dpatopbilder - 04.10.2020, USA, Bethesda: Donald Trump, Pr

Donald Trump sorgt mit seinem Klinik-Ausflug für Empörung. Bild: AP / Tonypeltier

Klinik-Ausflug: Corona-Patient Trump lässt sich an Anhängern vorbeifahren und empört damit Mediziner

Der mit dem Coronavirus infizierte US-Präsident Donald Trump hat das Krankenhaus für wenige Minuten verlassen, um seine Anhänger außerhalb der Klinik zu grüßen. Aus einem schwarzen SUV heraus winkte Trump seinen Fans am Sonntag in Bethesda nördlich von Washington zu, wie auf Videos zu sehen war. Trump saß mit mindestens zwei Personen in dem Wagen und trug eine Maske. In einer zuvor aufgenommenen Videobotschaft, die später auf Trumps Twitter-Profil veröffentlicht wurde, sagte der Präsident: "Ich mache gleich einen kleinen Überraschungsbesuch." Er lobte die "großartigen Patrioten" außerhalb des Krankenhauses.

Trumps Corona-Infektion war am Freitag kurz nach Mitternacht US-Ostküstenzeit bekanntgeworden. Es ist davon auszugehen, dass er noch ansteckend sein könnte. Es gab zunächst keine offiziellen Informationen dazu, wie gewährleistet wurde, dass sich die Personen in Trumps Wagen bei der kurzen Fahrt nicht infizieren. Der Beifahrer in dem Wagen schien ein Plastikvisier über dem Gesicht, eine Atemschutzmaske und einen medizinischen Schutzanzug zu tragen. Trump sei kurz nach der Fahrt wieder in den Trakt des Präsidenten im Walter-Reed-Militärkrankenhaus zurückgekehrt, erklärte der Sprecher des Weißen Hauses, Judd Deere.

Scharfe Kritik an Trumps Autofahrt

Trump hatte in einer unmittelbar zuvor veröffentlichten Videobotschaft gesagt, er habe viel über das Virus gelernt. "Das ist die wahre Schule", sagte er mit Blick auf seine Erkrankung. Es sei etwas anderes, als nur darüber zu lesen. "Ich verstehe es, und es ist eine sehr interessante Sache, ich werde es Euch wissen lassen. In der Zwischenzeit lieben wir die USA und lieben das, was passiert", sagte Trump - ohne zu verdeutlichen, was er genau damit meinte.

Für seine Aktion wird der US-Präsident scharf kritisiert. Trumps Mitfahrer im Auto seien einem erheblichen Risiko ausgesetzt worden, schrieb der Arzt James Phillips auf Twitter. Er arbeitet unter anderem am Walter Reed National Military Medical Center, wo Trump derzeit behandelt wird. "Die Verantwortungslosigkeit ist erstaunlich", twitterte er.

Der Arzt schrieb weiter: "Jede einzelne Person im Fahrzeug während dieses völlig unnötigen Vorbeifahrens des Präsidenten muss jetzt für 14 Tage unter Quarantäne gestellt werden. Sie könnten krank werden. Sie können sterben. Für politisches Theater. Von Trump befohlen, ihr Leben für das Theater in Gefahr zu bringen. Das ist Wahnsinn."

Der demokratische Senator Brian Schatz beschuldigte Trump, seine eigenen Secret-Service-Leute zu gefährden: "Sie sind sich des mit dem Job verbundenen Risikos bewusst, aber das Risiko sollte nicht von der zu schützenden Person ausgehen."

Nachdem Trump am Freitagabend (Ortszeit) - keine 24 Stunden nach seinem positiven Coronatest - per Helikopter in das Krankenhaus nördlich der US-Hauptstadt gebracht worden war, hatte es widersprüchliche Angaben zu seinem Gesundheitszustand gegeben. Am Sonntag räumten die Ärzte schließlich ein, dass der Verlauf der Krankheit schwerer war als zunächst dargestellt. Dennoch stellte der Arzt Brian Garibaldi eine baldige Entlassung aus der Klinik in Aussicht. Sollte es Trump weiterhin so gut gehen wie am Sonntag, "hoffen wir, dass wir für eine Entlassung ins Weiße Haus bereits morgen planen können". Die Behandlung könnte dann dort fortgesetzt werden.

(hau/dpa)

0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Tötung von George Floyd: Ex-US-Polizist Derek Chauvin zu 22,5 Jahren Haft verurteilt

Der frühere US-Polizist Derek Chauvin ist wegen der Tötung des Afroamerikaners George Floyd zu 22 Jahren und sechs Monaten Gefängnis verurteilt worden. Richter Peter Cahill verkündete am Freitag in Minneapolis im Bundesstaat Minnesota ein Strafmaß von 270 Monaten Haft gegen den 45-Jährigen. Der weiße Ex-Polizist hatte Floyds Angehörigen kurz zuvor sein "Beileid" ausgesprochen.

Mit dem Strafmaß blieb Richter Cahill deutlich unter der Forderung der Staatsanwaltschaft von 30 Jahren. Er lag aber …

Artikel lesen
Link zum Artikel