International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und die Werbung von watson und Werbepartnern zu personalisieren. Weitere Infos: Datenschutzerklärung.

Küsschen und gequälte Blicke – so verlief das Trump-Merkel-Treffen 

28.04.18, 08:38

FABIAN REINBOLD aus washington

Donald Trump und Angela Merkel gaben sich beim gestrigen Treffen im Weißen Haus sichtlich Mühe. Merkel brachte ein Gastgeschenk aus der Heimat von Trumps deutschen Vorfahren mit und tat das, was der US-Präsident am besten findet: Sie lobte ihn, wenn auch nur ein bisschen. Und Trump lobte Merkel, versicherte ihr, dass "unser Bündnis stark" sei und dass er ihr – zumindest beim gemeinsamen öffentlichen Auftritt – keinerlei Vorwürfe beim Handelsstreit mache.

Vor dem Hintergrund des prunkvollen und herzlichen Besuchs von Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron unter der Woche wirkte Merkels Arbeitsbesuch schon vorab wie eine zweitklassige Angelegenheit.

Kurz: Es war ein heikler Besuch von Angela Merkel bei Donald Trump. Sie wollten betont nett zueinander zu sein, aber seine Witzchen irritieren sie sichtlich. Das Treffen zusammengefasst:

Zu viele Streitpunkte und keine Chemie zwischen beiden

Komplizierter wurde das Treffen durch den Umstand, dass aktuell viele Streitthemen zwischen Trump und Merkel, zwischen den USA und Deutschland zu klären wären. Im Handelsstreit droht Eskalation, Trump ist verärgert über Deutschlands Exportüberschuss in die USA, Merkel besorgt über Trumps mögliche Aufkündigung des Iran-Abkommens.

Zudem stimmt die Chemie zwischen Merkel und Trump nicht. Trump sah Merkel, die nach dessen Wahlsieg zur neuen Anführerin der freien Welt hochgeschrieben wurde, anfangs als echte Rivalin – bis diese sich zurückzog und monatelang nicht mit Trump sprach.

Das Treffen stand also von Anfang an im Krisenmodus: Nur keine Eskalation – und gute Stimmung verbreiten, lautete das Motto. Das merkte man im Weißen Haus während der gesamten Besuchszeit von 2 Stunden und 40 Minuten.

Trump ist plötzlich "stolzer Enkel" deutscher Einwanderer

Es begann schon Minuten vor der Ankunft der Kanzlerin, als Trumps Pressestelle eine Mitteilung über die angeblich wunderbaren Beziehungen verschickte. Dort wurde Trump gar als "stolzer Enkel" eines deutschen Einwanderers bezeichnet – dabei tat Trump zu seinen New Yorker Zeiten jahrelang so, als stamme er von einem Schweden ab.

Merkel fuhr vor und bekam ein Küsschen – nicht wie Macron gefühlte 20 über drei Tage, aber immerhin. Im Oval Office gab es den Handshake für die Kameras, den Trump 2017 trotz Merkels Bitten verweigert hatte. Wieder ein Eklat abgewendet.

Merkel brachte einen Kupferstich aus dem Jahr 1705 mit, der die Heimatregion von Trumps Vorfahren – die Rheinpfalz – zeigt. Die Kanzlerin bot dem Präsidenten sogar an, ihm diese Ecke Deutschlands mal persönlich zu zeigen.

Trump: "Angela macht einen fantastischen Job. Aber wir werden euch einholen"

Ganz deutlich wurde die Strategie der vorsichtigen Annäherung auf der gemeinsamen Pressekonferenz im East Room, bereits in den Eingangsstatements, die die beiden Regierungschefs ablasen: Trump von Blättern, die in Großbuchstaben bedruckt waren, Merkel von handgeschriebenen Notizen.

