reuters

In einem Interview mit dem Sender ABC forderte er den Präsidenten auf, sich nicht mehr über Twitter in laufende Verfahren einzumischen. Durch diese Kommentare sei es ihm "unmöglich, meinen Job zu machen". Kritiker witterten ein mit dem Weißen Haus abgesprochenes Ablenkungsmanöver, denn Barr war bislang als treuer Handlanger des Präsidenten aufgefallen.

Trump gießt weiter Öl ins Feuer

Ganz wohl scheint es ihm dennoch nicht zu sein. So berichtete die "Washington Post" am Mittwoch, Barr habe gegenüber Vertrauten von Trump seinen Rücktritt erwogen. Er sei ernsthaft besorgt über die Moral in seinem Ministerium. Dessen Sprecherin dementierte den Bericht, doch Trumps Attacken gegen die Justiz dürften der Stimmung nicht förderlich sein.

Mehr als 2000 ehemalige Strafverfolger haben den Justizminister in einem offenen Brief zum Rücktritt aufgefordert.

Mit seinen Begnadigungen gießt Trump weiter Öl ins Feuer, denn damit macht er die oft jahrelange Arbeit der Justiz mit einem Federstrich zunichte. Weitere könnten folgen, etwa der frühere Sicherheitsberater Michael Flynn oder Trumps ehemaliger Wahlkampfleiter Paul Manafort.

Mit seinen Beratern soll Trump auch schon über einen Straferlass für Roger Stone gesprochen haben, berichtete die "New York Times". Das Urteil gegen den Berater und Politstrategen, der für seine schmutzigen Tricks berüchtigt ist, soll noch in diesem Monat verhängt werden. Als Trump am Dienstag auf eine Begnadigung von Stone angesprochen wurde, sagte er: "Ich habe darüber noch überhaupt nicht nachgedacht." Wer das glaubt, ist selber schuld.

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