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US-Präsident Trump steht in der Kritik, weil er den rassistischen Ausdruck "Kung Flu" verwendet hat. Bild: ap / Patrick Semansky

"Kung Flu": Beraterin verteidigt Trump und greift asiatisch-amerikanische Reporterin an

US-Präsident Donald Trump steht wegen seiner Verwendung des rassistischen Ausdrucks "Kung Flu" als Synonym für das Coronavirus in der Kritik. Seine Beraterin Kellyanne Conway (die 2017 den Ausdruck "alternative Fakten" erfand) hatte die Verwendung des Ausdrucks noch im März als "falsch" bezeichnet. Nun jedoch verteidigt sie den Präsidenten gegen entsprechende Vorwürfe – und greift ihrerseits eine asiatisch-amerikanische Reporterin an.

Am Mittwoch (Ortszeit) wurde Conway von der NBC-Reporterin Monica Alba mit ihrer im März geäußerten Ablehnung des Begriffs konfrontiert. Trump hatte ihn auf einer Wahlkampfveranstaltung am vergangenen Samstag vor Anhängern in Tulsa verwendet.

Anstatt auf die Frage zu antworten, griff Kellyanne Conway die CBS-Journalistin Weijia Jiang an. Jiang, die in China geboren wurde, hatte im März darüber berichtet, dass ein Mitarbeiter des Weißen Haus den Ausdruck ihr gegenüber benutzt hatte.

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Trump-Beraterin Kellyanne Conway. Bild: ap / Andrew Harnik

Conway versucht abzulenken

"Ich habe Weijia auch gebeten, uns zu verraten, wer es gesagt hat", sagte Conway zu Alba. Die Reporterin solle doch Jiang damit konfrontieren.

Alba ließ sich davon jedoch nicht beirren, sondern fragte Conway, ob sie auf Trumps wiederholte Verwendung des rassistischen Begriffs reagieren würde. Conway erwiderte, Trump habe lediglich "sehr deutlich" gemacht, dass der Virus aus China stamme. Sie beharrte weiter darauf, dass Jiang, die ebenfalls vor Ort war, ihre Quelle preisgeben solle.

Und weiter: "Das ist jemand, der das nicht hätte sagen sollen, und Sie behaupten, dass er es gesagt hat. Und wir wissen immer noch nicht, wer das war."

Jiang insistiert weiter – Conway schäumt

Jiang wiederum wies nun ihrerseits darauf hin, dass Conway selbst den Ausdruck als "verletzend" bezeichnet habe. "Würden Sie das jetzt auch dem Präsidenten sagen?", fragte sie.

Sie spreche täglich mit dem Präsidenten über verschiedene Dinge, gab Conway zurück. "Wir sind uns nicht immer in allem einig, deswegen arbeite ich hier", behauptete sie.

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CBS-Journalistin Weijia Jiang. Bild: newscom / DAVID SILPA

Davon ließ Jiang sich wenig beeindrucken. Sie hakte weiter nach, was Conway von der Verwendung des rassistischen Ausdrucks durch Trump halte.

Die Trump-Beraterin ging allerdings weiter nicht darauf ein – und setzte stattdessen zum Gegenangriff an: "Sie hätten sich vor hundert Tagen melden sollen, als Sie die Gelegenheit dazu hatten. Sie haben Ihre Chance verpasst, weil Ihnen der Mut fehlte", schäumte Conway. Sie bezog sich damit auf den von Jiang geschilderten Vorfall, bei dem ihr der Mitarbeiter des Weißen Haus den Begriff ins Gesicht gesagt haben soll.

Ähnlich wie die Pressesprecherin

Der Eiertanz der Beraterin ähnelt den Ausführungen der Pressesprecherin des Weißen Hauses, Kayleigh McEnany, die sich kurz zuvor bereits bemüht hatte, Fragen von Reportern über Trumps Verwendung des rassistischen Begriffs abzuwehren.

Am Montag (Ortszeit) beharrte McEnany darauf, dass der Präsident nur versucht habe, darauf hinzuweisen, woher das Virus stamme. Sie warf den Medien vor, sie würden "versuchen, mit der Terminologie Spielchen zu spielen".

(om)

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