Merkel versuchte es mit Themen, von denen sie hoffen konnte, dass sie Trump emotional ansprechen: Sie betonte die zahlreichen Verbindungen durch in Deutschland stationierte US-Soldaten (Trump liebt das Militär). Sie gelobte, Trumps frisch bestätigtem Botschafter Richard Grenell einen herzlichen Empfang zu bereiten. Sie lobte Trumps Steuerreform.

Trump wiederum lobte Merkel. "Angela vertritt Deutschland, sie macht einen fantastischen Job." So weit, so gut. Und dann ergänzte Trump: "Aber wir werden Euch einholen." Ein typisch Trump’scher Spruch. Aber Merkels Miene war plötzlich sichtlich gequält.

Dies war auch der Fall, als Trump von einem US-Journalisten nach seinem Leibarzt Ronny Jackson gefragt wurde (den Trump zum Minister machen wollte, der sich aber am Donnerstag davon zurückzog.) Trump lamentierte wieder einmal darüber, wie gemein der Politikbetrieb zu seinen Leuten sei und sagte, während er sich zu Merkel drehte: "Washington kann ein sehr fieser Ort sein. Aber das wissen Sie nicht, Kanzlerin." Merkels Blick: wieder gequält.

Missmutige Blicke der Kanzlerin

Wenn man direkt vor den beiden saß, konnte man die missmutigen Blicke der Kanzlerin kaum übersehen.

Solche Momente verraten viel. Oft schaute Merkel zu Trump, und Trump zu Merkel, doch ihre Blicke trafen sich nur selten. Und Merkel bemühte sich offenkundig nicht – oder sie schaffte es zumindest nicht – ihre Meinung zu Trump allzu sehr zu verbergen.

Bei den Streitthemen gab es keinerlei Annäherung 

  1. Bei den deutschen Verteidigungsausgaben bekräftige Trump seine Meinung, nach der die USA im Rahmen der Nato zu sehr belastet würden, weil Deutschland seine Versprechen nicht einhalte. Und Merkel bot dabei nichts an, was den US-Präsidenten hätte besänftigen können.
  2. Beim Handelsstreit betonte Trump zwar, dass nicht Merkel Schuld trage am US-Handelsdefizit mit Deutschland, sondern "meine Vorgänger, die diese Entwicklung erlaubt haben". Kaufen kann sich Merkel dafür nichts. Auf eine Journalistenfrage, was denn nun passiere, wenn am 1. Mai die Ausnahmeregelung für die EU von Trumps Importzöllen auf Stahl und Aluminium auslaufe, konnte Merkel nicht mehr sagen als: "Der Präsident entscheidet."
  3. Ebenso ist es beim Thema Atomabkommen mit dem Iran. Wie zuvor Macron appellierte Merkel daran, dass es mit einem Ausstieg aus dem Deal unmöglich werde, weitere Zugeständnisse von Teheran zu bekommen. Aber ob Trump das Abkommen trotzdem an der von ihm gesetzten Deadline am 12. Mai aufkündigen wird, weiß nach wie vor niemand.

Merkel und Trump leben in verschiedenen Welten

Außer allerlei netter Gesten und Worte brachte das Treffen also keinerlei neue Dynamik in die Beziehungen zwischen Trump und Merkel, ins aktuell schlechte deutsch-amerikanische Verhältnis oder in die Streitthemen mit potentiell weit reichenden Folgen.

Es wirkte, als ob Merkel Trump bereits aufgegeben hat und ihn eher belustigt betrachtet. Frei nach dem Motto: Man kann ihn eh nicht umstimmen, warum dann großartig Mühe verschwenden.

Positiv betrachtet wurde ein Eklat abgewendet, das Verhältnis stabilisiert. Die Bundeskanzlerin ist nicht eingeknickt. Der Besuch machte aber auch deutlich, dass Merkel und Trump in zwei völlig verschiedenen Welten leben.

