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Democratic presidential candidate former Vice President Joe Biden speaks to supporters, early Wednesday, Nov. 4, 2020, in Wilmington, Del. (AP Photo/Paul Sancya

Joe Biden ist der 46. Präsident der USA. Bild: ap / Paul Sancya

Der Anti-Trump: Das ist der neue US-Präsident Joe Biden

Mit seinen 77 Jahren und fast fünf Jahrzehnten in der Politik ist Joe Biden schon bei vielen Wahlen angetreten. Der US-Demokrat, der eine "Schlacht um die Seele der Nation" ausgerufen hatte, ging als Favorit in die Wahl. Doch er musste lange zittern, bis sein Sieg über Trump am Samstagabend deutscher Zeit endlich feststand.

Der einstige Stellvertreter von Präsident Barack Obama hat sich vom Anfang seiner Wahlkampagne an konsequent als Gegenentwurf zu Trump positioniert. Der langjährige Senator versprüht keine energiegeladene Aufbruchstimmung, sondern verspricht den von der aufreibenden Trump-Präsidentschaft ermüdeten Wählern eine Rückkehr zu Normalität, Verlässlichkeit, ruhiger Regierungsführung, Anstand und amerikanischen Werten.

"Vereinen" und "heilen" will er das nach vier turbulenten Trump-Jahren zutiefst gespaltene Land. Nach dem Motto: Restauration statt Revolution.

Trump redete Corona-Gefahr klein, Biden trug demonstrativ Maske

Gerade in der Corona-Krise hätte der Kontrast zwischen den beiden Rivalen nicht größer sein können. Während Trump die Gefahr durch das Virus pausenlos kleinredete, mahnte Biden Vorsicht und einen entschlossenen Kampf gegen die Pandemie an. Im Gegensatz zum Präsidenten trug der 77-Jährige in den vergangenen Monaten demonstrativ eine Schutzmaske. Und anders als der zwischenzeitlich selbst an Covid-19 erkrankte Volkstribun Trump hielt Biden Wahlkampfauftritte nur vor kleinem Publikum mit strengen Abstandsregeln ab.

Biden machte die Pandemie, der in den USA schon mehr als 230.000 Menschen zum Opfer gefallen sind, zu seinem Hauptangriffspunkt gegen Trump.

"Jeder, der für so viele Tote verantwortlich ist, sollte nicht Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika bleiben."

Zwei Schicksalschläge prägten Bidens Leben

Biden zeigte zudem in der Krise seine Fähigkeit zu Mitgefühl, schon immer eine seiner Stärken. Genährt wird es aus persönlichen Tragödien in seinem Leben. Der in der Arbeiterstadt Scranton im Bundesstaat Pennsylvania geborene Biden war 1972 mit gerade einmal 29 Jahren in den US-Senat gewählt worden, als seine erste Frau Neilia und seine kleine Tochter Naomi bei einem Autounfall ums Leben kamen. Die Söhne Beau und Hunter wurden verletzt. Biden sagt, die Söhne – um die er sich als alleinerziehender Vater kümmerte, bis er seine zweite Ehefrau Jill kennenlernte – hätten ihn gerettet.

2015 starb dann sein ältester Sohn Beau an einem Hirntumor. In der Folge verzichtete der damalige Vizepräsident auf eine eigene Präsidentschaftskandidatur 2016. Im vergangenen Jahr stieg er aber in das Präsidentschaftsrennen ein, zum insgesamt dritten Mal in seiner langen Karriere. Bei der Bewerberauswahl seiner nach links gerückten Demokraten hatte der stellenweise antiquiert wirkende Mitte-Politiker es lange schwer. Viele schrieben ihn nach ersten Vorwahlschlappen ab, bis ihm ein glänzendes Comeback gelang und er sich die Präsidentschaftskandidatur sicherte – und schließlich die Wahl gewann.

Politische Karriere begann früh

Biden wurde am 20. November 1942 in Scranton im Bundesstaat Pennsylvania geboren. Der Jurist begann seine Politiker-Karriere im Stadtrat von Wilmington (Delaware), wo er heute mit seiner zweiten Ehefrau Jill lebt. Im Alter von nur 29 Jahren wurde Biden 1972 in den US-Senat gewählt und vertrat dort Delaware bis 2009. Vor den Wahlen 1988 und 2008 bewarb sich Biden erfolglos um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten.

2009 zog Biden als Vizepräsident in der Regierung von Trump-Vorgänger Barack Obama ins Weiße Haus ein. In den zwei Amtszeiten habe er in Biden einen Bruder gefunden, sagte Obama im August. Die Demokraten warben damit, dass Biden Verlässlichkeit statt Unberechenbarkeit, Selbstlosigkeit statt Egoismus, Ruhe statt Lärm, Anstand statt Unehrlichkeit ins Weiße Haus bringen würde – letztlich erfolgreich. Herausgestellt wurde auch Bidens politische Erfahrung. Als er beim letzten TV-Duell mit Trump gefragt wurde, was er bei einem Sieg in seiner Rede zur Amtseinführung sagen werde, antwortete er:

"Ich bin ein amerikanischer Präsident, ich vertrete euch alle, ob Ihr für oder gegen mich gestimmt habt."

Dass er auch austeilen kann, bewies er ebenfalls: Als der Präsident ihm bei diesem Aufeinandertreffen pausenlos ins Wort fiel, fuhr Biden ihn mit den Worten "Halt den Mund, Mann!" an.

Die Frau an seiner Seite

Wichtig in seinem Leben ist Jill Biden, die zweite Ehefrau des Präsidenten. Aus dieser Ehe stammt die Tochter Ashley Blazer. Jill Biden präsentiert sich zugänglich und volksnah. Beim Parteitag der Demokraten ließ sich die 69-Jährige aus einem Klassenraum einer High School in Wilmington zuschalten, in der sie früher Englisch unterrichtet hatte.

Jill Biden zeichnete dabei ein sehr persönliches Bild eines fürsorglichen Ehemannes und Vaters mit einem festen Wertekompass, der sich für andere Menschen einsetzt. Bei öffentlichen Auftritten wirkt der Umgang der Bidens miteinander liebevoll – ganz anders als bei seinem Amtsvorgänger Trump also.

Bodenständig und kein Visionär

Joe Biden spart in seinen Reden nicht damit, seine Wurzeln zu betonen. Mal erzählt er, was er von seinem Vater gelernt habe, oder er leitet seine Sätze mit "Meine Mutter würde sagen..." ein. Immer wieder spricht er über die Bedeutung der Familie für sein Leben.

Biden ist kein Visionär. Er will das Land "zurück zur Normalität" führen und zusammenbringen. Er beschwört die alten Zeiten, als Obama und er im Weißen Haus waren und die USA bei Verbündeten als berechenbarer Partner galten. "Das Erste, was ich tun muss, und ich scherze nicht: Wenn ich gewählt werde, muss ich mit den Staatschefs telefonieren und sagen, dass Amerika zurück ist, Sie können auf uns zählen", sagte Biden kürzlich. "Ich werde ein Präsident sein, der unseren Verbündeten und Freunden zur Seite steht", sagte er an anderer Stelle.

"Ich werde unseren Gegnern deutlich machen, dass die Zeiten des Einschmeichelns bei Diktatoren vorbei sind."

(om/dpa/afp)

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