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 Thousands of Iranians take to the streets as they mourn the death of Iranian Revolutionary Guard Commander Qassem Soleimani during a demonstration after Friday prayer in Tehran, Iran, on January 3, 2020. Soleimani was killed by the U.S. airstrike in Baghdad, Iraq. PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxHUNxONLY TEH20200103116 MaryamxRahmanian

Tausende Iraner gingen nach der Tötung von Top-General Suleimani auf die Straßen. Bild: imago images

Nahost-Experte: "Als hätten die Iraner den US-Verteidigungsminister getötet"

Donald Trump höchstpersönlich hat den iranischen Top-General Suleimani ermorden lassen und damit eine der mächtigsten Personen des Mullah-Staates getötet. Ist dies eine Kriegserklärung der Amerikaner? Kommt es jetzt zum großen Flächenbrand? Der langjährige Nahost-Experte Erich Gysling schätzt die aktuelle Lage ein.

Adrian Müller / watson.ch

Herr Gysling, Trump hat per Drohnenangriff den iranischen Top-Kommandeur Soleimani liquidieren lassen. Wie sehr trifft die Attacke die Iraner?
Nach Ayatollah Ali Khamenei war Soleimani die zweitwichtigste Persönlichkeit im Iran, noch wichtiger als Staatspräsident Hassan Rouhani. Ziehen wir einen Vergleich: Die Liquidierung ist etwa so bedeutsam, als hätten die Iraner den US-Verteidigungsminister umgebracht.

Soleimani war der Vorzeige-General und die Nummer 2 des Mullah-Staates. Warum?
Soleimani hat als Kommandeur der Kuds-Brigaden zuletzt etwa den Krieg der Iraner gegen den IS im Irak angeführt. Er galt als Mastermind der iranischen Außenpolitik und tauchte im Nahen Osten immer dann auf, wenn es für den Iran um besonders viel ging. Seine Kuds-Brigaden spielen im Syrien-Konflikt eine wichtige Rolle und halfen, Diktator Baschar al-Assad an der Macht zu halten.

 January 3, 2020, Jammu and Kashmir, India: Kashmiri Shiite muslims carry pictures of killed Iranian general Qassem Soleimani as they march during an anti-America protest in central Kashmir on January 03, 2020.The agitated protesters were chanting anti-America slogans and staged a protest against the killing of Soleimani by a US air strike in Baghdad. India PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY - ZUMAk211 20200103zapk211001 Copyright: xFaisalxKhanx

Bild: imago images

"Ich sehe den Angriff als Kriegsakt der USA gegen den Iran an."

Erich Gysling

Was hat US-Präsident Trump zu dieser folgenreichen Attacke getrieben?
Der jüngste Drohnenangriff sieht nach einer weiteren Impulshandlung von Trump aus. So hat er die Attacke zwar mit Außenminister Mike Pompeo, nicht aber mit dem Kongress abgesprochen. Gut möglich, dass Trump im TV die Bilder von der Erstürmung der US-Botschaft in Bagdad gesehen und dann den Angriff auf Soleimani befohlen hat. Die Attacke ist ein weiteres Beispiel von Trumps chaotischer Außenpolitik.

Die Iraner haben bereits Rache angekündigt. Was sind mögliche Ziele?
Es wird eine massive Antwort der Iraner geben. So sind etwa Attacken gegen US-Truppen oder Ölfelder im Irak denkbar. Ebenso Angriffe auf US-Kriegs- und Tankschiffe im persischen Golf. Dagegen glaube ich nicht, dass Israel ins Kreuzfeuer kommt. Die Iraner wollen die USA direkt treffen.

Wie gravierend stufen Sie die aktuelle Eskalation im historischen Vergleich ein?
In der Vergangenheit sind mehrfach iranische Militärs durch westliche Geheimdienste ermordet worden. Soleimani ist aber ein anderes Kaliber. Ich sehe dies als Kriegsakt der USA gegen den Iran an.

Droht nun ein Flächenbrand in der ganzen Region?
Die Lage äußerst besorgniserregend. Niemand weiß, was jetzt kommt.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Hansi Daurippel 05.01.2020 10:13
    Highlight Highlight Fällt das eigentlich keinem auf? Aus irgendeinem seltsamen Grund muss jeder US Präsident seinen Krieg haben.
    Seit der Gründung der USA war in diesem Land zusammengerechnet gerade mal 10 Jahre Frieden. Bei 243 Jahren Existenz ist das schon 'ne Hausnummer. Dazu kommen noch die vielen Geheimdiensteinsätze in Schwellenländern um sie "auf die richtige Seite zu ziehen". Meistens Länder mit Öl und dergleichen.

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