International
G7 SUMMIT BIARRITZ, U.S. President Donald Trump and France s President Emmanuel Macron gesture after the family photograph during the G7 Summit in the town of Biarritz, 800km south of Paris in France, Sunday, August 25, 2019. ( !ACHTUNG: NUR REDAKTIONELLE NUTZUNG, KEINE ARCHIVIERUNG UND KEINE BUCHNUTZUNG! Biarritz FRANCE PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY Copyright: xMICKxTSIKASx 20190826001414928473

Emmanuel Macron und Donald Trump. Bild: imago images / bMICK TSIKAS

Macron stellt bei Nato-Gipfel Trump bloß – und das gleich zwei Mal

Emmanuel Macron ist mit dem Vorgehen der Türkei und der USA in Nordsyrien überhaupt nicht einverstanden. Dabei scheut der französische Präsident auch die Konfrontation mit Donald Trump nicht.

Corsin Manser / watson.ch

Mit Spannung wurde das Aufeinandertreffen von Emmanuel Macron und Donald Trump am Nato-Gipfel in London erwartet. Und die erste gemeinsame Pressekonferenz hatte es in sich.

Der französische Präsident lancierte das Zusammentreffen des Verteidigungsbündnisses bereits vor einem Monat in mit einer brisanten Aussage im Economist. Macron hatte der Nato Anfang November den "Hirntod" bescheinigt. Macron begründete dies mit dem "aggressiven" Vorgehen des Nato-Mitglieds Türkei in Nordsyrien und dem nicht abgestimmten Abzug der US-Truppen aus der Region.

Trump verteidigt Nato und Türkei

Diese Aussage hatte ironischerweise die Folge, dass ausgerechnet der US-Präsident die Nato in Schutz nehmen musste. Trump war in den vergangenen Jahren einer der größten Kritiker der Organisation, weil die USA seiner Ansicht nach zu viel bezahlen müsse.

Die Nato diene "einem großen Zweck", sagte Trump nun bei einem Treffen mit Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg am Dienstag in London. Macrons Aussage sei "sehr beleidigend" und "sehr, sehr bösartig" gegenüber den anderen 28 Mitgliedstaaten der Nato. Trump warnte, dass Frankreich sich vom Bündnis lösen könne. "Niemand braucht die Nato mehr als Frankreich", sagte er vor Beginn des Bündnis-Gipfels. Die Äußerungen Macrons seien "eine sehr gefährliche Erklärung".

Trump verteidigte auch sein Vorgehen in Nordsyrien und in der Türkei. "Ich mag die Türkei und komme sehr gut mit ihr zurecht", sagte Trump. Seine Abmachung mit Ankara zum Abzug amerikanischer Truppen aus Nordsyrien habe sehr gut funktioniert. Auch bei dem US-Einsatz gegen "IS"-Chef Abu Bakr al-Bagdadi in Nordsyrien sei die Türkei "sehr hilfreich" gewesen und habe Überflugrechte gewährt, ohne Einzelheiten der Mission zu kennen.

Macron kritisiert Erdogan

Im Rahmen eines bilateralen Meetings traten Macron und Trump später vor die Presse. Sie gaben zwar an, weiterhin produktiv miteinander zu arbeiten. Doch die Differenzen zwischen Frankreich und den USA wurden mehr als nur deutlich.

Macron sagte auf Nachfrage eines Journalisten, dass er weiterhin zur "Hirntod"-Aussage stehe. Er kritisierte die Haltung der Türkei, die sich stand heute weigere, die Abschlusserklärung zu unterzeichnen.

Erdogan äußerte sich vor seinem Abflug nach London kritisch zum Bündnis und forderte die Nato auf, die Kurdenmiliz YPG als Terrororganisation einzustufen. Ansonsten werde die Türkei einen Nato-Plan zur Verteidigung Polens und der baltischen Länder ablehnen, sagte Erdogan.

Macron korrigiert Trump Teil 1

Die unterschiedlichen Ansichten der beiden Präsidenten wurden noch deutlicher, als Macron den US-Präsidenten gleich zweimal unterbrach und vor versammelter Weltöffentlichkeit korrigierte.

Auf die Frage, ob er von Frankreich genügend Unterstützung erhalte, fragte Trump Macron, ob er einige "nette IS-Kämpfer" haben möchte. Denn die USA halte zahlreiche Dschihadisten in Nordsyrien gefangen, wovon "die meisten aus Europa" seien.

Darauf entgegnete Macron: "Lass uns ernst sein!" Es sei schon wahr, dass es Kämpfer aus Europa in Syrien habe, aber das sei eine kleine Minderheit. Die meisten würden aus der Region stammen. Syrien, Irak.

Erste Priorität habe nicht die Rückführung der Gefangenen, sondern der Sieg gegen den sogenannten "Islamischen Staat". Und auch hier widersprach er Trump, der sich damit brüstet, das Kalifat komplett besiegt zu haben. Macron sagte: "Es ist noch nicht fertig. Es tut mir leid, das zu sagen."

Zur Ergänzung: US-Behörden bestätigten im August dieses Jahres die Version Macrons. Demnach sind von den 10.000 Gefangenen 8000 Syrer und Iraker. Lediglich 2000 stammen aus anderen Ländern.

Macron korrigiert Trump Teil 2

Damit nicht genug. Macron unterbrach Trump im Verlauf der Pressekonferenz noch ein weiteres Mal. Trump verteidigte Erdogan dafür, dass dieser ein russisches Luftabwehrsystem kaufte. Dies habe der türkische Präsident nur gemacht, da die Obama-Administration den Verkauf von US-Waffen an die Türkei untersagt habe.

In Wahrheit hat die Obama-Regierung der Türkei sehr wohl ein Luftabwehrsystem angeboten. Doch Erdogan wollte den Deal nicht eingehen, da die USA die zugrunde liegende Technologie des Patriot-Systems nicht liefern wollte.

Die Attacke an die Adresse Obamas ließ Macron nicht gelten. "Es war ihre eigene Entscheidung", sagte er über die Türkei und fügte hinzu, dass Europa auch angeboten habe, Erdogan ein Luftabwehrsystem zu verkaufen. "Selbst mit einer europäischen Option, die völlig im Einklang mit der Nato steht, haben sie beschlossen, sich nicht an die Nato zu halten."

Heute Abend geht's erst richtig los ...

Erst heute Abend wird der zweitägige Nato-Gipfel offiziell eingeläutet. Bereits jetzt ist klar, dass die Teilnehmer zerstritten sind. Ob sie sich auf eine gemeinsame Erklärung einigen können, wird sich weisen.

(Mit Material von sda/dpa)

0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Coronavirus: Diese 7 Grafiken zeigen, was in den USA gerade passiert

Das Coronavirus hat auch die USA erreicht. Die Fallzahlen stiegen hier in der letzten Woche sogar so dramatisch, dass sie mittlerweile das am stärksten betroffene Land sind. Auch US-Präsident Donald Trump nimmt die Krise mittlerweile ernst.

Dass es sich nicht nur um eine normale Grippe handelt, zeigt diese Grafik vom Donnerstag eindrücklich:

Wie aber entwickelt sich die Situation in den USA im Vergleich zu anderen stark betroffenen Ländern wie Italien? Wie viel wird getestet und wer stirbt hier …

Artikel lesen
Link zum Artikel