Was das für Deutschland bedeutet, bleibt offen. Nähere Erkenntnisse gibt es dann, wenn die kommenden Deadlines ablaufen, für Trumps Strafzölle am 1. Mai und für den Iran-Deal am 12. Mai. Oder bei der nächsten Deutschland-Kritik per präsidialem Tweet.

Dieser Text erschien zuerst auf t-online

Das könnte dich auch interessieren:

Neues Video: So hätte Banksys Kunst-Schredder funktionieren sollen

9-Jährige verkauft Cookies vor Cannabis-Shop – rate mal, wie schnell sie keine mehr hatte

Heirate doch alleine! 9 Brautjungfern, die (zurecht) die Schnauze voll hatten 🙅

Feine Sahne bleiben nach Konzertabsage cool – und rufen ihre Fans auf: "Leute, chillt!"

Alle schauten weg: Diese 2 Frauen aus NRW aber stoppten den Vergewaltiger

Syrer starb im September in JVA Kleve – warum der Fall jetzt erneut für Aufsehen sorgt

So könnt ihr die Hessen-Wahl verstehen, auch wenn ihr nicht in Hessen wohnt

Darum sind Microsofts neue Surface-Geräte fast unreparierbar 🙈

"Die Sims": In 5 Schritten vom Innenarchitekten zum Serienkiller

CDU und AfD haben offenbar gerade ein Konzert der Band Feine Sahne Fischfilet verhindert

"Einfach peinlich" – 4 Bayern-Fans sagen, was sie jetzt denken

Luka Jovic erzielt Fünferpack – diesen 13 Spielern ist das auch schon gelungen

Kanzlerin Merkel will die Flüchtlingsdebatte beenden – Besser spät als nie?

Weil wir sie vermissen: Das wurde aus den 7 "Two and a Half Men"-Stars

Mockridge, Kebekus & Co. – Raab feiert mit "TV Total"-Freunden sein Comeback

Simuliertes Wohnen – die Influencer-Welt ist um eine bizarre Geschäftsidee reicher

Vor 18 Jahren: Christoph Daums Haarprobe sorgt für einen der größten Bundesliga-Skandale

Rihanna schlägt Super-Bowl-Auftritt aus – wegen ihm hier

"Orange Is the New Black" endet 2019 – so sehen die Stars in echt aus

Wie glaubwürdig ist Saudi-Arabiens Geständnis im Fall des getöteten Journalisten? 

Dank Google könnten eure Android-Smartphones bald ein gutes Stück teurer werden

Dieser aufgeregte Spanier liefert die beste Analyse der Bayern-Wahl 

So faul – die pinkeln nur einmal die Woche: 7 Fun-Facts über Faultiere

Diese Nüsse will die EU heute beim Gipfel knacken

Maskierte überfallen Geldtransporter in Berlin – ihnen gelingt eine spektakuläre Flucht

Damit du dieses Jahr weniger Taschentücher brauchst – so überstehst du die Grippewelle

Schwedischer Studentin droht Gefängnis – weil sie einen Abschiebeflug stoppte

Leroy Sané gibt Tinder-Tipps – das Ergebnis ist schlimmer als jedes Horrordate

Wie russische Medien von Berlin aus die Fakten verdrehen

Tierarzt bittet: Bleib' bei deinem Hund, wenn er stirbt. Auch wenn es hart ist.

Der Sportreporter unserer Kindheit hört auf 😞 – hier nochmal seine besten Momente

Ein schwuler Schüler bittet  den Schwarm der Schule um ein Date – das Video ist ❤️

Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

0
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Wie viel verdienen diese Politiker? Das watson-Quiz

Merkel oder Trump? Bundestagsabgeordnete oder Landesparlamentarier? Wer gehört in der deutschen und internationalen Politik zu den Topverdienern – und wer muss sich mit vergleichsweise kleinen Gehältern zufrieden geben?

Im watson-Quiz kannst du dein Wissen testen und erfährst das Ergebnis (und erlebst die eine oder andere Überraschung).

Artikel lesen