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July 13, 2018 - Washington, District of Columbia, United States of America - Lisa Page, legal counsel to former FBI Director Andrew McCabe, departs following the first part of a transcribed interview before the United States House Judiciary Committee on Capitol Hill in Washington, DC on Friday, July 13, 2018. Page is considered to be a key witness by the committee for her role with Peter Strzok and decisions made by the Department of Justice and the FBI in the months before the 2016 Presidential election..Credit: Ron Sachs / CNP. Washington United States of America PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY - ZUMAc306 20180713_zaa_c306_002 Copyright: xRonaldxM.xSachsx

Lisa Page ist eine Widersacherin von US-Präsident Donald Trump. Bild: imago stock&people / Ronald M. Sachs

Lisa Page packt aus: Als Trump den Orgasmus simulierte, wurde es ihr zu viel

Seit fast zwei Jahren zieht Donald Trump über Lisa Page her. Kürzlich simulierte der US-Präsident bei einer Wahlkampfveranstaltung gar einen Orgasmus, um sie in den Dreck zu ziehen. Für Page ist es der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt.

Zwei Jahre lang hat Lisa Page geschwiegen. Nun hat sie genug. Die ehemalige FBI-Anwältin hat die pausenlosen Attacken des US-Präsidenten satt und hat am Sonntag in einem Interview mit ihm abgerechnet.

Im Gespräch mit dem "Daily Beast" erzählt Page, was passiert ist, nachdem vor zwei Jahren Textnachrichten zwischen ihr und FBI-Agent Peter Strzok veröffentlicht wurden. Die beiden hatten eine Affäre und waren in die Untersuchungen zu Hillary Clintons Emails und zu Russland involviert.

Mehrfach äußern sich Strzok und Page in den Textnachrichten negativ über Donald Trump und bezeichneten ihn etwa als einen "Idioten". Tatsächlich sind ihre Aussagen alles andere als nett, nachlesen kannst du sie hier.

FILE PHOTO: FBI Deputy Assistant Director Peter Strzok is seated prior to testifying before House Committees on the Judiciary and Oversight & Government Reform joint hearing on

Peter Strzok. Bild: reuters/ JOSHUA ROBERTS

Für Trump und seine Anhänger sind die veröffentlichten Textnachrichten gefundenes Fressen: Sie nutzen sie, um die FBI-Ermittlungen zu den Russland-Verbindungen zu diskreditieren. Die Agenten seien voreingenommen, so der Vorwurf.

Laut des "Daily Beast" verließ Page das FBI im Mai 2018. Strzok wurde wenige Monate später gefeuert. Im Juli 2018 sagte Page in einer Anhörung des Repräsentantenhauses hinter verschlossenen Türen aus. Sie verneinte, dass ihre politische Einstellung auf die Ermittlungen einen Einfluss gehabt habe. Sonst äußerte sie sich bis zum Interview mit dem "Daily Beast" nicht mehr zum Fall.

Das sagt Page im Interview:

Dies hält den US-Präsidenten jedoch nicht davon ab, wiederholt auf die Anwältin einzuprügeln. In zahlreichen Tweets erwähnt er immer wieder ihren Namen. Für Page eine unerträgliche Erfahrung, wie sie im Interview mit dem "Daily Beast" zu Protokoll gibt.

"Ich blieb jahrelang ruhig, weil ich hoffte, dass es vorübergehen würde. Aber es wurde nur schlimmer. Es war so schwierig, mich nicht zu verteidigen, andere Leute, die mich hassen, das Narrativ bestimmen zu lassen. Ich habe entschieden, mir diese Macht zurückzunehmen."

Page ist davon überzeugt, dass sie kein Gesetz gebrochen hat. Es sei erlaubt, eine politische Meinung zu haben und diese im privaten Rahmen mit einer anderen Person zu teilen. Sie sei zwar eine Mitarbeiterin des Staates, das heiße jedoch nicht, dass die Meinungsfreiheit für sie nicht gelte. Zu einem ähnlichen Schluss kommt übrigens auch der Fact Checker der "Washington Post".

Dafür scheint sich Trump jedoch nicht zu interessieren. In dutzenden Tweets und Retweets schürt er den Hass auf sie. Für Page fühlt sich das schrecklich an.

"Es ist fast unmöglich, das zu beschreiben. Es ist, als würde ich in den Magen geschlagen. Mein Herz fällt in die Hosen, wenn ich merke, dass er wieder über mich getwittert hat. Der Präsident der Vereinigten Staaten beschimpft mich auf der ganzen Welt. Er erniedrigt mich und meine Karriere. Es ist ekelhaft."

Die ständigen Attacken verändern Pages Alltag. So vermeidet sie etwa den Kontakt mit möglichen Trump-Anhängern.

"Wenn jemand in der Metro Augenkontakt mit mir aufnimmt, zwinkere ich irgendwie und frage mich, ob es daran liegt, dass sie mich erkennen. [...] Sofort frage ich mich, ober er Freund oder Feind ist. Oder wenn ich die Straße entlang gehe oder einkaufen gehe und jemand Trump-Artikel oder einen MAGA-Hut trägt, gehe ich in die andere Richtung oder versuche, etwas Abstand zwischen uns zu halten, weil ich den Konflikt vermeiden will."

Sie wisse nie, wann er es wieder tun werde, sagt Page, das sei sehr "furchteinflössend".

"Er ist immer noch der Präsident der Vereinigten Staaten. Und wenn der Präsident dich namentlich des Verrats beschuldigt, obwohl ich weiß, dass es keine ergründliche Möglichkeit gibt, dass ich überhaupt ein Verbrechen begangen habe, geschweige denn Verrat, ist er immer noch jemand, der in der Lage ist, etwas dagegen zu unternehmen. Um zu versuchen, mein Leben weiter zu zerstören."

Vor einem Monat bei einer Wahlkampfveranstaltung in Minnesota brachte Trump das Fass zum Überlaufen. Der US-Präsident simulierte vor seinen Fans einen Orgasmus und las die Text-Nachrichten zwischen Page und Strzok vor. In diesem Moment entschied sich Page, ihr Schweigen zu brechen.

Hier simulierte Trump den Orgasmus:

Page dazu:

"Ganz zu schweigen von seinem wirklich verwerflichen, erniedrigenden Stunt bei seiner Rally, bei der er meinen Namen benutzte, um einen Orgasmus zu simulieren. Und ich weiß nie, wann der Präsident als Nächstes angreifen wird. Und wenn es passiert, kann es meinen Tag immer noch irgendwie stören. Man gewöhnt sich nicht wirklich daran."

In Washington wartet man nun gespannt auf den Bericht, der am 9. Dezember veröffentlicht werden soll. Das Justizministerium hat Trumps Behauptung untersucht, das FBI habe seine Wahlkampagne im Jahr 2016 ausspioniert. Nach Informationen der "New York Times" wird der Bericht keine Belege für diese Theorie liefern. Demnach wird auch Lisa Page entlastet.

(cma)

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